Bad Aibling – Die diesjährige und inzwischen 17. „Nonfiktionale“ erwies sich erneut als absoluter Höhepunkt für Bad Aibling. Unter dem Motto „Ans Licht“ erlebten heuer rund 1700 Besucher im „Aibvision Filmtheater“ in der Kurstadt an der Mangfall vier erlebnisreiche und spannende Tage in Form eines „Festivals des dokumentarischen Films“. Höhepunkt war die Preisverleihung, musikalisch umrahmt vom Duo „Katharr“ mit Tom Zimmer und Severin Rauch.
Festivalleiterin Tamara Danicic zog eine sehr positive Bilanz und betonte: „Wie immer lebte das Festival insbesondere von den zahlreichen Begegnungen vor Ort, den inspirierenden Diskussionen und Gesprächen, diesseits und jenseits des Kinosaals.“
Beifall ernteten zu Beginn der Auszeichnungen die Beiträge von Schülerinnen der 12. Klasse am Bruckmühler Gymnasium, die am P-Seminar teilgenommen hatten. 14 dokumentarische Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellten sich dem Wettbewerb.
Jury hatte die
Qual der Wahl
Nach Meinung vieler Kinofreunde waren es durchwegs exzellente Beiträge, die allerdings auch die Fachjury mit Aldo Gugolz, Michelle Koch und Michael Palm vor die Qual der Wahl stellte. Der Nonfikitionale-Preis der Stadt Bad Aibling in Höhe von 2000 Euro ging an den Regisseur Daniel Abma und seinem 2024 entstandenen Film „Im Prinzip Familie“. Allerdings konnte der Regisseur, kurzfristig erkrankt, die Auszeichnung nicht persönlich entgegen nehmen. Im Film versuchen drei Erzieherinnen, die fünf Kinder in einer Wohneinrichtung betreuen, begleitet von Schichtdienst, Telefonaten mit Behörden und manch anderem, ein temporäres Zuhause zu bieten, was deren Eltern nicht zu geben vermögen. Der Film begleitet diese „Familie auf Zeit“ über mehrere Jahre. Dem Regisseur gelang es, die Herausforderung des Themas, Lebenssituationen und herausfordernde Beziehungsarbeit mit großer Leichtigkeit in der Schwebe zu halten, so die Begründung der Jury zur Preisvergabe. Die Regisseure Annaka Minsch und Leon Hüsler erhielten für ihren Film „Heute mit Zucker und morgen weiß ich noch nicht“, den „Dedo-Weigert-Film-Kamerapreis“ in Form einer Felloni-LED-Flächenleuchte samt Zubehör. Ausschlaggebend war neben einer ansprechenden Regie die Leistung des Kameramanns Balz auf der Maur. Der Film, in dem es um das Thema Tod und das Begleiten von Menschen in ihren letzten Tagen geht, zeige den Schauplatz – ein Hospiz in der Zentralschweiz – als „rätselhaften Terminal“.
Lobende Erwähnung nahm Kamerafrau Laura Köhler zum Film „Heimweh“ von Maja Bresink entgegen. Sie bringe darin behutsam Licht in eine dunkle Erinnerung und habe eine in sich stimmige poetische Metapher geschaffen, die den Zuschauer tief berühre und dazu anrege, Verletzungen ans Licht zu holen, damit sie genesen können.
Über den Bürgerpreis, dotiert mit 500 Euro, durfte sich, wenn auch in Abwesenheit, Filmemacherin Steffi Niederzoll für ihren Beitrag „Sieben Winter in Teheran“ freuen. Für die Auszeichnung zeichneten als „Junge-Doks-Jury“, Elisa Englhauser, Sonja Schmid und Lena Vidal verantwortlich.
Emotionale Achterbahnfahrt
Überzeugend für die drei Schülerinnen des Bad Aiblinger Gymnasiums war die Erschaffung einer unmittelbaren Nähe zum Geschehen und einer zu Unrecht zum Tode verurteilten jungen Frau in einem frauenfeindlichen System im Iran. Die Zuschauer werden laut Jury auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitgenommen und erleben den Kampf der Schuldiggesprochenen und ihrer Familie für Gerechtigkeit über einen Zeitraum von sieben Jahren mit.