Die Mitmenschen lagen ihr am Herzen

von Redaktion

Marktgemeinde Bruckmühl trauert um engagierte Mitbürgerin Gertraud Schneider

Bruckmühl – Mit Gertraud Schneider ist eine Frau gestorben, die für ihre Mitmenschen gelebt hat. Ihre zahlreichen Ehrungen untermauern dies. So erhielt „Gerda“, wie sie genannt wurde, 2010 den Sozialpreis des Landkreises Rosenheim. Der damalige Landrat Josef Neiderhell erklärte bildlich bei der Verleihung: „Alle Sozialpreisträger der vergangenen Jahre hatten ihre Auszeichnung hochverdient, die heutige Preisträgerin ragt aber noch ein Stückchen darüber hinaus.“

Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter würdigte jetzt am Grab das Leben Schneiders: „Der Markt Bruckmühl ist Frau Schneider in vielfacher Hinsicht zu Dank verpflichtet.“ Er schlüsselte auf: Bereits 2002 hat sie den Ehrenbrief der Marktgemeinde für ihren Einsatz zum Wohle der Mitmenschen und Bürger von Bruckmühl – insbesondere für die Behinderten- und Seniorenbetreuung – erhalten. 2012 dann die höchste Ehre für die rührige kleine Grand Dame: das Bundesverdienstkreuz für ihr großes Engagement für die Schwächsten der Gesellschaft.

Dieser Einsatz für den Nächsten zeigte sich in vielfältiger Weise, auch außerhalb der Dienstzeit. So war Gertraud Schneider von 1998 bis 2008 Behinderten- und Seniorenbeauftragte und von 2008 bis 2013 Behindertenbeauftragte des Marktes. 2001 gründete sie die Sparte Handicap im SV DJK Heufeld und war 2002 Gründungsinitiatorin des „Tischlein-deck-dich“ gemeinsam mit den Pfarreien Bruckmühl, Heufeld und Götting sowie der evangelischen Kirchengemeinde. Dieses Projekt bot zweimal im Monat kostenloses Essen für ältere Mitbürger an.

2003 war Schneider außerdem maßgebliche Unterstützerin des „Eine-Welt-Ladens“ bei der Raumsuche und arbeitete auch als Helferin. 2005 war sie überdies Mitbegründerin der Bruckmühler Tafel. Was sie anging, tat sie beherzt und auch mit dem erforderlichen Durchsetzungsvermögen.

Eine große Trauergemeinde nahm in der Herz-Jesu-Kirche sowie am Kirchdorfer Friedhof Abschied. Gertraud Schneider war im Alter von 81 Jahren verstorben. Mit ihrem Elektromobil war sie im Bruckmühler Ortsbild bekannt. Drehte, begleitet von ihrem Lebensgefährten Helmut Staab, so manche Runde durchs Zentrum, und ohne Ratsch mit diesem und jenem ging es nicht nach Hause. Ihren Humor und ihre mitfühlende Art wusste jeder zu schätzen. Zuletzt wohnte sie im Alten- und Pflegeheim in Feldkirchen und informierte sich dort immer noch über das Geschehen in „ihrer“ Heimatgemeinde.

„Frau Schneider ist für mich der Inbegriff dafür, dass es möglich ist, selbst ein schweres Kreuz zu tragen und trotzdem vielen anderen Trost, Hoffnung und Unterstützung bieten zu können. Ein echtes Vorbild“, bekannte der Bürgermeister. Er umriss zudem Schneiders Werdegang: So war sie ab 1971 32 Jahre beim Markt Bruckmühl als Mitarbeiterin tätig. Ihr besonderes Wirkungsfeld war im gemeindlichen Sozialamt. „Innerhalb und außerhalb ihrer Dienstzeit kümmerte sie sich mit großem persönlichem Engagement um die Schwächsten in der Gesellschaft. Sie war für die Bruckmühler Bürger eine verlässliche Ansprechpartnerin und zugleich oftmals Schutzengel, auch in den verfahrensten Angelegenheiten“, erinnerte Richter an das Wirken.

Gertraud Schneider kam 1943 in Erding zur Welt, heiratete 1962 in Markt Schwaben ihren Ehemann Nikolaus, mit dem sie einen Sohn und zwei Töchter bekam. Vier Enkel und sieben Urenkel bereiteten ihr große Freude. Die Familie war ihr Leben.

1968 begann Schneider ihren Dienst in der Marktgemeinde Bruckmühl als sogenannte „Badefrau“, indem sie die gemeindlichen Wannenbäder, die damals eine soziale Einrichtung der Gemeinde waren, betreute. Anschließend war sie 18 Jahre im Bruckmühler Einwohnermeldeamt beschäftigt, wechselte dann ins Hauptamt mit Zuständigkeit für die gemeindlichen Wohnungen und die Versicherungen des Marktes, bevor sie 2002 in den Ruhestand ging. Ihr Einsatz für die Menschen war dadurch nicht gebrochen. 2008 musste sie den Verlust ihres Mannes verkraften. Die gemeinsame Trauer brachte sie mit ihrem Schulfreund aus Kindertagen, Helmut Staab (er hatte seine Frau in dieser Zeit verloren) wieder zusammen.

Dass sie über den Tod hinaus an die schwächer gestellten Menschen denkt, beweist der Wunsch nach Spenden für die Bruckmühler Tafel statt Blumenschmuck am Grab. re

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