Bad Aibling – „Die Erwachsenenbildung ist durch Volkshochschulen und sonstige mit öffentlichen Mitteln unterstützte Einrichtungen zu fördern.“ Dieser staatliche Auftrag ist im Artikel 139 der Bayerischen Verfassung von 1946 verankert. Bereits drei Jahre später wurde er in Bad Aibling in die Praxis umgesetzt.
Als Kulturbund gegründet
In der von Altbürgermeister Dr. Werner Keitz für den Zeitraum 1949 bis 2012 erstellten Chronik ist vermerkt, dass am 29. November 1949 im Theatercafé des damaligen Kurhauses der „Kulturbund Bad Aibling
e. V.“ gegründet wurde – der Vorläufer der heutigen Volkshochschule. Zum Vorsitzenden wählte die Gründungsversammlung den Kunstmaler Professor Georg Höllriegel. Die Geschäftsstelle war in der Redaktion des „Mangfall-Boten“ im damaligen Theresienbad angesiedelt.
Englisch, Steno
und Buchhaltung
Erste Kurse in Englisch, Buchhaltung und Stenografie bot der Kulturbund ab 1950 an. Im gleichen Jahr konnte der bekannte Kunstmaler und Grafiker Leo von Welden als Dozent für Zeichenkurse gewonnen werden. In den 1960er-Jahren hielten prominente Persönlichkeiten wie der Bergsteiger und Schriftsteller Luis Trenker, die spätere Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Dr. Hildegard Hamm-Brücher, und der legendäre Weltumsegler Rollo Gebhart Vorträge. Weitere Höhepunkte waren unter anderem das „Offene Singen“ mit der Volksmusik-Ikone Wastl Fanderl und eine Dichterlesung mit Eugen Roth. Die Zwischenbilanz anlässlich des 25-jährigen Bestehens 1974 lautete: Rund 900 Veranstaltungen mit circa 75000 Besuchern. 1975 erschien erstmals das gemeinsame Programmheft der Volkshochschulen im Mangfalltal. 1977 konnte im Rathaus-Untergeschoss ein erster eigener Raum angemietet werden. 1981 erfolgte die Umbenennung zur Volkshochschule, die 1987 in ihre erste Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße umziehen konnte.
2004 siedelte die VHS in ihre heutigen Räume in der Heubergstraße über. „Vier Frauen stemmen 60 Umzugskartons“, lautete die Schlagzeile des damaligen Berichts im Mangfall-Boten. 2011 überschritt die Anzahl der Kursteilnehmer erstmals die 7000er-Marke.
Von ihrer Gründung 1949 bis zum 31. Dezember 2023 hat die VHS rund 17000 Veranstaltungen durchgeführt, an denen insgesamt circa 320000 Personen teilnahmen – eine wahrlich eindrucksvolle Bilanz. Derzeit sind knapp 200 Dozenten für die VHS tätig. Für eine erfolgreiche Fortschreibung dieser Bilanz nennt Geschäftsführerin Birgit Schreuer zwei Gründe: „Mit aktuellen Themen am Ball bleiben und eine moderne technische Ausstattung bieten.“ Als aktuelle Beispiele dazu nennt sie Kursangebote wie KI, ChatGPT und die Ausstattung der Kursräume mit digitalen Tafeln.
Ehrenamtliche Tätigkeit
Die langjährige Geschäftsführerin Heidi Benda erinnert sich an die Anfänge: „Anfangs habe ich nur von zu Hause gearbeitet, erst ab 1987 gab es eigene Büroräume. Die ehrenamtliche Tätigkeit wurde mit einer Aufwandsentschädigung, das waren etwas mehr als 400 Mark im Monat, vergütet. Die Technik bestand aus Schreibmaschine und Telefon. Die Verteiler der Hefte an die Haushalte wurden selbst organisiert, im Zweifelsfall musste man die Hefte selbst verteilen.“
Erstaunliche Entwicklung
Die heutige Situation schildert Birgit Schreuer: „In der Geschäftsstelle arbeiten vier Teilzeit-Mitarbeiter. Sie ist technisch gut ausgestattet, inklusive einer Kursverwaltungssoftware speziell für Volkshochschulen. Die Programmhefte werden über Auslegestellen verteilt.“ Das Jubiläums-Fazit von Birgit Schreuer lautet: „Die VHS Bad Aibling hat in den letzten 75 Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht – von den bescheidenen Anfängen in den Wohnzimmern unserer Ehrenamtlichen bis hin zu einem modernen, digitalen Zentrum der Weiterbildung. Doch das Herz unserer VHS bleibt dasselbe: Neben Weiterbildung geht es vor allem um Begegnung.“