Zukunft des Alten Pfarrhauses

von Redaktion

Bad Feilnbacher können über Nutzung des 100-jährigen Gebäudes mitentscheiden

Bad Feilnbach – Die Kirchenverwaltung lädt alle Bewohner der Gemeinde und alle Interessierten zu einem Gedankenaustausch über die Zukunft des Alten Pfarrhauses in den Heimgartensaal ein. Die Veranstaltung mit Besichtigung findet am Samstag, 17. Mai, um 15 Uhr statt.

Das Alte Pfarrhaus von Bad Feilnbach aus dem Jahr 1924 war Dreh- und Angelpunkt bei der Entwicklung einer Expositur der Pfarrei Au hin zur selbstständigen Pfarrgemeinde Feilnbach 1963. Gleichzeitig wuchs mit seinem Bau der Zusammenhalt der Bürger aus den drei ehemals selbstständigen Gemeinden Wiechs, Feilnbach und Lippertskirchen für die entstehende Großgemeinde Bad Feilnbach.

Aufbruch in
der Gemeinde

1922 wurde dem Kooperator und Benefiziat von Au, Alfons Amrain, die Kirchtracht Lippertskirchen-Wiechs als Seelsorgegebiet übertragen. Dass sich mit dieser scheinbar klerikalen Nebensächlichkeit ein Aufbruch in der politischen Gemeinde bis in die Gegenwart vollziehen würde, konnte keiner der damaligen Zeitgenossen ahnen. Und doch sind Gemeinwesen, Kultur und religiöses Leben in Bad Feilnbach eng mit den Anfängen der Pfarrei verbunden. Dies zeigte sich vor allem in der Zusammenarbeit der Bevölkerung aus Wiechs, Bad Feilnbach und Lippertskirchen bei der Errichtung des Expositurhauses, dem Alten Pfarrhaus. Noch heute dominiert es als Blickfang die Kufsteiner Straße. Mit der Übertragung des Seelsorgegebiets an Alfons Amrain setzten die Einwohner der drei Ortschaften sofort alles daran, ihrem Seelsorger an seiner neuen Wirkungsstätte ein Zuhause zu schaffen, das ihm seine Aufgabenerfüllung erleichtern sollte. So beschlossen die Männer der Kirchenverwaltung und die Bürgermeister der drei Dörfer am 11. Oktober 1922, Alfons Amrain ein Wohnhaus mit Kapelle zu bauen.

Am 16. November 1922 wurde im Rahmen einer allgemeinen Kirchenversammlung ein Expositurverein gegründet, mit dem Zweck, Finanzmittel zur Stiftung einer selbstständigen Seelsorgestelle (Expositur) Lippertskirchen-Wiechs aufzubringen. Sie wurde schließlich am 13. Februar 1935 genehmigt.

Damit hatten sich die etwa 600 Einwohner der Expositur-Gemeinden über viele Jahre hinweg eine große Last auferlegt und das in einer wirtschaftlich äußerst beklemmenden Zeit. Monatelang verrichteten sie abwechselnd Hand- und Spanndienste. Jahrelang verfolgten sie das Vorhaben trotz einer unzureichenden Finanzierung, dem Preisverfall, der Hyperinflation von 1923 und der Weltwirtschaftskrise von 1929. So standen wegen der herrschenden Geldnot, unter der auch die Banken litten, Kredite nur in sehr geringem Maße zur Verfügung. Selbst private Beziehungen der Baukommissionsmitglieder zu Geschäftsleuten reichten nicht aus, um das Bauvorhaben auch nur notdürftig aufrechtzuerhalten. Auch den untertänigsten Ansuchen um Zuschüsse aus öffentlicher Hand wurde die kalte Schulter gezeigt.

Als schließlich das Schreckgespenst der Zwangsvollstreckung vor der Tür stand, wandte sich Amrain in größter Not mit einem Hilferuf an seine oberste Dienstbehörde, an das erzbischöfliche Ordinariat. Dieses entschloss sich schließlich, den Schuldendienst für den Neubau zu übernehmen. Im September 1924 konnte der Expositus schließlich sein neues Domizil beziehen und bewohnte es bis zu seinem Tode am 4. September 1961.

1971 übernahm sein Nachfolger Ludwig Penger den Neubau des Pfarrhauses in der Gartenstraße, der seinen Vorstellungen besser entsprach und überließ das Alte Pfarrhaus dem im Ruhestand befindlichen Seelsorger Augustinus Höss. Zugleich erhielt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Georg Stadler einen Mietvertrag für die Errichtung eines Fotogeschäftes in den Räumen des Alten Pfarrhauses, das bis Herbst 2024 bestehen sollte. Das Alte Pfarrhaus ist in die Jahre gekommen, eine letzte grundlegende Renovierung fand 1976 statt.

Raus aus dem
Dornröschenschlaf

Von 2003 bis Februar 2025 existierte ein weiterer Mietvertrag mit einer Bad Feilnbacher Bürgerin für die Räume im Obergeschoss des Hauses. Mit dem Auszug seines letzten Bewohners ist das Gebäude nun in einen Dornröschenschlaf versunken und wartet auf die Erweckung durch seine Restaurierung.

Die Verantwortlichen der Kirchenverwaltung sind angesichts seiner bewegten Baugeschichte und seiner zentralen Ortslage herausgefordert, eine zukunftstragende Entscheidung über die weitere Verwendung des Alten Pfarrhauses zu treffen. Dies sollte im Einvernehmen mit der Bevölkerung stattfinden, die zu diesem Termin zur Baustellenbesichtigung eingeladen ist. Es ist zu wünschen, dass das vor 100 Jahren unter großen Opfern errichtete Haus wieder ein Ort der Begegnung wird.

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