Bad Aibling – Manche Ehen dauern wesentlich kürzer als für die langbrazade und glumbfuaßige „Fuhrwerks Wam“ (Benedikt Wierl) und ihren schnapsdamischen und viechdappaden Silodreda „Grumbuckel Mugl“ (Johannes Kreuzmeir). Nach ihrer medienstarken Trauung auf einem herrlich dampfenden und duftenden Misthaufen beabsichtigt das Traumpaar der Berblinger Burschen bedingungslos, ohne Wenn und Aber, am Aschermittwoch die Scheidung zu verkünden, sodann in der Versenkung zu verschwinden und vielleicht in 25 Jahren aus den Tiefen des Universums wieder aufzutauchen.
Ehepflichten enden
mit dem Kehraus
So ist es halt bei einer typischen „Bettelhochzeit“, die nur im Fasching stattfindet und bei der der Stress mit ehelichen Pflichten und verbundener Drangsal schon beim Kehraus am Faschingsdienstag abrupt endet. So argumentierten der Standesbeamte „Friedl, da Dipfescheißer“ (Quirin Staber), Bürgermeister „Schmieri Gscheidhaferl“ (Andreas Rappold) und der Gmoaschreiber „Bonifatius Legastenius“ (Simon Pfab). Anschließend tauschten die Angetrauten bei Schneetreiben die Ringe und beendeten mit dem traditionellen „Aneinanderdätschn zweier Lätschn“ (gemäß Duden und künstlicher Intelligenz bedeutet das „küssen“) den offiziellen Teil der Trauung.
Dabei erlebten „very important persons“ darunter die Eltern beider Eheleute, Ehrmuada „Traudi Higlanga“, das Kranzelpaar „Scholastika Frei von Sitten“ und „Schorschl Schorlezuzler“ und die Berblinger „High Society“ einen unvergesslich berauschenden Tag im wohl schönsten Dorf südlich der Mangfallvorstadt Bad Aibling.
Alles und bestens im Griff hatte der „Mertlspritza Luk“ (Ludwig Kemel) als Hochzeitslader, der das stattliche Heer aus buckliger Verwandtschaft, ledigen Schrazen aus den Tagen ungeschützten Treibens, Verflossenen, Scheinheiligen, Millipritschlern, Sittenpolizistinnen, einem nuttigen Kirchenchor, Russen, Wuidaran, Laufenten und anderen Spionen in zwei Umzügen durchs Dorf geleitete.
Harmonisch und auf höchste Stimmung eingestellt leisteten die Trachtenkapelle Dettendorf und die Willinger Musi während der Festzüge sowie in der Festhalle Schwerstarbeit. Nach Ansicht vieler Zaungäste, darunter Besucher mit bis dato wenig oder keiner Ahnung über derartige Brauchtumsveranstaltungen, könnte die Berblinger Bettelhochzeit auf bayerischem Boden manche Verbandelungen des königlichen Adels im Ausland vor Neid erblassen lassen.
Vor versammelter
Gemeinde geschoren
Gar mancher der unzähligen Zuschauer sah zum ersten Mal, dass ein Hochzeiter am Stuhle festgebunden wird und live vor versammelter Gemeinde geschoren und anschließend „geschneuzt und gekampelt“ seinem Weibe zwecks Eheschließung vorgeführt wird.
„Alles paletti“, meinte die Gemeindeprominenz im Anschluss an die Besiegelung der Hochzeit mit der Prozession eines großartigen Konvois, der 22 Gespanne und muntere Fußgruppen umfasste, die vom Traualtar in Richtung Festhalle zum gebührenden Feiern bei Musik, Tanz, Brautstehlen, Wein und Abdanken führte.