Bruckmühl – Aufgrund neuester Untersuchungen und der Vorlage von detaillierteren Kostenschätzungen erhöhen sich die Sanierungskosten der „Kindervilla Kunterbunt“ für die Marktgemeinde Bruckmühl von 861000 Euro auf circa 1,1 Millionen Euro. Ursächlich hierfür sind unumgängliche Maßnahmen und Änderungen bei der Warmwasseraufbereitung, den Trinkwasserleitungen sowie dem Heizungssystem und dem damit verbundenen Aufbau der Bodenbeläge. Mit einem einstimmigen positiven Votum gab das Ratsplenum nach einer eingehenden Sacherörterung dem neuen Finanzvolumen grünes Licht.
Außen hui,
innen pfui
Die Kindertagesstätte an der Anton-Bruckner-Straße kann mittlerweile auf eine über 30-jährige Historie zurückblicken. Der erste Eindruck täuscht. Die farbenfrohe Außenansicht der „Kindervilla Kunterbunt“ legt einen bunten Deckmantel über den unaufschiebbaren Sanierungszustand. Darüber war sich der Marktgemeinderat bereits in der Dezember-Sitzung einig. „Hier muss gehandelt werden“, so der mehrheitliche Tenor. Dementsprechend hat das Plenum eine energetische Generalsanierung mit einem Kostenvolumen von gerundeten 861000 Euro für den Haushalt 2025/26 genehmigt.
Doch damit nicht genug. Im Rahmen einer jährlichen Untersuchung auf Legionellen wurde kürzlich eine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt. Ursache hierfür sind die zentrale Trinkwassererhitzung in Verbindung mit den alten Trinkwasserleitungen. Auf Empfehlung des Gesundheitsamtes sollte die Warmwasseraufbereitung auf ein dezentrales System umgestellt und die Leitungen erneuert werden. In einem weiteren Schritt fand eine genauere Kostenschätzung durch eine Objektbegehung statt. Hier ging es um die Frage, für welche Räume, welche Heizungssysteme am sinnvollsten sind. Das Ergebnis: Teilweise haben die Spielflure keine Heizung, in den Kinderbädern wäre ein Wechsel auf Fußbodenheizung von Vorteil. Für den Einbau neuer und weiterer Toiletten und Waschbecken müssen die Bodenbeläge und der Estrich entfernt werden. Laut Fachplaner würde sich dadurch die Installation einer Flächenheizung anbieten.
Basierend auf diesen neuen Erkenntnissen hat das zuständige Ingenieurbüro einen Sanierungsfahrplan mit sechs Maßnahmenpaketen samt geschätzten Kosten aufgestellt: Paket eins und zwei umfasst die architektonische Sanierung des Gebäudes mit rund 1,1 Millionen Euro, Paket drei die Dachsanierung mit 148000, Paket vier die Installation einer Photovoltaikanlage für 37000 Euro, Paket fünf den Einbau einer Wärmepumpe für 67000 Euro und Paket sechs Dämmung der Außenwände für 250000 Euro. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und der angespannten Haushaltslage priorisierte die Gemeindeverwaltung in ihrer Tischvorlage im ersten Schritt die Umsetzung der Maßnahmen eins und zwei für die Haushaltsjahre 2025/ 2026. Im Anschluss daran sollten dann aber auch die Pakete drei, vier und fünf angegangen werden. Dies galt nicht für die Maßnahme sechs.
In ihrem detaillierten Sachvortrag machte Laura Specht, vom Büro Leicht physics, einleitend klar, dass der aufgezeigte Fahrplan auf die nächsten zehn Jahre ohne Zeit- und Umsetzungsdruck ausgerichtet ist. Robert Plank, CSU/PW, votierte für den Umsetzungsvorschlag der Gemeindeverwaltung. Anders bewerte dies Wolfgang Huber. Für den Grünen-Rat bedingte eine Maßnahme die anderen. Für ihn standen die Dämmmaßnahmen am Dach und an den Außenwänden ganz oben. Für ihn war klar, „wenn wir dies jetzt nicht anpacken, machen wir es in den nächsten Jahren auch nicht mehr“.
Deutlich kritischer fiel das Votum von Michael Stahuber aus. Für den CSU/PW-Rat waren es in der Summe viele unwirtschaftliche Maßnahmen, die ohne Not umgesetzt werden sollen. So sollte seiner Meinung nach der Personenaufzug durch einen für Speisen ersetzt werden. Aufgrund des geringen Einsparpotenzials war er gegen eine Dachdämmung. Keine Notwendigkeit sah er weiter bei der Fußbodenheizung und Wärmepumpe, „gerade bei dem letzteren Thema sind wir doch aktuell noch gut aufgestellt“.
Hierzu stellte Vinzenz Schaberl klar, dass gerade der Personenaufzug unter dem Thema Inklusion sinnvoll und wichtig sei. Zum Thema Fußbodenheizung entgegnete der Sachbearbeiter Hochbau und Bauunterhalt, dass dies gerade die Räume betrifft, die derzeit gar keine Heizung haben, „hier sitzen die Kinder zum Teil nur auf dem nackten Teppichboden“.
„Jetzt anpacken,
was Sinn macht“
Bürgermeister Richard Richter, CSU/PW, sprach sich eindeutig für die Umsetzung der Pakete eins und zwei aus. Ähnlich bewertete dies Hubert Maier, „wir sollten jetzt anpacken, was Sinn macht. Wenn der Fußboden raus muss, dann ist auch der Einbau einer Fußbodenheizung gut“. Gerne würde der CSU/PW-Rat auch die Photovoltaikanlage realisieren.
Für Georg Pritzl, OLB, geht die Grundsanierung in Ordnung, „alles andere sind aber Luftnummern“. In Summe sprach sich das Ratsplenum dann für die Umsetzung der Pakete eins und zwei aus.