Wie Arielles Weihnachtswunder doch noch wahr wurde

von Redaktion

Schließung des „Sweety Siam“ doch noch abgewendet – Freunde und Gäste setzten alle Hebel in Bewegung

Bad Aibling – Sie nennt es ihr „Aiblinger Weihnachtswunder“. Hatte Arielle Arabie im Dezember schweren Herzens noch beschlossen, ihr kleines thailändisches Lokal „Sweety Siam“ zu schließen, so erlebte sie danach eine Kettenreaktion mit Folgen, mit denen sie nie gerechnet hätte. Dank guter Freunde – allen voran Nicole Kammerer.

Diese hat sich kurz aus ihrem eigenen Laden losgeeist, um bei Arielle Arabie in deren Lokal „Sweety Siam“ vorbeizuschauen. Doch die hat kaum Zeit, sich an diesem Nachmittag dazuzusetzen. In der Küche wirbelt Freundin Senta, das Telefon läutet, Bestellungen sind vorzubereiten. Für den Abend sind alle 16 Plätze ausgebucht. Wie fast an jedem Öffnungstag, seit bekannt wurde, dass Arielle Arabie im Stillen beschlossen hatte, ihr Herzensprojekt aufzugeben. Zu unkalkulierbar waren die Reservierungen in den zurückliegenden Wintermonaten geworden, zu unregelmäßig die Einnahmen bei regelmäßig anfallenden Kosten. Da habe sie entschieden, lieber rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und sich wieder ganz ihrer Tätigkeit in der Buchhaltung zu widmen. Unvorstellbar für ihre Gäste. Sie fielen aus allen Wolken. Unter ihnen auch Nicole Kammerer, die durch das „Sweety Siam“ zu einer guten Freundin geworden ist. In einem spontan aufgenommenen und in den sozialen Medien geposteten Video startete sie einen Aufruf, das „Sweety Siam“ zu retten.

„Was dann geschah, war ein Träumchen. Für mich war das mit dem Video nur eine Kleinigkeit, aber dass das so funktioniert, hätte ich nie gedacht. Das Ganze wurde zu einer grandiosen Rettungsaktion“, strahlt die blonde Frau mit ihrer Freundin, die im Alter von 13 Jahren aus Thailand nach Deutschland kam, um die Wette. „Es ging wirklich von null auf 180. Ich habe so viel Zuspruch erfahren“, beschreibt Arielle Arabie die Folgen. „Ich habe noch nie so viel geschnippelt und gekocht – es ist einfach bombastisch.“

Nicht nur, dass ihr Lokal an der Rosenheimer Straße 60 seither fast jeden Abend ausgebucht sei. Viele neue Gäste seien neugierig geworden, kamen sogar aus München oder Salzburg. Zugleich sei die Nachfrage nach ihren Kochkursen oder Gutscheinen ebenso angestiegen wie die Bestellungen zum Abholen. „Sweety Siam erlebt ein Weihnachtswunder und bleibt weiterhin geöffnet“, konnte eine strahlende Arielle Arabie bereits im Januar posten, als feststand, dass die Schließung abgewendet werden konnte. „Dank eurer Hilfe ist das Weihnachtswunder in Bad Aibling wahr geworden“, verkündet auch Nicole Kammerer in einem wiederum spontan aufgenommenen Video. Dadurch, dass zunächst die Schließung in aller Munde war, hätten viele allerdings auch gedacht, dass es das kleine Lokal mit der authentischen thailändischen Küche nun tatsächlich nicht mehr gäbe.

Dabei ist „Ari“ auch während dieser Aufnahme immer wieder verschwunden, denn mittlerweile muss sie auch viel mehr vorbereiten, vor allem ihre Snacks wie Tamarinden-Nudeln, Lotus-Cookies oder ihren berühmten Pudding. Denn in ihrer vegetarisch-veganen Thai-Küche ist alles handgemacht, vielfach sogar selbst „komponiert“, wie ihre Gäste wissen.

Für eine herzliche Umarmung reicht die Zeit aber noch, bevor sich die Wege der Frauen für diesen Moment wieder trennen. Eines hat diese Aktion beiden vor Augen geführt: „Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man einmal Hilfe braucht und diese auch annimmt.“ Es laufe nun einmal nicht ständig alles glatt im Leben. „Auf Social Media ist immer alles ach so toll. Dadurch trauen sich manche gar nicht mehr zuzugeben, wenn es bei ihnen mal nicht so rosig aussieht. Aber helfen können die Leute nur, wenn sie davon wissen“, sagt Nicole Kammerer energisch – und bestellt für zu Hause schnell noch ein paar Reistaler mit Reisessig-Gurken-Sauce. Eva Lagler

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