Der Tausendsassa aus Eisenbartling

von Redaktion

Hans Mosler, ein bekanntes Gesicht des Ostermünchner Sports, feierte seinen 95. Geburtstag. Mit einer bewegten Lebensgeschichte, die von Kriegswirren über sportliche Erfolge bis hin zu künstlerischen Leidenschaften reicht, beeindruckt er noch heute.

Tuntenhausen – Mit 95 Jahren hat man viel erlebt – und kann eine Menge erzählen. Ganz besonders trifft dies auf Hans Mosler, ein Urgestein des Ostermünchner Sports, zu, der dieser Tage in Eisenbartling seinen 95. Geburtstag feierte.

Seine 95 Jahre waren bewegt – sehr bewegt, ereignisreich und wechselhaft. Eigentlich begann alles am 6. März 1930 in Zuckmantel im Sudetenland (Zlat´e Hory), wo Mosler auf die Welt kam. Schon bald kamen aber die Kriegsjahre und für seine Familie bedeutete das die Evakuierung. Schon mit 14 Jahren wurde er nach Thüringen zum Landdienst eingezogen. Seine Mutter musste zu Weihnachten 1944 mit den zwei Geschwistern (Gretl und Erika) flüchten. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits vermisst. Mosler versuchte nach Hause zu kommen – aber es war nicht mehr möglich.

Als Jugendlicher Odyssee erlebt

So wurde daraus eine wahre Odyssee: Von Thüringen über das zerstörte Dresden ins Sudentenland zur Großmutter, dann weiter Richtung Westen über Brünn, Prag, Furth im Wald in die Nähe von Augsburg. Dort fand ihn seine Mutter über das Rote Kreuz wieder. Mosler fasst die unglaublichen Erlebnisse zusammen: „Ich habe mit Russen, Tschechen und Amis zusammengearbeitet“. Seine erste Arbeit fand Hans Mosler am alten Pfarrhof in Ostermünchen, später bei BMW in München und einem Tuntenhausener Bauunternehmen. In der Folge kam er zu einem Ingenieurbüro, wo er die Ausbildung zum Bauzeichner abschloss.

Bis zu seinem Ruhestand 1990 war er dann bei der Stadt Grafing beschäftigt. Ab dieser Zeit konnte er seinen Hobbys, Angeln und Malen, besondere Aufmerksamkeit schenken. Diese Odyssee in jungen Jahren sprengt fast die Vorstellungskraft der Nachkriegsgeneration. Und auch Bürgermeister Georg Weigl, der mit einem Präsent vorbeischaute, lauschte interessiert den Ausführungen des Jubilars. Auf die Frage, was das Erfolgsrezept für so ein hohes Alter ist, antwortete Mosler lapidar: „Leben muss man halt.“

In Ostermünchen wird der Jubilar unweigerlich mit dem Schießsport in Verbindung gebracht. Er war kurz nach dem Krieg schon dabei, als sich beim Friseur am Bahnhof, in der ehemaligen „Rest’n“, viele Flüchtlinge versammelten, die ebenfalls Interesse am Schießsport hatten und die Wiedergründung der Sportschützen initiierten.

Das Gewehr bekam er schon als Kind von seinem Vater – ursprünglich zum Schutz der Familie. Daraus wurde im weiteren Lebensverlauf eine wahre Passion für das Sportschießen. Der Lohn: 1993 der Titel Ehrenschützenmeister. „Der Schützenverein ist der älteste Verein in Ostermünchen“, betont er noch heute stolz und erinnert daran, dass es um 1890 schon einen Zimmerstutzenverein in Ostermünchen gab.

Auch die Integration der Sportschützen in den Sportverein Ostermünchen war einer seiner Verdienste, zusammen mit dem heutigen Ehrenbürger Hans Thiel. Noch heute trifft man Mosler, sofern es gesundheitlich geht, freitags am Schützenstand an der Schule. Und das hohe Alter hinderte den Jubilar im vergangenen Jahr nicht, noch einmal das Königsschießen zu gewinnen, mit 94 Jahren(!). Wie geht das? Nach Mosler ganz einfach: „Schießen kann jeder, aber treffen nicht.“ Eine beeindruckende Leistung.

Als Kind frönte der Jubilar auch einer weiteren Leidenschaft: dem Malen. Zig Schützenscheiben malte Mosler bis zum heutigen Tag. Auch unzählige Maibaumtafeln stammen aus seinen Händen. In den 50er-Jahren spielte er auch Fußball, wo man ihn als schnellen Flügelstürmer kannte. „Der Bader von Ostermünchen nahm mich damals als Mitglied auf“, erzählt Mosler stolz und erinnerte sich auch gleich an die Anfänge: „Ich hatte ja gar keine Fußballschuhe zum Spielen, da half mir der Peter Ester mit einem zweiten Paar aus.“ Und genau dieser Peter Ester wurde zusammen mit Hans Mosler vor wenigen Wochen in der Jahreshauptversammlung des SVO für 75 Jahre Mitgliedschaft im Verein geehrt. So schließt sich der Kreis wieder.

Über den unsteten Jubilar gab es aber noch viel mehr zu erzählen. So erinnert sich Tochter Sabine: „1951 fuhr er mit dem Rad nach Venedig und zurück.“ 30 Deutsche Mark hatte er dabei, deshalb waren Übernachtungen im Zelt und unter Brücken vonnöten. Kein Wunder in einer Zeit, als es alleine von Ostermünchen nach Rosenheim noch nicht einmal eine Teerstraße gab. Erika Stegmaier, seine Schwester, wiederum erinnert sich an die Urlaubsfahrten in den 50er-Jahren ins Burgenland. „Nach dem zehnten Besuch wurde uns eine Wohnung angeboten – was Mosler dankend mit den Worten „dann muss ich da ja jedes Jahr runterfahren“ ablehnte. Tja, es kam anders: Am Ende waren die Moslers dann über 50-mal dort auf Urlaub.

In jener Zeit musizierte der Jubilar auch als einer der „Drei lustigen Ostermünchner“. Jahrelang spielten sie in Ostermünchen und Umgebung zum Tanz auf. Und ein Strahlen leuchtet in seinen Augen, wenn er vom Fasching der damaligen Zeit erzählte. „Unsere ,Faschingsgilde Osterhausen‘ war überall bekannt“, schildert er.

Sein Glück
ist die Familie

1957 segelte er in den Hafen der Ehe ein. Mit seiner Frau Renate, die mittlerweile verstorben ist, hatte er drei Kinder. Seine drei Enkelkinder bereichern das Familienleben. Und trotz des hohen Alters lebt Hans Mosler noch immer alleine in seiner Wohnung in Eisenbartling. „Er kocht sich jeden Tag sein Essen selbst“, erzählt Tochter Sabine, die immer ein Auge darauf hat, dass genug vorrätig ist. Sohn Harald greift dann bei Arztfahrten und dergleichen unterstützend ein. Die Zeit beim Besuch des Bürgermeisters verging viel zu schnell. Hans Mosler hätte noch einiges gewusst. Aber: „Wir kommen nächstes Jahr zum 96. Geburtstag wieder“, versprach Weigl.

Artikel 6 von 11