Bruckmühl – Zwei schwere Zusammenstöße binnen vier Monaten, einer davon mit tödlichem Ausgang: Die Staatsstraße 2078 bei Bruckmühl – und insbesondere der Abschnitt bei Heufeld zwischen der Einfahrt zu einem großen Geschäft für Tierbedarf und der Zufahrt zu einem großen Modegeschäft – erscheint mittlerweile vielen Verkehrsteilnehmern als Unfall-Hotspot. Doch handelt es sich dabei um eine belegbare Tatsache oder nur um eine gefühlte Wahrheit? Das OVB hat statistische Daten gewälzt – und ist auf ein klares Ergebnis gestoßen.
Der Tod einer 82-jährigen Autofahrerin im Juni hatte tiefe Betroffenheit in der Region ausgelöst: Beim Ausfahren vom Parkplatz des Modehauses auf die Staatsstraße 2078, die dort unter dem Namen Münchener Straße verläuft, übersah die Bruckmühlerin am 19. Juni einen herannahenden Lkw. Beim Zusammenstoß wurde die Frau so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle starb.
Am 29. Oktober kam es dann zu einem ähnlichen Unfall, der glücklicherweise aber weitaus weniger dramatisch endete. Beim Abbiegen in Richtung Modehaus-Parkplatz hatte ein Autofahrer einen anderen Verkehrsteilnehmer übersehen, wodurch es zum Frontalzusammenstoß der beiden Autos gekommen war. Dabei wurde einer der beiden Autofahrer leicht verletzt.
Zwei schwere Zusammenstöße
Die beiden schweren Zusammenstöße ließen die Rufe aus der Bevölkerung nach mehr Sicherheit auf dem Streckenabschnitt lauter werden. Dabei hatten die Behörden bereits vor dem tödlichen Unfall im Juni reagiert und das Tempolimit von 80 km/h auf 60 km/h heruntergesetzt. Zudem wurden im Juli spezielle Tempolimit-Schilder mit dem Zusatzhinweis „Unfallstelle“ aufgestellt, um die Verkehrsteilnehmer für dort drohende Gefahren zu sensibilisieren.
Für weitere Maßnahmen sehen bislang die für die Staatsstraße zuständigen Behörden keine Ansatzpunkte. „Bei der letzten Überprüfung der Unfallkommission wurde kein Unfallschwerpunkt mehr in dem Bereich festgestellt“, sagte beispielsweise Simone Beigel, Sprecherin des Landratsamtes Rosenheim, Anfang November. „Daher sieht die Unfallkommission hier vorerst keinen weiteren Handlungsbedarf.“
Ähnlich äußerte sich jetzt auch das Staatliche Bauamt Rosenheim gegenüber dem OVB. „Der Streckenabschnitt wird in der vor Kurzem veröffentlichten Unfallhäufungskarte nicht als Unfallhäufungspunkt geführt und wird deshalb nicht automatisch von der Unfallkommission beobachtet. Dennoch wird das Staatliche Bauamt die Situation hier im Auge behalten“, teilte Sprecherin Ursula Lampe mit. „Aktuell sind an dieser Stelle seitens der Unfallkommission keine weiteren Maßnahmen geplant.“
Ähnlich hatte sich jüngst bereits Johann Brumbauer, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Bad Aibling, zu diesem Streckenabschnitt geäußert. „Wir sind im Austausch mit der Gemeinde und dem Landratsamt und schauen uns das natürlich genauer an“, sagte der PI-Leiter Anfang November. Der PI-Leiter betonte aber auch, dass es schwer zu sagen sei, „ob es sich hier wirklich um einen Unfallschwerpunkt handelt.“ Denn vor den beiden Zusammenstößen sei dort „gar nichts“ passiert.
Aussagen, die auch der sogenannte Unfallatlas, ausgearbeitet von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder, bestätigen kann. Der Unfallatlas führte hier zwar keine Zusammenstöße mit Blechschäden, aber alle Crashs auf, bei denen Personen verletzt oder getötet worden sind. So hatte es im Jahr 2023 auf Höhe des Tierzubehörgeschäfts zwei Unfälle mit Leichtverletzten gegeben, auf Höhe des Modegeschäfts hatte es gar keinen Zusammenstoß mit Personenschaden gegeben.
2021 kein Unfall
auf der Strecke
Ähnlich sieht es in den Jahren davor aus: Im Jahr 2022 sind im Unfallatlas auf Höhe des Tiergeschäfts zwei Unfälle mit jeweils Leichtverletzten vermerkt, auf Höhe des Modegeschäfts ein Zusammenstoß, bei dem eine Person schwer verletzt worden war. 2021 hatte die Behörde auf dem Streckenabschnitt gar keinen Unfall mit Personenschaden zu verzeichnen, 2020 gab‘s bei Crashs auf Höhe beider Geschäfte jeweils eine leicht verletzte Person. Was eine der Aussagen Brumbauers stützt, der vermutet hatte, dass „aufgrund des tödlichen und des jetzt schweren Unfalls sich aktuell der Blick der Öffentlichkeit auf diese Stelle richtet.“