Eisenbartling – Seit 17 Jahren bietet das Medizinische Katastrophen Hilfswerk Deutschland (MHW) in Eisenbartling bereits seine Selbsthilfekurse an. Heuer nahmen rund 100 Interessierte aus ganz Bayern daran teil. Was vor 17 Jahren kaum einer dachte, ist mittlerweile Realität: Der Ernstfall ist so nah wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht.
„Damals wurden wir belächelt“, sagte Robert Schmitt, Präsident der überregionalen und gemeinnützigen Hilfsorganisation. Er sei kein Angstmacher, im Gegenteil, man wolle den Leuten die Angst nehmen, denn der Staat könne im Ernstfall nicht alles allein machen. Schmitt verdeutlichte am Beispiel des Stromausfalls auf der Iberischen Halbinsel, wie anfällig moderne Gesellschaften für Infrastrukturausfälle geworden sind. Trotz dieser Verwundbarkeit sieht er aber keinen Grund zur Panik, sondern ruft zur Besonnenheit und Vorbereitung auf.
Er appellierte an das Zusammenstehen der Gemeinschaft. Jeder sollte sich in einer ruhigen Minute Gedanken machen, wie er sich bei Strom- oder Wasserausfällen verhalten würde. Er betonte, dass der Staat im Krisenfall nicht sofort jedem helfen könne – Priorität hätten zunächst besonders schutzbedürftige Gruppen sowie die kritische Infrastruktur. Daher sei eine selbstständig vorbereitete Bevölkerung essenziell. Schmitt kritisierte zudem die zunehmende Vereinzelung in der Gesellschaft und forderte mehr Zusammenhalt.
Jeder Mensch habe Talente, die in Krisenzeiten sinnvoll eingesetzt werden könnten. „Nicht oft genug herausstellen kann man die Einzigartigkeit dieses kostenlosen Tageskurses, denn in ganz Deutschland gibt es so etwas nicht“, betonte Matthias Fischer, Pressesprecher des MHW. Allerdings denke die Politik mittlerweile schon darüber nach, Teile davon in die Erste-Hilfe-Kurse einzubauen.
In den Selbsthilfekursen des MHW lernen die Teilnehmer unter Anleitung pädagogisch geschulter Fachkräfte aktiv das richtige und verantwortungsvolle Verhalten im Katastrophenfall. Um Panik und Angst vorzubeugen, sieht der ganztägige Kurs verschiedene realistische Szenarien vor, beispielsweise einen Stromausfall, einen Verkehrsunfall und einen Küchenbrand. Die Teilnehmer setzen sich mit den jeweiligen Situationen auseinander und trainieren sinnvolle und richtige Verhaltensregeln sowie geeignete Vorbeugemaßnahmen.
Der Kurs besteht aus sieben Stationen, vom Löschen im Brandfall über die spezielle Krisenvorsorge und die Bevorratung in Notzeiten bis hin zur Behelfstrinkwassergewinnung und Kochen ohne Strom. Die Erstversorgung bei Notfällen darf dabei natürlich nicht fehlen.
Das Schulungs- und Übungsgelände in Eisenbartling bietet auf seinen elf Hektar ein ideales Areal für derartige Trainings. ws