Erstunterkunft bekommt ein Gesicht

von Redaktion

Vor Ort aus erster Hand informiert – Turnhalle des Gymnasiums Bruckmühl wird frei

Bruckmühl – Die anvisierte Ankommenseinrichtung für Geflüchtete, der dazugehörige Bauantrag und die Optik des geplanten Gebäudes an der Wernher-von-Braun-Straße in Bruckmühl standen im Mittelpunkt einer Beratung mit Vertretern von Landratsamt, Marktgemeinderat und Investor. Wie berichtet, sollen an der Wernher-von-Braun-Straße, direkt nördlich der bereits bestehenden Wohncontaineranlage, zwei neue Wohnbereiche entstehen.

Investor ist die Kerscher Wohnbau GmbH. Vermietet wird an den Freistaat Bayern, vertreten durch den Landkreis Rosenheim. Das erste Gebäude ist, wie die Marktgemeinde Bruckmühl mitteilt, einstöckig (Länge gut 30 Meter, Breite knapp 15 Meter), das zweite, direkt gegenüberliegend, vierstöckig (Länge 48, Breite 13 und Höhe knapp zwölf Meter). Auf den beiden begrünten Gebäudedächern soll eine PV-Anlage (50 bis 80 KW) gesetzt und die Hausfassaden mit einer Putzstruktur versehen werden.

Offene Fragen
gemeinsam beraten

Warum keine gefälligere Verteilung der Stockwerke möglich war, begründet sich laut den Verantwortlichen unter anderem in den Richtlinien der Regierung für die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge und den örtlichen Gegebenheiten. Auch hätte man sonst mehr Treppenbauten als Zimmer sowie unzählige erforderliche Fluchttreppen gehabt, hieß es dazu. Im Übrigen seien die Räumlichkeiten barrierefrei, was sonst oftmals schwer zu erfüllen sei. Nachdem sich die Gemeinderäte beim Bauantrag von der Gestaltung und Optik irritiert gezeigt hatten, gab es zusammen mit den Investoren Tobias Kerscher und Florian Brandhuber und dem Landratsamt, vertreten durch Roxanne Scheurl, einen Vor-Ort-Termin in den Containern samt Erläuterung und Visualisierung des geplanten Areals.

„Unglücklich kommuniziert“ lautete die Begründung hinsichtliche der verschiedenen Darstellungen: 2D sehe ganz anders aus als die visualisierten 3D-Bilder zuvor. Der Neubau der Wohnanlage für 200 Asylbewerber und Geflüchtete soll als Ankommenseinrichtung dienen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Gymnasiums-Turnhalle nicht mehr als Notunterkunft dienen muss, sondern darin wieder gesportelt werden kann.

Über die zweiteilige Optik sowie die unterschiedlichen Höhen von vierstöckig und eingeschossig war das Gremium irritiert gewesen. Die Planung habe jedoch den Hintergrund, dass im eingeschossigen Bau unbegleitete Minderjährige sowie Personen mit Handicap untergebracht werden. Diese müssten räumlich getrennt von den Erwachsenen im viergeschossigen Gebäude (Ankommenseinrichtung) wohnen. Der Gemeinderat hatte der Sitzung zwar dem Vorhaben zugestimmt, jedoch Kritik an der Optik geübt. Bei dem Vor-Ort-Termin konnten nun einige Dinge besprochen und auch verbessert werden.

Der Investor verwies unter anderem darauf, dass man eine eigene Hausverwaltung und einen eigenen Hausmeister für das Areal habe. „Wir haben großes Interesse, dass am jeweiligen Standort – und wir haben mehrere – alles gut funktioniert“, so Brandhuber. Das Unternehmen betreibt bereits mehrere Flüchtlingsunterkünfte.

Auf offene Ohren stießen die Kommunalpolitiker beim Investor hinsichtlich einer künstlerischen Fassadengestaltung an der viergeschossigen Stirnseite mit weißen Fenstern. Hier soll mit einem Künstler – eventuell sogar als Schulprojekt oder mit den dort wohnenden Jugendlichen selbst – eine gefällige Gestaltung entstehen.

Bepflanzungen (unter anderem entlang der Straße) samt Zaun um und auf dem Areal wurden ebenso besprochen, wie Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für die Jugendlichen, darunter ein Basketballfeld und eine Tischtennisplatte. Aufenthaltsbereiche soll es überdies geben.

Um möglichst wenig zu versiegeln, sollen unter anderem Parkflächen mit Rasengittersteinen befestigt werden. Auch werde es genügend Fahrradstellplätze geben. Für die Garagen der Bruckmühler Asylhilfe, in denen Fahrräder repariert werden, wurde ebenfalls ein Plätzchen auf dem Gelände gefunden.

Dass man den gemeinsamen Weg beschreiten wolle, untermauerten in ihren Wortbeiträgen die Vertreter von Landratsamt Rosenheim, Investor, Planer und Gemeinderat. Die Bauten müssten Funktionalität, Optik und rechtliche Auflagen vereinen. Ein Spagat, der kaum zur Zufriedenheit Aller gelingen vermag, wie den Beteiligten klar war. Dennoch war man der Meinung, dass hier nun ein guter Weg gemeinsam beschritten werde.

Voraussichtlich
sechs Monate Bauzeit

Außer Frage stand für den Gemeinderat, dass man den Menschen in Not helfen wolle. Man würdigte, dass sich der Bau nun besser einfüge, auch wenn damit kein Schönheitspreis zu gewinnen sei. Die Bauzeit für das Vorhaben wird mit sechs Monaten beziffert.

Der Bauantrag war am 20. Februar genehmigt worden. Gemäß Kooperationsvertrag zwischen dem Landkreis Rosenheim und dem Markt Bruckmühl soll dann die Gymnasiums-Turnhalle schnellstmöglich wieder frei für den Schul- und Vereinssport werden. re

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