Feldolling – Um drei Bäume liegen ein paar Holzspäne im hohen Gras verteilt. Die Rinde ist an einigen Stellen fast vollständig verschwunden. Die Stämme sind untenrum nahezu kahl. Von ihnen führt eine Schleifspur durch das dichte Gras zur Mangfall hinunter. Vereinzelt liegen auch dort weitere Holzspäne auf dem Boden. Dann endet die Spur. Mehr ist an der Otto-von-Steinbeis-Straße in Feldolling nahe dem Leitzachwerk 3 nicht zu finden. Das Einzige, was bleibt, ist die Frage, ob es sich dabei um das Werk eines Bibers handelt.
Verbiss gibt
Hinweise
Die Antwort darauf hat die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Rosenheim. „Es handelt sich eindeutig um Verbiss durch den Biber“, sagt eine Sachbearbeiterin der Behörde auf Anfrage des Mangfall-Boten. Die Mangfall sei dem Amt schon lange als Lebensraum für Biber bekannt. So fungiere sie unter anderem als Wanderstrecke für Jungtiere, die über große Wasserstraßen auf der Suche nach einem eigenen Revier sind.
In erster Linie fällt dieser Fluss in die Zuständigkeit des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim. Die Mitarbeiter beobachten immer wieder die Aktivitäten des Tieres, um schnell handeln zu können. „Manche Bäume erhalten Schutzmatten, andere werden dem Biber als Futter oder Baumaterial überlassen“, sagt die Sachbearbeiterin weiter.
Die drei Bäume sind damit wohl auch dem Biber als Futter überlassen worden. Denn die „Verbissspuren“, die dort zu erkennen sind, sind die eindeutigsten Hinweise, dass der Nager dort lebt. „Manchmal sind auch sogenannte ,Biberrutschen‘ zu finden“, sagt sie. Dabei handelt es sich ihr zufolge um regelmäßig genutzte Ausstiege aus dem Wasser, die durch das Nachziehen der nassen „Schwanzkelle“ geglättet werden.
Neu sei dieser Fund in Feldolling allerdings nicht. „Es handelt sich um ein bekanntes Revier mit einer Familie“, sagt die Sachbearbeiterin. Für die Untere Naturschutzbehörde ist das etwas Erfreuliches. Schließlich ist das große Nagetier ein „ausgezeichneter Landschaftsbauer der Natur“ und wird in Bayern besonders streng geschützt. „Mit seinen Bauten fördert es den Wasserrückhalt in der Fläche und leistet somit auch einen Beitrag zum Arten- und Klimaschutz“, so die Mitarbeiterin der Naturschutzbehörde. Von diesen neu entstandenen Wasserflächen profitieren weitere Tierarten, wie Fische, Amphibien und Vögel.
Die Untere Naturschutzbehörde ist unter anderem für das Bibermanagement zuständig. Die Mitarbeiter informieren die Bevölkerung rund um das Thema Biber. Zum Beispiel über Präventivmaßnahmen wie Schutzmatten, Baumanstriche oder Einbau von Dammdrainagen.
Betroffene
werden entschädigt
Außerdem ist die Behörde auch für Förderungen zuständig, wie das Vertragsnaturschutzprogramm. „Dadurch können betroffene landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Flächen entschädigt werden“, erklärt die Sachbearbeiterin. Bedeutet, dass an die Behörde gemeldete Schäden zunächst begutachtet und das Geld dann gemäß den Richtlinien ausbezahlt werden. Sollte allerdings „Gefahr für Leib und Leben“, wie bei Bauten in Klär- und Gleisanlagen oder Straßen bestehen oder es zu einem erheblichen wirtschaftlichen Schaden trotz Schutzmaßnahmen kommen, greift die Behörde ein. „Die Untere Naturschutzbehörde regelt als Ultima Ratio dann eine Entnahme von Bibern“, erklärt die Sachbearbeiterin.
Unterstützt werden die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde von 27 ehrenamtlichen Biberberatern. Dadurch können unter anderem Bürger nach einer Biber-Schadensmeldung schnellstmöglich vom Amt betreut werden. „Bei der Größe des Landkreises und der Anzahl der besetzten Biberreviere ist es wichtig, auf eine gut ausgebildete Mannschaft zurückgreifen zu können“, sagt die Mitarbeiterin der Behörde. So gehört zu den Hauptaufgaben der Ehrenamtlichen zum Beispiel die Beratung zu möglichen Präventivmaßnahmen und die technische Beratung beim Einbau von Dammdrainagen. Auch die Aufklärung über das Verhalten der Nagetiere steht auf ihrer Aufgabenliste.
Für die Sachbearbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde ist diese Zusammenarbeit sehr wichtig. „Nur so können wir ein möglichst reibungsloses Miteinander dieses über 100 Jahre ausgerotteten Tieres und der Menschen im Landkreis Rosenheim ermöglichen.“