Harthausen – Eindrucksvoll feierten die Harthausener am vergangenen Sonntag ihren Kapellenjahrtag. An einem geschichtsträchtigen Ort steht die Kapelle schon seit 1932. Ursprünglich zum Gedenken an die Kriegsteilnehmer 1914 bis 1918 errichtet, ist sie seither ein imponierender Zeitzeuge einer leidvollen Vergangenheit zweier Weltkriege.
Traditionsbewusst feiern die Ortsgemeinschaften Harthausen, Zell und Lohholz jährlich am ersten Sonntag im Mai ihren Kapellenjahrtag. So setzte sich um 10 Uhr der Festzug am Tanzcafé Hubertus in Bewegung. Es folgten die Fahnenabordnungen und Mitglieder der Feuerwehren Harthausen und Mietraching sowie die Veteranen-, Soldaten- und Reservistenkameradschaft Bad Aibling und der Veteranen- und Kriegerverein Ellmosen-Harthausen. An der Kapelle angekommen, reihte sich ein buntes Bild von Fahnen und Mitgliedern um die bedeutsame Kapelle.
Zur Begrüßung hieß Pfarrer Georg Neumaier alle Vertreter der Stadt Bad Aibling sowie die zahlreichen Ortsvereine zum Kapellenjahrtag willkommen. Ein wenig mehr Wetterglück hätte er sich zwar gewünscht, doch ganz im Sinne des Lebens meinte er schmunzelnd: „Es gibt nicht jeden Tag Sonnenschein.“ Er erinnerte daran, dass der Zweite Weltkrieg vor 80 Jahren zu Ende ging. „Es gibt jetzt landauf, landab überall Gedenkfeiern“, erinnerte Neumaier und meinte, es sei gut so, dass wir uns erinnern, denn aus Erinnerung entstehe eine neue Haltung und Einstellung. Leider, so der Geistliche, gebe es in unserer Gesellschaft eine Entwicklung, die diese Zeit verherrliche. „Aber wenn wir zusammenhalten und überzeugte Demokraten sind, dann werden wir unsere Heimat und unser Land gut in die Zukunft begleiten.“
In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Neumaier an alltägliche Situationen, etwa wenn der Computer streike oder das Auto nicht anspringe – Momente, in denen man sich schnell ärgere und schimpfe. „Eine Maschine lässt sich davon nicht beeindrucken, ein Mensch hingegen schon“, erklärte er. Emotionen seien menschlich und verständlich, sie sollten uns aber nicht dazu verleiten, vorschnell zu urteilen oder andere zu verletzen. Gesanglich wurde der Gottesdienst von der Lyra Lohholz bereichert.
Nach dem Gottesdienst mahnte Pfarrer Neumaier, bereit für die Stunde des Todes zu sein. Er erinnerte an die vielen Menschen, die durch Krieg und Terror aus ihrem Leben gerissen worden sind.
Bürgermeister Stephan Schlier verwies auf den Kapellenort, der seit über 100 Jahren die wichtige Aufgabe habe, das Gedenken aufrechtzuerhalten. „Seit dem 8. Mai 1945 leben wir hier in Deutschland in Frieden“, so der Bürgermeister. Aber es sei ungewohnt und erschreckend, dass nun seit drei Jahren in Europa Krieg herrsche. „Wir haben zudem unruhige Zeiten und wir stecken so viel Geld in die Verteidigung wie noch nie“, mahnte der Bürgermeister. Er forderte aufzupassen, dass die Gedenkfeiern nicht zu einem stummen Ritual verkommen, sondern die Erinnerung wachhalten. „Wir müssen der Friedensaufgabe gerecht werden“, betonte er und dankte deshalb allen, die für den Jahrtag Hand angelegt haben.
Als äußeres Zeichen des Erinnerns an die Opfer von Kriegen, Gewalt und Terror legten Schlier und Ortssprecher Siegfried Raß einen Kranz nieder. Raß bedankte sich außerdem noch bei allen, die sich mit Leidenschaft für die Pflege der Kapelle und für das Dorffest einsetzen und eingesetzt haben. „Mit dem Wetter sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen“, betonte er, bevor es mit einem Festzug durch den Ort zur Festhalle für ein gemeinsames Mittagessen zum „Scherer“ ging. ws