Bruckmühl/Feldkirchen-Westerham – „Jetzt lernst du erst mal Blockflöte und dann ein ,richtiges‘ Instrument.“ Ein Satz, den Marina Ellmayer (28) aus Bruckmühl überhaupt nicht nachvollziehen kann. Denn die zweifache Mutter und Landwirtin aus Bruckmühl liebt es nicht nur, auf der Blockflöte zu spielen, sondern findet das Instrument auch extrem vielseitig. Und unterrichtet daher an der Musikschule Feldkirchen-Westerham gerne Kinder an der Blockflöte – neben weiteren Kursen für Gitarre und Hackbrett sowie ihrer Aufgabe als Leiterin des Musikgartens, der sich an kleine Musikanten zwischen 1,5 und vier Jahren richtet. Im Interview mit dem Mangfall-Boten zum „Tag der Blockflöte“ am heutigen Freitag verrät die Bruckmühlerin, was sie an diesem Instrument besonders fasziniert und wieso sich Musik und Kleidungsstücke sehr ähnlich sind.
Jahrzehntelang galt die Blockflöte als Einstiegsinstrument in die musikalische Bildung. Ist das heute auch noch so?
Durchaus. Meistens hat man schon eine Flöte zu Hause rumliegen und die Kinder probieren sich aus. Man muss also nicht in große finanzielle Vorleistung gehen, um zu testen, ob das Kind Interesse an Musik hat. Eine Flöte ist außerdem sehr einfach aufgebaut, chronologisch angeordnet, das heißt je weniger Finger auf den Öffnungen, umso höher wird auch der Ton. Das ist beispielsweise bei der Gitarre viel komplizierter. Hinzu kommt auch der leichte Transport des Instruments beispielsweise im Vergleich zu einer Harfe. Aufgrund unseres Wohlstands ist allerdings auch ein Wandel in Sicht. Die Schüler werden heute oftmals zum Unterricht gefahren, das Einstiegsinstrument darf auch mal was kosten. Als Eltern sollte man daher sein Kind einschätzen können, für was es ein Talent hat – oder auch nicht. Und woran es Spaß hat, denn das ist das Wichtigste am Musizieren.
Welche Vorteile hat die Blockflöte als Einstiegsinstrument im Vergleich zu anderen Instrumenten?
Da gibt es einige Vorteile: Die Blockflöte ist leicht verständlich und leicht zu erwerben. Es stellt sich ein schneller Erfolg bei den Schülern ein, der Notenbereich liegt rein im Violinschlüsselbereich, was das Erlernen leichter macht. Zudem ist die Blockflöte leicht transportierbar und für ein Zusammenspiel leicht zu stimmen.
Wie sind Sie damals zur Blockflöte gekommen?
Durch die klassische musikalische Früherziehung – wobei ich erst richtig für das Instrument schwärme, seitdem ich es selbst unterrichte. Denn da sehe und höre ich, welche Erfolge sich schon nach den ersten Flötenstunden bei den Kindern bemerkbar machen und wie ihre Augen dann vor Stolz leuchten.
Sie spielen selbst unter anderem Gitarre und Hackbrett. Haben Sie persönlich ein Lieblingsinstrument?
Mein Lieblingsinstrument ist das Hackbrett. Es ist einfach etwas Besonderes, da man es nicht mehr so oft hört. Es macht unglaublich Spaß, da man frei in den Tonarten ist, leicht improvisieren und auch leicht etwas zu anderen Instrumenten dazu spielen kann. Und da es sich einfach toll anhört. So haben Saiteninstrumente einen relativ großen Tonumfang, eine wahnsinnig hohe Tonstärke und man kann dem Ganzen auch noch verschiedenste Styles verpassen, beispielsweise durchs Zupfen, Streichen, Hämmern oder Klopfen. Mit Saiteninstrumente lassen sich einfach fantastisch Gefühle projizieren, Stimmungen abbilden oder auch dem gleichen Musikstück verschiedenste Nuancen verpassen. Das ist ähnlich wie beim Dialekt, wo beispielsweise ein Ausdruck verschiedenste Gefühlsmomente darstellen kann. Meine große Leidenschaft gilt auch meinem Kontrabass. Mit ihm kann ich in zweiter Reihe den Stücken den gewissen Tiefgang und eine Dynamik verleihen. Mit Musikinstrumenten ist es eigentlich ähnlich wie mit Kleidungsstücken: Sie sollten in dem Moment zur Stimmung, zum Anlass und zum perfekten Ganzen das Tüpfelchen aufs i setzen.
Wie wichtig ist Ihnen persönlich die Musik?
Musik ist in meinem Leben unglaublich wichtig. Ich kenne kein anderes Mittel, das die Emotionen so steuern kann. Die Musik kann einen Aufschwung geben, trösten, feiern lassen, und vor allem verbindet Musik die Menschen, ohne ein Wort sprechen zu müssen. So wird sich eine Bach-Kantate in der Mongolei von einer in Spanien dargebotenen nicht unterscheiden, wogegen sich Kultur, Aussehen und Sprache kaum deutlicher unterscheiden könnten. Viele kennen zwar das Erlebnis, Musik zu hören. Musik selbst zu spielen birgt aber zusätzlich die Faszination, sie selber gestalten zu dürfen, selber zu entscheiden, innerlich einzutauchen und mit den Stücken eins zu werden. So ist das Erlernen von einem Instrument zwar mühsam, doch beim Spielen dann aber viel facettenreicher und ganzheitlicher.
Wieso ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass bereits Kinder musikalische Bildung erfahren?
Ich selbst gebe Musikgartenkurse, die schon ab einem Alter von einem Jahr empfohlen werden. Da kommt oft die Frage: „Bringt das denn schon was in dem jungen Alter?“ Ich antworte dann immer: „Musik ist auch eine Sprache!“ Rhythmen, Dreiklänge, Tonleitern – lasst uns unsere Kinder mindestens zweisprachig aufwachsen! Musik wird für sie ein Anker für ihr ganzes Leben sein. Jeder kennt es – den Kniereiter und das Verserl aus der Kindheit, mit dem man Erinnerungen an die Kindheit verknüpft, bei denen es einem ganz warm ums Herz wird. So sollten auch Kinder die Möglichkeit haben, sich nicht nur mit Sprache zu artikulieren, sondern auch durch die Musik zu sprechen. Für viele ist das eine leichtere Basis, Gefühle zu zeigen oder auch zuzulassen als mit Worten. Vielen Eltern ist es aber auch einfach nur ein Bedürfnis, ihren Kindern gewisse Basics für später an die Hand zu geben, wie beispielsweise auch Ski fahren, Schwimmen oder Radfahren. Hat man das in den Kinderjahren erlernt, bleibt es auch später im Gedächtnis und kann jederzeit wieder abgerufen werden.
Welche Vorteile können Erwachsene, die bisher kein Instrument spielen, aus Musikunterricht für ihr Leben ziehen?
Es hält unser Gehirn fit, da beide Gehirnhälften miteinander interagieren müssen. Zudem entschleunigt es uns, da der Musizierende ganz im Moment ist. Außerdem führt es Menschen zusammen und gibt dem Leben eine Struktur. Denn so sehr man auch bei Instrumenten improvisieren kann, es gelten immer gewisse Regeln. Ist das Ziel, ein Instrument spielen zu können, erreicht, kann man auch ins nächste Level gehen: das Spiel mit mehreren in einer Gruppe, beispielsweise in einer Kapelle, im Ensemble oder im Orchester. So werden der Teamgeist, das Miteinander, das Füreinander gefördert. Gerade in der heutigen Zeit ist es ja eher eine seltene Tugend, sich auf das Gegenüber abzustimmen, hinzuhören und einzufügen. Interview: Mathias Weinzierl