Auch mit 85 ständig am Werkeln

von Redaktion

Er setzt sich zeit seines Lebens fürs Ehrenamt ein, ist ein Tüftler, ein wandelndes Lexikon und hegt eine besondere Leidenschaft fürs Edelweiß: Georg Martl, der „Birkl Schorsch“, ist ein Tuntenhausener Original. Nun feierte er seinen 85. Geburtstag.

Schmidhausen – Seinen 85. Geburtstag feierte kürzlich ein echtes Urgestein aus Schmidhausen: Georg Martl. Ein Tüftler, ein Bastler, ein Helfer – einfach ein Mensch für Menschen. „Du schaust noch rüstig aus“, begrüßte Bürgermeister Georg Weigl den Jubilar, den in der Gemeinde fast jeder kennt, samt seiner Frau Rosa an der Haustür. Die beiden sind inzwischen schon 60 Jahre verheiratet.

60 Jahre Mitglied beim THW

Als ihm der Bürgermeister die Geburtstagsurkunde der Gemeinde überreichte, strahlte der Jubilar, denn kürzlich erhielt er vom THW ebenfalls eine: die Ehrenurkunde für seine 60-jährige Mitgliedschaft in der Zivil- und Katastrophenschutzorganisation. „Ich glaub, ich bin der einzige THW-ler weit und breit, der so lange dabei ist“, meinte Martl sichtlich stolz. Weigl bestätigte: „Das ist schon etwas ganz Besonderes.“

Doch wenn man sich im Haus der Martls umsieht, dann entdeckt man noch viel mehr Urkunden – von der Auszeichnung für einen Blumenschmuckwettbewerb bis hin zur Ehrenmitgliedschaft im Veteranenverein. Denn Georg Martl ist überall zugegen und hilft überall, wo es nur geht. Da er handwerklich begabt ist und „ein bisschen was von allem kann“, ist er auch um die Umsetzung seiner Ideen nie verlegen.

„Alles macht er mit Freude und selbstlos“

So gebar er die Idee, mobile Weihwasserständer für den Friedhof in Jakobsberg zu bauen, ebenso Kranzständer im Leichenhaus. Ein anderes Mal schaufelte er Schnee vor der Kirche weg und besserte Wege oder Parkflächen aus. Zu einem anderen Zeitpunkt wiederum weißelte er die Friedhofsmauer und beseitigte Stolperfallen. „Und all das macht er mit Freude und völlig selbstlos, das ist nicht selbstverständlich“, lobte Kirchenpfleger Hartmann den Jubilar.

Pfarrer Richard Basta brachte es auf den Punkt, als Martl die Weihwasserständer in die Jakobsberger Kirche trug: „Es gibt viele Leute die reden, andere dagegen tun etwas.“ Und ein solcher Mensch ist Georg Martl, den viele auch nur den „Birkl Schorsch“ nennen.

Auch in Georg Martls Vorgarten erblickt man im Sommer Besonderes: Dort blühen unzählige Edelweiß, die symbolträchtigen Alpenblumen. Dazu baut Martl neue „Setzkästen“ für seine Edelweißblüten, die er zu Hunderten auf seiner Terrasse trocknet.

Mit 85 Jahren ist der Schmidhausener noch ständig am Werkeln. Sieht er irgendwo ein Schlagloch, bessert er es aus, damit die Radfahrer nicht stürzen. Und wenn die Radler im Sommer beim Vorbeifahren freundlich sind, erhalten sie von ihm auch noch ein getrocknetes Edelweiß zur Weiterfahrt.

Eine weitere Eigenschaft des Jubilars: Er ist ein lebendiges Lexikon. Schnell kam beim Bürgermeisterbesuch die Rede auf die Vergangenheit, auf Zeiten, in denen die Amerikaner aus Bad Aibling noch in der nahen Glonn fischten und dem kleinen Martl Schorsch und seinen Freunden Kaugummi schenkten. Die Süßigkeit war in der Nachkriegszeit begehrt. Manchmal fischten die Buben aber auch altes Kriegsgerät aus der Glonn. „Da mussten wir aber aufpassen, dass nicht gerade der Schandi mit dem Rad vorbeifuhr“, erinnert er sich.

Der Jubilar erblickte 1940 in Schmidhausen das Licht der Welt. Die Erstkommunion feierte er im April 1950 in der Basilika von Tuntenhausen. Nach der Berufsschule arbeite Georg Martl in der Landwirtschaft. Mit 18 Jahren kam er zur Bundeswehr: Traunstein und Brannenburg waren seine Standorte. „An die harten Zeiten der drei Wehrübungen erinnere ich mich noch gut“, erzählte er. 1965 heiratete Martl seine Frau Rosa, mit der er zwei Töchter und vier Enkelkinder hat. Nach einem Grundstückserwerb baute sich das Paar in Schmidhausen ein schmuckes Eigenheim, in dem sie heute noch wohnen. In dieser Zeit ging Martl auch zum THW. Lehrgänge in Geretsried, Katastrophenschutz in Bad Neuenahr und auch das Zugunglück in Warngau sowie ein Einsatz in Frankreich 1999 beim Sturm Lothar prägen seine Erinnerungen. Für den Einsatz bekam er eine Ehrengabe vom damaligen Landrat Dr. Max Gimple. Aber auch ein Ehrenzeichen von der Feuerwehr Tuntenhausen und eine Ehrenurkunde vom Schützenverein Beyharting, dessen Ehrenmitglied er ist, hängen in seinem Heim.

Taschen voller Zeitungsausschnitte

Und ein weiteres Hobby hat der Schmidhausener, das besonders Bürgermeister Weigl interessierte: Martl sammelt seit über 40 Jahren alle Zeitungsausschnitte aus Tuntenhausen aus dem OVB. „Zwölf Taschen voll sind es mittlerweile schon“, erzählte der Jubilar. Wie im Flug verging der Besuch des Bürgermeisters. Im Herbst steht ein erneuter Besuch des Gemeindeoberhauptes an – dann feiern die Martls diamantene Hochzeit. Bis dahin kann der Jubilar wieder basteln und tüfteln oder mit seinem Radl fahren. Mit einem der ersten E-Bikes, das er bereits vor rund 15 Jahren kaufte.

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