Mangfalltal – Vor zwei Wochen entschied sich Elsa Mayer aus dem Mangfalltal (Name von der Redaktion geändert) dem OVB ihre Geschichte zu erzählen. Denn die Rentnerin ist verzweifelt. Vor drei Jahren erlitt ihr Mann einen Schlaganfall und ist seitdem pflegebedürftig. Mayer fand eine Pflegeagentur aus der Region und erhielt darüber eine 24-Stunden-Betreuerin aus der Ukraine. Doch nun gibt es ein Problem.
Erster Kontakt
zur Pflegeagentur
Auf die Pflegeagentur wurde Elsa Mayer aufmerksam, als sie ihren Mann im Krankenhaus besuchte. Sie engagierte die Firma direkt und dabei stellte sich heraus, dass diese als Vermittlungsagentur fungiert. Bedeutet, dass sie mit ausländischen Pflegediensten zusammenarbeitet und über diese Pflegekräfte aus Drittländern in deutsche Haushalte vermittelt.
Das ist auch der Grund, warum Elsa Mayer zwei verschiedene Rechnungen erhält. So gehen im Monat 250 Euro an den häuslichen Pflegedienst in der Region und zwischen 2500 Euro und 3000 Euro im Monat gehen an eine polnische Firma. „Hier schwankt der Preis immer wieder und ich weiß nicht, warum“, sagte Mayer damals gegenüber dem OVB.
Eines Tages empörte sich dann die ukrainische Pflegerin, dass sie nur 1300 Euro im Monat verdienen würde. Für Mayer unvorstellbar. „Das ist doch der Wahnsinn“, sagt sie. Mehr Geld von der Agentur würde die Ukrainerin angeblich nur bekommen, wenn sie besser Deutsch sprechen kann. Dann könnte sie 1500 Euro oder 1600 Euro im Monat verdienen. „Ist sowas überhaupt rechtens?“, fragt die Rentnerin.
Der Rosenheimer Pflegedienst „Lieber zu Hause“, der selbst eine 24-Stunden-Betreuung anbietet und als Vermittlungsagentur tätig ist, möchte Klarheit schaffen, wie die Arbeit solcher Agenturen aussieht. Helmut List ist Leiter des Außendienstes und berät Kunden. Dass Elsa Mayer nicht wüsste, warum die Rechnung der polnischen Agentur schwankt, kann er nicht verstehen. „Das steht in der Regel alles detailliert in den Verträgen drinnen“, sagt List.
So wird zum einen mit dem ausländischen Unternehmen, das die Hilfskraft schickt, und zum anderen mit der Vermittlungsagentur in Deutschland jeweils ein Vertrag abgeschlossen. Warum die Rechnung bei EU-Agenturen schwankt, erklärt List so: „Zum Beispiel kommt in einem Monat die An- oder Abreise der Pflegekraft zu der Rechnung hinzu.“
In der Regel würden die Pflegekräfte aus Drittländern vier bis sechs Wochen bei ihren Auftraggebern bleiben, ehe sie für einige Zeit zu ihrer Familie in die Heimat zurückkehren. „Es kommen also in einem Monat mal die Reisekosten hinzu, die der Auftraggeber aber natürlich nicht immer zahlen muss“, so List. Auch Zuschüsse an Feiertagen können die Rechnung mal nach oben treiben oder wenn die Pflegekraft sich auch nachts um den Pflegebedürftigen kümmern muss.
Dass sich die Pflegekraft bei den Mayers über ihr Gehalt beschwert haben soll, sei auch nicht ganz nachvollziehbar. Laut List dürfen die Pflegekräfte selbst entscheiden, auf welche Stelle sie sich bewerben. So werden auf einer internen Internet-Plattform die offenen Jobs eingestellt und auch das Gehalt werde dort direkt angegeben – so zumindest bei der Agentur „Lieber zu Hause“. „Die Damen werden nicht gezwungen, irgendwo zu arbeiten. Sie entscheiden selbst, ob sie den Job annehmen“, betont List.
Und bei „Lieber zu Hause“ läuft es wie folgt ab: Die Angehörigen erhalten einen Fragebogen, der über die pflegebedürftige Person informieren soll. Es werden persönliche Daten abgefragt, welche Diagnosen und welcher Pflegegrad vorliegen und ob weiterhin ein mobiler Pflegedienst benötigt wird.
„Unsere Damen dürfen zum Beispiel die medizinische Behandlungspflege nicht erbringen“, sagt List. Heißt, die Pflegekraft darf keine Spritzen und auch keine Wundversorgung machen. Das müsse ein mobiler Pflegedienst übernehmen.
Zudem muss angegeben werden, welche Arbeiten für die Pflegekraft anfallen werden und wo sie unterstützen soll. Man versuche, so gut es geht, die Patienten alles noch selbst machen zu lassen. „So bleiben sie mobil und werden geistig gefordert“, erklärt Helmut List. Deshalb werden auch der geistige und körperliche Zustand des Patienten abgefragt, sowie Anforderungen an die Pflegekraft.
Und bei Letzteren kann auch angekreuzt werden, wie gut die Pflegekraft Deutsch sprechen sollte. „Wenn Mayer hier minimal angekreuzt hat, dann hat sie damit die günstigste Variante gewählt“, erklärt List. Bedeutet, die Pflegekraft kann vielleicht nur ein paar deutsche Wörter und bekommt deshalb deutlich weniger Gehalt als jemand, der sehr gut Deutsch sprechen kann. Dennoch möchte Helmut List eines deutlich betonen: „In der Regel können die Damen immer einsehen, wie viel Gehalt sie bei einer Familie bekommen würden und anhand dessen entscheiden sie selbst, ob sie sich darauf bewerben wollen.“
Für List ist eines klar: Die 1300 Euro klängen „sehr wenig“. „Auch die 2500 Euro kann ich nicht glauben, weil die nicht mit dem Mindestlohn übereinstimmen“, sagt er. Hier könnte ein veralteter Vertrag mit der polnischen Firma womöglich das Problem sein.
Experte rät
zu Überprüfung
Bei „Lieber zu Hause“ gehe der Vertrag ab 2600 Euro im Monat los und „3000 Euro werden bei guten Deutschkenntnissen oder zwei-, dreimal in der Nacht für den Patienten aufstehen bezahlt.“ List rät daher, dass sich Elsa Mayer dringend ihre Verträge noch einmal genau anschauen und den Kontakt zu der betreffenden Agentur aus der Region suchen sollte.