In Sachen Krähenplage jetzt Pilotprojekt

von Redaktion

Stadt Bad Aibling ist mit an Bord – Große Probleme mit Verlagerung der Kolonien

Bad Aibling – Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch in diesem Jahr die ersten kritischen Stimmen zu hören waren. Der Bad Aiblinger Kurpark leidet, wie auch die Jahre zuvor, unter einer massiven Krähenpopulation, die von den Aiblingern meist als echte Plage empfunden wird. Saatkrähen sorgen dort auch in diesem Frühjahr für teils ohrenbetäubendes Balzgeschrei samt massiver Kotverschmutzung. Anwohner und Besucher beklagen die Umstände an jenem Ort, der eigentlich als Ruheoase gedacht ist. Dabei kommt auch die Frage auf, warum die Stadt Bad Aibling die Situation nicht effektiver bekämpft. Doch so einfach ist das sensible Thema nicht.

„Nicht tatenlos zusehen“

Denn tatenlos, so hieß es nun seitens der Stadtverwaltung, sehe man dem Problem natürlich nicht zu. Nur seien der Kommune in vielerlei Hinsicht schlicht die Hände gebunden. Denn bei allem Ärger über die Saatkrähen, die sich in den hohen Bäumen tummeln und dort häuslich einrichten, um den Nachwuchs auszubrüten und großzuziehen, sind die Möglichkeiten, die Störenfriede zu vertreiben, äußerst eingeschränkt.

Zwar kam es auch im vergangenen Jahr zu Vergrämungsaktionen, bei denen Nester entfernt wurden. Allerdings nur diese, in denen sich keine Eier befanden. Hinsichtlich des Natur- und Artenschutzes ist dies eine wichtige Bedingung bei der Genehmigung seitens der Regierung von Oberbayern. Und so führten die Maßnahmen letztendlich nur zu einer Verlagerung, nicht zu einer Lösung. Bedingungen, die sich auch in diesem Jahr nicht geändert haben. Dennoch gibt es auf längere Sicht womöglich Hoffnung auf Besserung.

„Wichtig zu betonen ist, dass die Stadtverwaltung natürlich nicht die Fahnen streicht“, erklärt Aiblings Ordnungsamtsleiter Martin Haas. „Wir sehen das Problem und auch die Störung für die Bevölkerung.“ In den kommenden Wochen findet deshalb eine ornithologische Untersuchung statt, in der der Ist-Zustand analysiert wird. Mitte April könne man dann mehr über die Entwicklung der Zahlen sagen. „Gefühlt ist es mehr geworden“, sagt Haas.

Neu ist, dass die Stadt Teil eines Pilotprojekts des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) ist. Laut Angaben der Bayerischen Staatsregierung habe das LfU aufgrund zunehmender Beschwerden von Bürgern, die in der Nachbarschaft von Saatkrähenkolonien leben, sowie von Gemeinden mit Kolonien das „Konzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien in Bayern“ erarbeitet. Dieses soll ein friedliches Nebeneinander der geschützten Vögel mit den Menschen in den drei bis vier Monaten der Brutzeit ermöglichen. „In manchen Fällen erscheint es aber unumgänglich, Saatkrähenkolonien zum Umzug zu bewegen“, heißt es seitens der Regierung. Das Konzept zeige solche Fälle auf und mache etwa Vorschläge für die Vergrämung.

„Das heißt nicht, dass bei uns dieses Jahr schon aktiv etwas Neues ausprobiert wird“, erklärt Haas. Allerdings sei man durch das Pilotprojekt nah an den Überlegungen zu neuen wirksameren Lösungen dran und komme etwa schneller als andere Kommunen für weitere Versuche infrage. Was den Schutzstatus der Tiere angeht, wirbt er dafür, „das Ganze regional differenzierter zu betrachten“. Denn in Regionen, in denen die Art bedroht ist, müsse sie auch geschützt werden. „Aber warum müssen die Krähen hier, wo sie überall Kolonien bilden und ein Problem für die Bevölkerung darstellen, diesen Schutzstatus behalten?“ Eine Frage, auf die er sich auch durch das Pilotprojekt irgendwann Antworten erhofft. Denn bislang gebe es für wirklich wirksame Maßnahmen zu hohe Hürden. Und das, was die Kommune angehen könne, führe dann zumeist nicht zum eigentlichen Ziel. „Problematisch ist zum Beispiel, dass wir bisher die Vergrämung nur in einem Teil des Kurparks genehmigt bekommen haben“, erklärt Haas. Die Krähen würden dadurch nicht verschwinden, sondern lediglich in einen anderen Bereich des Parks umsiedeln.

Und mit „geschaffenen Splitterkolonien“ sei niemandem geholfen, betont der Ordnungsamtsleiter und verweist auf die Intelligenz der Vögel, die mit den bisherigen Maßnahmen gut umzugehen wüssten. Gerade deshalb setzt auch Haas Hoffnungen in das LfU-Projekt. Mögliche Maßnahmen, die dabei untersucht würden, könnten sich etwa mit der bislang verbotenen Entnahme von Kräheneiern befassen. Auch das Austauschen von echten mit künstlichen Eiern sei denkbar. „Allerdings muss man aus meiner Sicht auch über die Vergrämungsmaßnahmen hinaus über den Schutzstatus der Tiere nachdenken.“ Denn wenn etwa ein Greifvogel Krähen bei einer Maßnahme nur vertreiben, jedoch nicht töten darf, suchen sich diese eben einen anderen Baum. „Jetzt müssen wir einfach sehen, wohin die Reise geht“, so Haas.

Denn für ihn wie für viele Aiblinger Bürger ist klar, dass der jetzige Zustand kaum hinnehmbar ist. Davon kann vor allem Thomas Jahn, Bad Aiblings Kurdirektor, ein Lied singen.

„Es wird immer
schlimmer“

„Da die Tiere sich vermehren, steigen auch die bekannten Probleme“, erklärt er und spricht vor allem von Lärm und Verkotung. Die Lage sei mit steigender Tendenz „schlimm und wird schlimmer“, sagt Jahn. Die Vögel brechen zum Nestbau Zweige der Bäume ab, drücken die Baumkronen auseinander, die Entwicklung wird exponentiell größer und es sei nicht zu verstehen, dass der Schutz der Tiere vor dem Schutz der Menschen steht, ärgert sich der Kurdirektor. „Menschen und Tiere müssen nebeneinander existieren können – so ist es aber eine einseitige Entwicklung zulasten der Menschen.“

Artikel 6 von 11