Eine „Raumstation“ für alle

von Redaktion

Bad Aiblinger Verein „Raum und Zeit“sucht Räumlichkeiten für Veranstaltungen

Bad Aibling – Fast vier Jahre gibt es ihn nun schon, den Verein „Raum und Zeit“. Am 12. Februar 2021 hatte sich der Jugendtreff für Erwachsene im Bahnhofsgebäude gegründet. In den Vereinsräumen, der „Raumstation“, gestalten die Mitglieder das Bad Aiblinger Kulturleben mit. So finden zum Beispiel Veranstaltungen wie Kleidertausch, Konzerte, Demokratie-Festivals oder Osterglassuchen, wo an Ostern Schraubverschlussgläser mit kleinen Geschenken versteckt werden, statt.

Über die Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahren freut sich vor allem Caro Haas. Sie war drei Jahre lang im Vorstand und ist dem Verein nun als „aktives Vollzeitmitglied“ erhalten geblieben. „Es geht stetig voran. Seit der Gründung zu Corona-Zeiten hat sich wirklich viel verändert“, sagt Haas.

Für mehr
Vielfalt und Kultur

So fördern die Vereinsmitglieder junge Musiker und Künstler aus der Region durch Konzerte und Lesungen. „Wir haben auch viele Kooperationen und engagieren uns für Vielfalt, indem wir uns auch gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzen“, so Haas. Der Verein steht für ein „buntes Bad Aibling“. Jeder ist willkommen, auf ein gemütliches Bier vorbeizukommen oder sich bei den Veranstaltungen zu engagieren. „Der Verein ist für uns eine Art Hobby geworden“, sagt das langjährige Mitglied. „Wir lieben es, Veranstaltungen zu planen, durchzuführen und so eine Gemeinschaft entstehen zu lassen.“

Mit 16 Gründungsmitgliedern startete der Verein. Nun sind es 145 Mitglieder. Im vergangenen Jahr kamen 27 neue Leute dazu. Über diesen Zuwachs freut sich Haas sehr. „Es ist schön zu sehen, wie der Verein in den Jahren gewachsen ist und die Resonanz ist sehr positiv“, sagt sie.

Auch Familien kommen gerne in die „Raumstation“. Denn der Verein bietet für Kinder ein großes Programm. Wie zum Beispiel das Familienkonzert mit Café Unterzucker oder die Aktion „Kulturbühnen Advent“, wo mit der Bumbumband Weihnachtslieder gesungen wurde. „Kinder ab 13 Jahren haben bei uns sogar die Möglichkeiten, den Vorstand mitzuwählen“, sagt Haas.

Bis jetzt läuft es für den Verein „Raum und Zeit“ damit gut. Doch es hat auch einige Herausforderungen gegeben. Daran kann sich das Mitglied, Tom Zimmer, erinnern. „Am Anfang haben wir natürlich erstmal nach einem Raum gesucht. Das war nicht leicht und wir mussten ein bisschen kämpfen, dass wir in diese Wohnung durften“, erklärt Zimmer. Vor zwei Jahren konnte der Vorstand dann endlich den Mietvertrag für die „Raumstation“ unterschreiben.

Dem stimmt Caro Haas zu. „Die größte Herausforderung ist und bleibt auch weiterhin die Raumfrage“, sagt sie. Denn neben dem „tollen Vereinsheim“ möchten die Mitglieder gerne auch einen vereinsinternen Veranstaltungsraum haben. „Wir haben derzeit keinen Ort, wo wir dauerhaft Konzerte und Lesungen halten können“, sagt Haas. Zwar bekommen sie Räume für ihre Aktivitäten zur Verfügung gestellt, doch ein Ort, wo sie bleiben können, wäre besser. Um auch nicht immer das benötigte Material, die Getränke und die Dekoration hin- und herfahren zu müssen. Derzeit sind sie nicht aktiv auf der Suche danach. Die Augen und Ohren halten sie dennoch offen. „In unseren Köpfen spuken viele Ideen herum, die wir gerne umsetzen wollen und dafür brauchen wir die passenden Orte“, sagt Haas.

Ideen haben sie wirklich genug. Seit vergangenem Jahr gibt es nun auch den Butzen-Chor. Benannt nach der „Raumstation“, die auch „Butze“ genannt wird. Entstanden ist die Idee durch Tom Zimmer und Irmi Haager. „Ich hatte schon immer Lust auf einen Chor, war aber noch nie in einem“, sagt Zimmer. Er wusste, dass viele aus dem Verein ebenfalls Interesse am gemeinsamen Singen hatten. Also schlug er Irmi Haager seine Idee vor, denn diese hat viel Erfahrung mit Chören, da sie Gesang studierte. Sie sei begeistert gewesen und auch der Verein gab seine Zustimmung. Nun treffen sich die Sing-Freunde einmal im Monat. Für eineinhalb Stunden singen sie zusammen. Ganz locker und ohne klare Vorgaben. Auch was die Liedauswahl angeht, gibt es keine strikte Reihenfolge. „Wir singen vor allem Lieder, die die meisten Menschen kennen. Wir sind aber auch immer offen für neue Richtungen“, sagt der Musiker.

Er selbst begleitet den Chor auf seiner Gitarre. Denn Tom Zimmer hat Jazz-Gitarre studiert. Während seines Studiums schloss er sich einer Band an und fing mit dem Singen an. Im Chor kann er das nun weiter ausleben. Hier steht vor allem der Spaß im Vordergrund. „Das hier ist ein angstfreier Raum. Jeder, der mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen“, sagt er. Interessierte brauchen keine Notenkenntnisse und auch keine Chorerfahrungen. Für Zimmer hat der Butzen-Chor vor allem eine Wirkung: „Ich finde, dass gemeinsam Singen etwas Heilendes und Wohltuendes hat.“ Bestätigung bekommt er dafür wohl auch durch die hohe Nachfrage. Denn immer mehr Leute kommen dazu. Was der Chor so alles kann, haben sie auch schon auf einigen Auftritten zeigen können, wie zum Beispiel beim Adventssingen. Gerade bereiten sie sich auf ihren Auftritt auf dem Demokratiefestival im September vor.

Singen in
stressigen Zeiten

Für die Zukunft hofft Zimmer, dass sie mehr auftreten und den Chor zweimal im Monat anbieten können. Denn das gemeinsame Singen sei wichtig. Gerade in stressigen Zeiten sei es schön, wenn man auch einfach mal abschalten und sich ungezwungen mit anderen treffen kann. „Und im Chor trifft man nette Menschen, macht für sich was Schönes und lässt gleichzeitig gemeinsam etwas Tolles entstehen“, so der Musiker.

Nicht nur im Butzen-Chor entsteht Tolles. In den Jahren hat sich der Verein weiterentwickelt. Viele Projekte konnten schon umgesetzt werden. In Zukunft sollen noch weitere folgen. Ein Flohmarkt und eine Open Stage, wo jeder, der will, frei etwas vortragen, singen oder tanzen kann, sind in Planung. Auch hier eine tolle Gelegenheit, um vor allem Kindern eine Bühne zu geben, um sich künstlerisch auszuleben.

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