Bad Aibling – Die Vernissage zur Ausstellung „politics“ von Burkhart Braunbehrens in der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus wurde kürzlich von zwei weiteren Ereignissen begleitet: der Eröffnung der Max-Mannheimer-Kulturtage in der Galerie und der Bekanntmachung der Gründung des Vereins „Max-Mannheimer- Kulturtage“ im vergangenen November.
Es war ein ernster Abend, getragen von dem allgegenwärtigen Wunsch, dass „so etwas nie wieder passiert“. Dieses Zitat stammt von Max Mannheimer, Überlebender dreier Konzentrationslager, der nach dem Krieg Schulen, auch in Bad Aibling, besuchte und Schülern über die Gräueltaten des Dritten Reiches berichtete.
Als erster der vier geladenen Festredner sprach Altbürgermeister Felix Schwaller, der 2018 die Max-Mannheimer-Kulturtage ermöglicht hatte. Schwaller bezeugte seinen Respekt vor der Aiblinger Form der Erinnerungskultur, die vor einigen Jahren zusätzlich durch die Benennung einer Straße in Max-Mannheimer-Straße untermauert wurde. Dass dies die Straße sei, die an zwei Schulen vorbeiführe, sei bedeutsam für Kinder und Jugendliche. An diese hatte sich der Aufruf des vor einigen Jahren verstorbenen Max Mannheimer besonders gerichtet. Schwaller appellierte an die Besucher der Vernissage, dem neu gegründeten Verein beizutreten, um aktiv an der Bewältigung der Vergangenheit mitzuwirken. Zudem erwarte die Interessierten auch in diesem Jahr wieder ein umfangreiches Programm mit den Max-Mannheimer-Kulturtagen. Zum Abschluss zitierte Schwaller einen Shoa-Überlebenden mit den Worten: „Ohne Demokratie gibt es keine Freiheit“.
Bürgermeister Stephan Schlier betonte, dass die Max-Mannheimer-Kulturtage, die 2018 begonnen und durch die Corona-Zeit unterbrochen worden waren, keine Eintagsfliege seien, sondern durch das Interesse und die Tatkraft der Aiblinger mit der Gründung des Vereins wachgehalten würden. „Das ist ein mutiger Schritt in unserer Zeit“, so der Bürgermeister, und: „Stellen wir uns gegen jede Form von Menschenverachtung.“
Der langjährige Leiter des Bad Aiblinger Gymnasiums, Michael Beer, beschrieb die Person Max Mannheimer mit dem jiddischen Ausdruck „er war a Mensch“. Denn das Wort „Mensch“ bezeichne im Jüdischen eine liebevolle, tolerante und integre Person. Er erinnerte sich daran, wie Mannheimer vor Jahrzehnten eine Schulklasse Beers zweieinhalb Stunden lang durch das Lager Dachau geführt habe und wie beeindruckt die Schüler waren. Heute, viele Jahre später, „ist eine beängstigende Zunahme von Stimmen festzustellen, die das Wertefundament, auf dem unsere Gesellschaft errichtet ist, erneut zu zerstören versuchen.“
Schauspieler und Regisseur Michael Stacheder betonte in seiner Rede, wie sehr ihn Trauer und Entsetzen lähmen, er ringe um die richtigen Worte für den heutigen Abend. Die Töne der Welt draußen werden immer lauter, immer schriller. Sie seien nicht mehr zu überhören. Stacheder suchte Vergleiche in der Literatur, bei Menschen, die dasselbe schon einmal erlebt haben. Er zitierte Kurt Tucholsky, eine der prägenden Stimmen der Weimarer Republik. „Ich resigniere, ich kämpfe weiter, aber ich resigniere.“ Und so schloss auch Stacheder, wie seine Vorredner, mit einem Aufruf zur mutigen Auflehnung gegen die menschenverachtende Ideologie, die seit einiger Zeit unser Zusammenleben vergifte.
Es ist kein Zufall, sondern mit Bedacht ausgewählt, dass die Bilder von Burkhart Braunbehrens, die fast ausnahmslos aus seiner frühen Schaffenszeit stammen, das Thema Krieg und Unmenschlichkeit aufgreifen. Großformatig und mit Acryl oder auch mit Teer auf Leinwand gemalt, erzählen sie von zahlreichen Politikern der Nachkriegszeit und der 1960er- und 1970er-Jahre. Diese Politiker sind häufig in Aquarell auf normalem Papier, nicht auf Aquarellpapier gemalt. Das Zeichenpapier hat die Eigenschaft, dass die Aquarellfarbe darauf verläuft und zu Verzerrungen der Gesichter führt. So werden die Gesichter in wiederholten Zyklen immer unkenntlicher.
Martina Thalmayr und Burkhart Braunbehrens führten die zahlreich erschienenen Besucher durch die Ausstellung. Diese bekundeten ihr großes Interesse mit lebhaftem Beifall. bö