Bad Feilnbach – Bereits 2023 hatte sich die Gemeinde dazu entschlossen, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen – noch bevor eine gesetzliche Vorgabe die Kommunen dazu verpflichtete. Erstellt wurde die Wärmeplanung durch das Institut für nachhaltige Energieversorgung GmbH (INEV) aus Rosenheim. Adrian Hauser stellte die Inhalte einer kommunalen Wärmeplanung vor, die aus einer Bestandsanalyse, einer Potenzialanalyse und einer daraus folgenden Wärmestrategie samt Maßnahmenkatalog besteht.
Energie soll eingespart werden
Für die Bestandsanalyse wurden unter anderem Daten zu Gebäude- und Siedlungstypen, Energieverbrauch, Beheizungsstruktur sowie zur vorhandenen Wärme-/Kälteinfrastruktur erhoben. Die Potenzialanalyse beleuchtete die Energiesparpotenziale, den Ausbau der Nutzung von erneuerbaren Energieträgern und die Nutzung unvermeidbarer Abwärme.
Abschließend wurden Zielszenarien und Entwicklungspfade erarbeitet, inklusive einer Versorgungsstruktur mit Kostenprognosen, einer Umsetzungsstrategie und einem Maßnahmenplan. Zwei bis drei Fokusgebiete daraus sollten prioritär behandelt werden. In der Bestandsanalyse wurden zwei Teilgebiete identifiziert, die für eine zentrale Wärmeversorgung geeignet wären: Teile des Ortes Bad Feilnbach sowie Au.
Entscheidend waren hier Indikatoren wie Wärmedichten, Bebauungsart, Ankerkunden und vorhandene Infrastruktur. Gebiete wie Dettendorf oder Litzldorf wurden hingegen als ungeeignet für eine leitungsgebundene Versorgung eingestuft.
Dass Bad Feilnbach bereits auf einem guten Weg ist, zeigt der Gesamtverbrauch an Wärme aus dem Jahr 2021: 46 Prozent wurden aus Biomasse, 34 Prozent aus Heizöl gedeckt, der restliche Bedarf aus Umweltwärme, Solarthermie, Fern- und Nahwärme.
Bürgermeister Max Singer (ÜW) rechnet mit einem „guten Sprung nach vorn“ angesichts der Zahlen mit Stand 2021 und des zwischenzeitlich vorangetriebenen Ausbaus des Nahwärmenetzes in Bad Feilnbach.
Großes Einsparpotenzial bei der Wärmeenergie sieht die Planung in der Sanierung von Bestandsbauten. Rund 5000 Megawattstunden (MWh) könnten bis 2045 durch energieeffiziente Sanierungen eingespart werden.
Potenziale sahen die Planer auch bei Photovoltaik-Anlagen auf geeigneten Frei- und Dachflächen. Ein Jahresertrag von knapp 190000 MWh bei Freiflächenanlagen und knapp 62000 MWh bei Dachflächenanlagen wäre möglich, während dem ein Stromverbrauch von insgesamt knapp 2000 MWh gegenübersteht.
Für Windflächen oder tiefe Geothermie wurde hingegen kein Potenzial gesehen, und Wasserstoff erachteten die Planer als nicht sinnvoll. Widerstand regte sich im Gemeinderat, als Hauser im Bereich „Biomasse“ erläuterte, dass der Weiterbetrieb von Biogasanlagen sinnvoll sei, eine zukünftige Holznutzung jedoch nicht zielführend wäre, da sich die Nutzung von Holz auf die Möbelindustrie konzentrieren solle. Sepp Rauscher (CSU) widersprach: „Nicht das komplette Holz ist für Möbel geeignet – diese Aussage ist schlichtweg falsch.“
Aus dem Konzept wurden 22 Maßnahmen identifiziert, darunter ein Sanierungsplan für kommunale Gebäude. Peter Menhofer (ÜW) bewertete die kommunale Wärmeplanung jedoch als „sinnlos wie ein Kropf“, die einen „Haufen Zeit und Geld“ gekostet hätte. Sie sei der Gemeinde „übergestülpt“ worden und würde „in der Schublade verschwinden“. „Wir haben heute nichts Neues und einiges Falsches gehört“, so Menhofer. Martin Huber (CSU) widersprach: „Ich sehe das anders. Wir haben hier einen Erkenntnisgewinn und alles Schwarz auf Weiß“, sagte Huber und zog Parallelen zum Energiekonzept aus 2014, das durch die FH Kufstein erarbeitet wurde.
Nahwärme in
Au nicht wirtschaftlich
Sepp Rauscher fragte nach den Möglichkeiten der Nahwärmeversorgung in Au. Max Singer erklärte, dass eine zentrale Versorgung wegen fehlender Großkunden nicht wirtschaftlich wäre. Es liefen jedoch Gespräche über dezentrale Lösungen. Konrad Schwaiger (SPD/Parteifrei) schlug vor, lokale Betreiber kleinerer Netze und mögliche Abnehmer zusammenzubringen: „Die wissen ja oft nichts voneinander.“ Die Gemeinde solle diesen Austausch fördern.
Abschließend nahm der Gemeinderat die kommunale Wärmeplanung zur Kenntnis.