Ostermünchen-Mitte verzögert sich

von Redaktion

Baubeginn für Großprojekt startet frühestens 2026 – Finanzierung ist große Herausforderung

Ostermünchen Das Großprojekt Ostermünchen-Mitte kommt, aber wohl erst Ende 2026, Anfang 2027. Das war eigentlich die wichtigste Botschaft, die Bürgermeister Georg Weigl bei der gut zweieinhalb Stunden dauernden Bürgerversammlung in Ostermünchen überbrachte: Ansonsten konnte Weigl eindrucksvoll aufzeigen, wie immens die Bandbreite an Aufgaben und die Aktivitäten der Gemeinde sind.

Schwieriges
Umfeld

Weigl freute sich über den guten Besuch der Bürgerversammlung in Wallner’s Landgasthof zur Post, darunter auch Ehrenbürger Hans Thiel. „Wir haben ein schwieriges politisches und wirtschaftliches Umfeld“, betonte der Rathauschef, die Erwartungshaltung ist groß, die Herausforderungen ebenso. Dabei beklagte er den steigenden Egoismus, weshalb man die Gemeinschaft weiter stark pflegen müsse.

Die meisten Kommunen hätten mittlerweile auch eine schwierige finanzielle Situation, berichtete Weigl, fast zwei Drittel auch im Landkreis Rosenheim. Tuntenhausen stehe da nach seinen Worten noch gut da und vor allem: „Wir haben keinen Investitionsstau“, bekräftigte Weigl. Danach blickte er auf den Haushalt, der stark von der „Alimentierung“ der Betriebskostenförderung für die Kindertagesstätten geprägt ist. „Wir schießen hier jährlich rund 1,7 Millionen Euro dazu“, erklärte der Bürgermeister, betonte aber gleichzeitig, dass das ein bundesweites Problem sei. Deshalb könne die Gemeinde froh sein, dass die Steuereinnahmen, besonders die Gewerbesteuer, nach wie vor reichlich fließen. „Mit diesem Geld können wir die Zukunft gut gestalten“, sagte Weigl.

Das Damoklesschwert aber komme nächstes Jahr in Form von steigender Kreisumlage. Weigl prognostiziert hier mindestens eine Million Euro mehr an Kosten, sodass es eine große Herausforderung werden wird, die künftigen Ausgaben zu finanzieren.

Was geschah in der Gemeinde und was steht an? Weigl fing hier mit den Schulen an: 389 Schüler besuchen derzeit die beiden Schulen in der Gemeinde, die beide das Inklusionsprofil haben und ein Ganztagesangebot bieten können. Daneben gibt es fünf Kindergärten und einige Kindertagespflegeeinrichtungen.

Viele Aktivitäten gebe es mittlerweile bei der Seniorenbetreuung der Gemeinde, die bei Erika Zimmert in besten Händen sei: die Aktionswoche zu Hause Daheim, Demenzwoche, Rentenberatung und sogar eine Wohnberatung bieten eine Fülle an Hilfen für die älteren Menschen. Gut ausgestattet zeigen sich auch die sechs gemeindlichen Feuerwehren, die zwischenzeitlich fast alle eine neue einheitliche Schutzbekleidung erhalten haben. Stolze 417 aktive Feuerwehrkameraden hat man in der Gemeinde. Und noch erfreulicher sind die 75 Jugendfeuerwehrler. Wie wichtig Ausstattung und Personal sind, zeigen die 239 Einsätze, die die Wehren im vergangenen Jahr fahren mussten.

In der gemeindlichen Wasserversorgung stellt man einen stabilen Verbrauch fest, was nach Weigl sehr erfreulich sei. Auch die Wasserqualität bezeichnete er als gut. Wichtig für die Zukunft sei der im kommenden Jahr geplante Notverbund mit Bad Aibling. Für die in die Jahre gekommene Kläranlage in Ostermünchen wird ein Konzept einer Erneuerung erstellt, da auch die Anlage in Tuntenhausen voll ausgelastet ist.

Bei der Energiewende sei Tuntenhausen ebenfalls gut dabei, bekräftigte Weigl. Die kommunale Wärmeplanung läuft, die Nahwärmeversorgung wird geplant und für die Windenergie sind Flächen vorhanden. Drei Photovoltaik-Freiflächenanlagen sind inzwischen auch bereits im Bau beziehungsweise kurz davor.

Nichts Neues bei
Brenner-Nordzulauf

„Zum Brenner-Nordzulauf gibt es nichts Neues“, vermeldete Weigl, vielleicht sei die parlamentarische Befassung gegen Jahresende. Wo sich aber etwas tut, ist die Sanierung der ST2089 (Hohenthann-Maxlrain). Zwischen Hohenthann und Mailing wird sie von Juni bis September saniert und eine Überquerungshilfe in Schönau erstellt.

Am Ende zeigte der Bürgermeister noch einige interessante Zahlen auf: So sind die Bauanträge in den vergangenen beiden Jahren rapide gesunken (44 beziehungsweise 55 in 2024 und 2023). „Sie lagen in der Spitze schon bei 136“, fügte Weigl hinzu. Derzeit wohnen 78 Asylbewerber in der Gemeinde, Ziel sei es, bis zu 180 unterzubringen. „Wir versuchen, hier den Landkreis bestmöglich zu unterstützen“, sagte Weigl, merkte aber an, dass die Gemeinde eine dezentrale Unterbringung bevorzuge.

Auch bei der abschließenden Aussprache war das städtebauliche Konzept Ostermünchen-Mitte der zentrale Aspekt. „Ich verstehe die Unzufriedenheit, dass sich das alles hinzieht“, bedauerte Weigl die Verzögerung, verwies aber auf die schwierige wirtschaftliche Lage der vergangenen zwei Jahre. Zinsen und Baukosten seien gestiegen, betonte der Bürgermeister und eine Investitionssumme von annähernd 40 Millionen Euro will erst einmal gehoben werden. Deshalb habe man sich nun für zwei Bauabschnitte entschlossen: Einen öffentlichen Bereich mit Arzt, Apotheke und Dorfladen, den die Gemeinde erstellt und betreibt und einen zweiten Bereich mit den Wohnungen, die die MvB Baukultur vorantreibt. Zeitlich, so Weigl, werde der erste Spatenstich wohl erst 2027 sein. Die Gründe lägen unter anderem in der nötigen Bebauungsplanänderung, neuen Ausführungsplanung und Ausschreibung.

In der Diskussion fragte Ehrenbürger Hans Thiel wegen des verspäteten Baubeginns nach, ob bis dahin die Existenz der Apotheke und der Arztpraxis überhaupt gesichert sei. Laut Weigl stehe man in ständigem Austausch mit dem Arzt und der Apotheke. Thiel fasste nochmals nach: „Und wenn die Raiffeisenbank ihr geplantes Bauvorhaben durchzieht, wie sieht es dann aus“? Dazu Weigl: „Die Bank wartet bis Ostermünchen-Mitte fertig ist.“

Herbert Prechtl wiederum sah den günstigen Wohnraum für Einheimische beeinträchtigt, was Weigl verneinte, „rund 35 Prozent sollen nach wie vor sozial verträgliche Einheiten werden“.

Blick auf
Grundsteuer

Stefan Brumbauer fragte nach, was die Grundsteuer gebracht habe. Laut Weigl habe der Gemeinderat die seit 40 Jahren bestehenden Hebesätze nicht angetastet. „Erst wenn alle Bescheide rechtskräftig sind, schauen wir uns das Ganze nochmals an“, so der Bürgermeister. Stand heute ist ein Drittel gleich geblieben, ein weiteres Drittel muss weniger zahlen und das letzte Drittel hat mehr zu berappen.

Eine weitere Frage betraf den schlechten Zustand eines Teils der Straße von Weiching nach Bach. Weigl begründete das mit mehr Durchgangsverkehr, falls das schlechte Teilstück auch befestigt werde. Eine weitere Frage betraf die Notwendigkeit eines Veranstaltungsraumes im westlichen Gemeindegebiet. Weigl: „Wir haben hier leider keine Gastwirtschaften mehr, deshalb planen wir einen Bürgersaal in Schönau.“

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