Bad Aibling – „Mach dir ein paar schöne Stunden – geh ins Kino“ – dieser alte Werbeslogan der deutschen Lichtspieltheater passt Jahrzehnte später haargenau zum Frühjahrsstück des Theaters Aibling: Der Tresenschwank „Boazeria oder Ois bleibt, wia’s is“ von Gregor Schumm bietet den Besuchern im „Luli“-Theater ein überaus unterhaltsames, abendfüllendes Bühnenspektakel.
Viel mehr als
ein Wirtshaus
Schauplatz der vergnüglichen Handlung ist das schon etwas in die Jahre gekommene „Brandhuber Stüberl“, ein kleines Aiblinger Lokal. Für seine Stammgäste ist die von der liebenswürdig-resoluten Maria Brandhuber (Kathi Huber) betriebene Kneipe aber viel mehr als ein Wirtshaus: Für den kauzigen Dauergrantler Quirin Schweiger (Martin Ranner), den spitzbübischen Lebenskünstler Nepomuk Stolz (Marinus Schmid) und der ihrer abgeblätterten Schickimicki-Vergangenheit nachtrauernden Rosi Mooser (Petra Wolf) ist das Stüberl quasi ihr heimatlicher Kosmos.
Doch der vor allem in größeren Städten zu beobachtende Trend, Immobilien im Vorfeld von Luxussanierungen auch von ihren Bewohnern zu „entkernen“, macht auch vor dem „Brandhuber Stüberl“ nicht halt. Bruno Prim (Gregor Schumm), der rücksichtslose Besitzer des Gebäudes, möchte auswandern und hat das gesamte Anwesen verkauft. Die neue Besitzerin, die eiskalte Cynthia von Weidelind (Daniela Tamegger), will das Traditionslokal kurzfristig in eine moderne Eventlocation verwandeln. Marias Sohn Markus Brandhuber (Markus Lermann) ist zwar gewissen Veränderungen nicht abgeneigt, aber seine Ideen sind oftmals skurril. Die Wirtin und ihre treuen Gäste wollen ihre „Wohnzimmer-Heimat“ aber keinesfalls aufgeben. „Jeder trägt in seinem Leben ein Packerl, aber das kann man hier für ein paar Stunden an die Garderobe hängen“, philosophiert die Wirtin.
Hilfe bekommt die „Kneipenbesatzung“ von dem von seinem Dauer-Ehezwist durchgeschüttelten Zufallsgast Frederic von Brandenburg (Nick Maier). Alle helfen zusammen, peppen das Lokal etwas auf und erfinden den neuen Namen „Boazeria“. Zur rauschenden Eröffnungsparty mit fetziger Musik kommen zahlreiche Gäste – doch ist sie gleichzeitig auch die Abschiedsparty? Mehr von der turbulenten Handlung soll mit Rücksicht auf die weiteren Aufführungen aber hier nicht verraten werden.
Autor Gregor Schumm (nebenbei auch Vorsitzender des Theater Aibling) hat in seinem Erstlingswerk lauter profilstarke Bühnenfiguren geschaffen, denen von den spielfreudigen Ensemblemitgliedern ausnahmslos und auf hinreißende Weise authentisches Leben eingehaucht wurde.
Zudem ist der Dreiakter mit flotten bayerischen Sprüchen und mit viel Lokalkolorit angereichert. Zusammen mit den Co-Regisseurinnen Lisa Rottmüller und Tatjana Leikam hat Schumm außerdem viele kreative Ideen eingebaut, die sich bis zum pfiffigen „Abspann“ erstrecken. Souffleuse Lisa Rottmüller blieb weitgehend beschäftigungslos. Unbedingt erwähnt werden muss auch das vom Team um Gregor Schumm und Fred Breisl geschaffene und mit liebevollen kleingastronomischen Details versehene stimmige Kneipen-Bühnenbild.
Viel Beifall
vom Publikum
Das begeisterte Publikum der Uraufführung, darunter die Zweite Bürgermeisterin Kerstin Hieble-Fritz, der Dritte Bürgermeister Markus Stigloher, Kulturreferentin Elisabeth Geßner, weitere Stadtratsmitglieder, sowie Vorsitzende und Abordnungen von Vereinen, spendete wiederholt Szenenbeifall und einen jubelnden Schlussapplaus. Fazit: An die Garderobe des „Luli“-Theaters kann man getrost für ein paar Stunden sein „Packerl“ hängen.
Die weiteren geplanten Abend-Aufführungen sind bereits restlos ausverkauft. Die Möglichkeit, das Stück zu sehen besteht noch am Sonntag, 18. Mai, um 14.30 Uhr und an folgenden Zusatzterminen: Donnerstag, 22. Mai, Freitag, 23. Mai, sowie Samstag, 24. Mai, jeweils um 20 Uhr. Der Vorverkauf hierfür läuft über die AibKur im Haus des Gastes.