Kematen – Man nehme eine typische katholische Pfarrgemeinde in Altbayern, zwei gegensätzlich eingestellte Pfarrer, zwei richtige Lausbuben als Ministranten, Mitglieder der Pfarrei, die sich nicht grün sind, eine Chorleiterin, die neue Wege beschreiten will und einige Personen aus dem Rotlichtmilieu. Aus diesem Mix haben die Bad Feilnbacher Theaterautoren Sebastian Kolb und Markus Scheble die sehenswerte Komödie „Im Pfarrhaus is der Deife los“ verfasst. Das Stück greift viele Situationen aus dem realen Leben auf, hat dazu den nötigen Tiefgang und ist mit vielen lustigen Szenen gewürzt.
Premiere im voll besetzten Saal
Die Theatergruppe des Trachtenvereins Dettendorf-Kematen hat mit diesem Theaterstück vor wenigen Tagen eine erfolgreiche Premiere gefeiert und den Zuschauern im voll besetzten Weingast-Saal in Kematen einen schönen und unterhaltsamen Theaterabend beschert.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der erzkonservative Pfarrer Sebastian Bürstel. Er ist von seiner Schwester und Haushälterin Mechthild auf Diät gesetzt, was seine Laune nicht gerade verbessert. Hinzu kommen Streiche der Ministranten Maxi und Franzl und der Wunsch der Chorleiterin Monika, die Gottesdienste durch modernere Lieder aufzupeppen. Als Bürstel aufgrund eines Unfalls dienstunfähig wird, schickt ihm das Ordinariat anstelle seines Wunschkandidaten einen jungen Aushilfspfarrer, der so gar nicht die Ansichten von Bürstel teilt.
Zum Einstand gerät der Vertreter gleich noch mit der Vorsitzenden der Kirchenverwaltung aneinander. Zudem holt den jungen Geistlichen Karl Wolf dessen frühere Tätigkeit in einem Rotlichtbezirk ein. Die Theaterer aus Dettendorf und Kematen unter der Leitung von Barbara Mayr zogen bei diesem Stück alle Register ihres Könnens und erhielten viel Szenen- und einen begeisterten Schlussapplaus.
Mit der Erfahrung aus mittlerweile 15 Theaterjahren mimte Martin Nagl routiniert, authentisch und ausdrucksstark den konservativen Pfarrer Bürstel. Seine Schwester Mechthild wurde von Verena Nagl verkörpert, die heuer erstmals auf der Bühne stand. Ihr gelang es sehr glaubhaft, das Regiment im Pfarrhaus streng und gleichzeitig einfühlsam darzustellen. Johannes Bielmeier und Leonhard Kurz spielten ebenfalls zum ersten Mal auf der „großen Bühne“ und meisterten ihren Einsatz als Ministranten Maxi und Franzl mit Bravour.
Die Schwestern Maresa und Franziska Huber sprühten vor Spielfreude und gingen in ihren Rollen als Gundula Krätz (Vorsitzende Kirchenverwaltung) sowie der Chorleiterin Monika Lerche förmlich auf. Samuel Nagl überzeugte als Aushilfspfarrer Karl Wolf und setzte den Gegenpart zu dem konservativen Bürstel. Drei Gestalten aus dem Rotlichtmilieu sorgten für überraschende Wendungen. Dabei gefiel Marin Engelsberger als Inhaber einer Tanzbar, der sich facettenreich zwischen Grobian und Charmeur bewegte. Christoph Singhammer spielte in der Rolle des Türstehers Bonzo sein schauspielerisches Talent voll aus und hatte dabei viele Lacher auf seiner Seite.
Theresa Engelsberger verkörperte mit viel Situationsgefühl das Mädchen Jenny, das sich aus dem Zwang des Rotlichtmilieus befreien möchte. Mit der Auswahl des Stückes, der Rollenbesetzung und der Inszenierung bewies Spielleiterin Barbara Mayr erneut ein feines Gespür dafür, was zu einem guten Theater gehört. Die Aufführung war kurzweilig und unterhaltsam und zog die Zuschauer in ihren Bann. Das ansprechende Bühnenbild wurde federführend von Andreas Laböck gestaltet und von Maria Engelsberger bemalt. Die Maskenbildnerinnen Inge Impler und Maria Engelsberger sorgten für das passende Aussehen und die richtige Frisur der Spieler.
Für Licht- und Toneffekte war in bewährter Weise Anton Mayr mit Sohn Vitus verantwortlich. Anni Wurm im Souffleurkasten gab den Darstellern im Bedarfsfall die nötige Sicherheit. Vor Vorstellungsbeginn und in den Pausen unterhielt Xaver Engelsberger das Publikum mit seiner Ziach.
Heute geht es
bereits weiter
Die nächsten Spieltermine sind heute, Mittwoch, am Ostersonntag, 20. April (nur noch wenige Karten), am Dienstag, 22. April, und Mittwoch, 23. April (praktisch ausverkauft). Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten können telefonisch unter 0151/26882000 reserviert oder – soweit Vorrat reicht – an der Abendkasse erworben werden. Das Telefon ist werktags außer Samstag von 15 bis 18 Uhr besetzt.