Gefahr auf gefrorenem Eis

von Redaktion

Über einige Gewässer im Mangfalltal zieht sich derzeit eine vermeintlich dicke Eisschicht. Dabei lauert auf zugefrorenen Seen oftmals „akute Lebensgefahr“. Warum Experten zur Vorsicht mahnen, was im Notfall zu tun ist und wie Sportler mit dem Eis umgehen.

Mangfalltal – Der Schock war groß, als sich ein 13-jähriges Mädchen aus Freilassing (Kreis Berchtesgadener Land) Anfang Januar dort auf den zugefrorenen Ausee begeben hatte. Rund 20 Meter vom Ufer entfernt brach das Eis unter ihr ein und das Mädchen stürzte ins eiskalte Wasser, wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) später mitteilte. Sie konnte durch Spaziergänger gerettet werden, doch das Beispiel zeigt, wie gefährlich das Betreten von offenen Eisflächen sein kann. Davor warnen auch Experten in der Region, zumal auch im Mangfalltal zugefrorene Gewässer für potenzielle Gefahren sorgen.

Gefahr oft
nicht sichtbar

Nicht nur in Bad Aibling erstreckt sich etwa über den Irlachweiher derzeit eine vermeintlich dicke Eisschicht, auch in Kolbermoor ist der Tonwerkweiher zugefroren, genau wie der Höglinger Weiher in Bruckmühl. Das wiederum ruft immer wieder beispielsweise Schlittschuhläufer auf den Plan. Oftmals erweckt das ein oder andere Gewässer jedoch nur den Eindruck, als wäre es fest zugefroren. Und genau darin liegt die Gefahr, erklärt die Ortsgruppe der Wasserwacht in Bad Aibling.

„Ich empfehle klar, nur offiziell freigegebene Gewässer zu betreten“, sagt Dominik Englhauser, Vorsitzender der Wasserwacht Bad Aibling, auf Anfrage des Mangfall-Boten. Tatsächlich hatte die Ortsgruppe Bad Aibling diesen Winter trotz der zugefrorenen Seen noch keine expliziten Eisrettungseinsätze. „Hoffen wir, dass dies weiterhin so bleibt“, betont Englhauser. Generell seien sowohl im Sommer zum Baden als auch im Winter Fließgewässer weniger empfehlenswert als stehende Gewässer. Zusätzlich zur möglichen Gefahr auf dem Eis sei etwa die Warnung des Marktes Bruckmühl vor der Burgunderblutalge im Höglinger Weiher noch nicht aufgehoben. „Auch wenn der rötliche Algenfilm teils nicht mehr an der Wasseroberfläche sichtbar ist, so ist die Alge noch im Gewässer vorhanden.“

Doch zurück zum Eis: Worauf sollte man unbedingt achten, bevor man eine entsprechende Fläche betritt? „Es gibt Merkmale, die auf eine nicht betretbare Eisfläche hinweisen können“, erklärt Englhauser. Ein Beispiel seien dunkle Flecken, die durch dünneres Eis oder Wasserpflanzen hervorgerufen werden können. „Dies kann auf eine verringerte Belastbarkeit des Eises hindeuten.“ Laut dem Vorsitzenden sind aber viele Faktoren für eine tragfähige Eisdecke nicht einschätzbar. „Hier spielen die Tiefe des Gewässers, die Strömung unter dem Eis, die Wassertemperatur, Wasserpflanzen und etliche weitere Faktoren neben der Eisdicke eine wichtige Rolle“, so Englhauser.

Als Faustregel bezeichnet er eine 15 Zentimeter dicke Eisschicht auf einem stehenden Gewässer als für den Menschen begehbar. Und falls das Eis unter den Füßen doch beginnen sollte, zu brechen, gibt Englhauser einen klaren Tipp: „Falls man sich bereits auf dem Eis befindet und ein Knacken unter sich wahrnehmen kann, gilt es, sich sofort auf den Bauch zu legen.“ Dies diene der Gewichtsverteilung und könne ein Einbrechen verhindern. Anschließend sollte man auf dem gleichen Weg, auf dem man gekommen ist, den Gefahrenbereich robbend wieder verlassen.

Ungeachtet dessen, ob man selbst in Gefahr ist oder jemanden beim Einbrechen beobachtet, sollte laut Wasserwacht unverzüglich die Notrufnummer 112 gewählt werden. „Nach wenigen Minuten erleidet der Körper einen Kälteschock, der zum Ertrinken führen kann – es besteht akute Lebensgefahr“, sagt Englhauser. Der Eingebrochene sollte seine Arme ausbreiten, um nicht unter das Eis zu gelangen und womöglich die Orientierung zu verlieren. Anschließend kann, falls vorhanden, ein Rettungsring oder eine Rettungsleine zu der Einbruchsstelle geworfen werden. Dabei sei unbedingt auf „ausreichenden Eigenschutz des Retters“ zu achten. Anschließend würden die gerufenen Wasserretter oder Rettungstaucher der Schnell-Einsatzgruppe (SEG) schnellstmöglich zur Hilfe eilen, weiß der Aiblinger.

Doch damit nicht genug: „Sobald die eingebrochene Person gerettet ist, sollte man jegliche nasse Kleidung entfernen, die Person in warme Decken einwickeln und möglichst wenig bewegen.“ Bei einem eventuellen Kreislaufstillstand, so Englhauser, sei mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen. Generell empfiehlt er vor dem Betreten einer freigegebenen Eisfläche insbesondere mit Kindern die Eisregeln der Wasserwacht gründlich zu lesen. Diese sind auf der Homepage unter wasserwacht.bayern/images/download/eisregeln-plakat.pdf gelistet.

Doch dürfen offene Eisflächen grundsätzlich überhaupt betreten werden? Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt hier generell „vor lebensgefährlichem Leichtsinn“ und empfiehlt ebenfalls, nur Eisflächen zu betreten, die offiziell von lokalen Behörden freigegeben sind, da die Gefahren eines Eiseinbruchs hoch seien. In Bad Aibling etwa ist der Irlachweiher mit deutlichen Warnschildern („Betreten der Eisfläche verboten“) versehen.

Im Falle des Kolbermoorer Tonwerkweihers hatte eine Sprecherin des Landratsamtes im Vorjahr auf Nachfrage des Mangfall-Boten mitgeteilt, dass es sich hier um „gesetzlich geschützte Biotope“ handelt, die durch das Bundesnaturschutzgesetz pauschal vor erheblichen und nachhaltigen Eingriffen geschützt würden. „Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die dort lebenden Tierarten durch Schlittschuhlaufende beunruhigt und gestört werden, sollten die beiden Weiher als sensibler Tierlebensraum nicht zum Eissport genutzt werden“, so das Landratsamt.

Überhaupt sollten Eisflächen möglichst nur bei einer Freigabe betreten werden, hatte zuletzt auch Yannick Dietl, stellvertretender technischer Leiter Einsatz beim DLRG-Ortsverband Bad Aibling, gegenüber dem Mangfall-Boten betont. Zwar habe man hier im Mangfalltal nicht so viele große Seen, auch die Mangfall sei meist nicht zugefroren. Dennoch sei die Gefahr bei zugefrorenen Gewässern auch in der Region sehr ernstzunehmen.

Doch bei aller Gefahr bietet die Eisschicht freilich vielen Sportlern eine besondere Gelegenheit. Gerade in der Region lässt das zugefrorene Nass die Herzen vieler Eisstockschützen höher schlagen. Während zahlreiche Vereine eigene Bahnen, Anlagen oder eben Eishallen nutzen, gibt es auch Sportler, die sich auf zugefrorene Seen begeben. Auf dem Aiblinger Irlachweiher etwa konnte man dieser Tage ebenfalls einige Eisstockschützen beobachten – trotz Verbotsschilder. Hierzu erklärt Peter Schumm, Abteilungsleiter der Stockschützen des TuS Bad Aibling, dass diese aber nichts mit dem Verein zu tun haben. „Dort treffen sich immer wieder Einzelpersonen, etwa Rentner, um auf dem Eis zu spielen.“

Deutlich weniger Eisflächen als früher

Dies werde von der Stadt geduldet, wenngleich die Schilder etwas anderes vermuten lassen. Einer von Schumms Abteilungskollegen kümmere sich lediglich freiwillig regelmäßig um die Reinigung und Aufbereitung der Eisfläche auf dem Irlachweiher, etwa damit dort Eisstockschützen eine geeignete Bahn vorfinden könnten. „Er prüft für sie dann beispielsweise, ob das Eis überhaupt tragfähig ist.“ Schumms Vereinsabteilung selbst, deren Name „Stockschützen“ es schon verrät, schieße ohnehin nicht auf Eis. „Früher waren wir mal in der Eishalle, aber mittlerweile spielen wir auf Asphalt am Jahnstadion“, so der Abteilungsleiter.

Und dennoch kann sich Schumm noch allzu gut an frühere Winter erinnern, in denen der zugefrorene Weiher in verlässlicher Regelmäßigkeit betretbar gewesen war. „Das ist heutzutage ganz anders. Letztes Jahr ging das zum Beispiel überhaupt nicht, da hatten wir nur einen Tag, an dem das Eis mal bis zu acht Zentimeter dick gefroren war.“

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