Bad Aibling – Vor nunmehr 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Wie die Tage des Zusammenbruchs in Bad Aibling verliefen, zeichnet Altbürgermeister Dr. Werner Keitz anhand der Chronik für die Stadt Bad Aibling nach, dem Band 1 der Geschichte einer Stadt von Dr. Gottfried Mayr und den Aufzeichnungen des Stadtpfarrers Jakob Albrecht.
Ende März 1945 überschritt die US-Army den Main und gelangte nach Bayern. Nun war nahezu jedem Deutschen klar, dass der Krieg verloren war. Das hatten auch die führenden Köpfe der Aiblinger Nationalsozialisten erkannt.
Bürgermeister
Bastianelli tritt zurück
Am 30. April 1945 wird August Weigl, Kommandant der freiwilligen Feuerwehr, in den Nachmittagsstunden ins Büro der Polizei im Erdgeschoss des Kreissparkassengebäudes gerufen. Zweiter Bürgermeister Frank und Polizeioberleutnant Fischer bitten angesichts der befürchtet desaströsen Lage zum Kriegsende um Unterstützung der Polizei durch Kräfte der Feuerwehr. Weigl setzt unverzüglich den Kreiswehrführer Martin Drickl in Kenntnis. Beide beschließen, ihre Männer erst bei Abdankung des Bürgermeisters einzusetzen. Von Frank über diese Forderung in Kenntnis gesetzt, tritt August Bastianelli mit seinem politischen Stab zurück. Frank informierte um 17.30 Uhr Weigl und Drickl von diesem Rücktritt und sagt: „Wir legen die Stadt in ihre Hände, übergeben Sie diese – hoffentlich ohne Blutvergießen“.
Um 21 Uhr treffen sich 30 Feuerwehrleute in der Gaststätte Sebastianibräu und übernehmen unter Führung von Martin Drickl den Polizeihilfsdienst in der Stadt. Am Morgen des 1. Mai 1945 wird Landrat Dr. Roidl vom Rücktritt Bastianellis und von den getroffenen Sicherheitsmaßnahmen unterrichtet. Er kann mitteilen, dass sich der Fliegerhorst unter Oberst Schneider den heranrückenden amerikanischen Verbänden kampflos ergeben werde. Um 14 Uhr meldet der Feuerwehrmann Robert Lutzenberger, SS-Pioniere hätten die Mangfallbrücke zwischen Bad Aibling und Pullach zur Sprengung vorbereitet. Als die SS-Posten vor Tieffliegern in Deckung gingen, gelang es dem kriegsverletzten Soldaten Benno Antretter, die Sprengladungen zu entschärfen.
Am Abend des 1. Mai 1945 rollte dann um 20.30 Uhr der erste amerikanische Panzer in die Stadt. Bad Aibling wird durch Leutnant Hans-Jürgen Sarnowski und die Freiheitsbewegung Bayern unter Führung des Baumeisters Martin Gärtner um 22 Uhr kampflos übergeben.
Der kommandierende amerikanische Offizier nimmt Quartier im Geschäft des Glasermeisters Pauliel. Noch an diesem Abend wird Martin Gärtner durch die US-Army als kommissarischer Bürgermeister mit der Verpflichtung, für die Sicherheit der amerikanischen Soldaten und für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu sorgen, eingesetzt. Eine Mammutaufgabe, die Stadtpolizei und Feuerwehr zum Teil überforderte. In der Nacht vor dem Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte war es bereits zu einem Sturm auf das Vorratslager der Wehrmacht in der Viehhalle durch die Aiblinger Bevölkerung gekommen.
Bis zu 30000
Menschen
Am 2. Mai wurde die Stadt „von Massen freigelassener Fremd- und Ostarbeiter, ausländischen Kriegsgefangenen sowie ehemaligen KZ-Insassen überschwemmt“, so der Mangfall-Bote in einem Rückblick vom 30. April 1955. Helmuth Gastel spricht in einem Artikel im Mangfall-Boten vom 21. April 1965 davon, dass sich in diesen Tagen 25000 bis 30000 Menschen in der Stadt aufgehalten hätten.
Am 3. Mai kam es dann vereinzelt zu Plünderungen. Dennoch gelang es den US-Streitkräften und der Stadtpolizei mit Unterstützung der Feuerwehr, das Ärgste zu verhindern. Am 4. Mai wird der Fliegerhorst Lager für bis zu 84000 Kriegsgefangene. Darunter auch der Flakhelfer Ratzinger, der spätere Papst Benedikt. Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich. Bad Aibling war mit einem „blauen Auge“ davongekommen.