Im Trauerfall Trost aus dem Koffer

von Redaktion

Stadtbücherei und Kolpingsfamilie Bad Aibling starten gemeinsames Projekt – Hilfe für Kinder und Jugendliche

Bad Aibling – Die Stadtbücherei Bad Aibling, deren Förderverein und die örtliche Kolpingsfamilie haben gemeinsam die „Aktion Trostkoffer“ ins Leben gerufen. Sie soll Kindern und Jugendlichen in der Kurstadt Unterstützung bieten, wenn sie unter einem Trauerfall in der Familie leiden.

Nahezu gleichzeitig hatten Gabriele Huber, die Leiterin der Stadtbücherei, und die Kolpingsfamilie Ende vergangenen Jahres die Idee, dieses Projekt umzusetzen. In einigen Orten im Bereich der Erzdiözese München und Freising wird das Angebot bereits seit längerer Zeit unter der Federführung von Kolping erfolgreich unterbreitet.

„Kurz nachdem wir mit den Vorbereitungen hierfür begonnen hatten, kam die Stadtbücherei deswegen auf uns zu. Sie war im Internet auf die Idee gestoßen. Wir waren uns sehr schnell einig, die Aktion gemeinsam auf die Beine zu stellen“, sagt Norbert Kotter, der stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Bad Aibling. Die Detailabstimmung nahm mehrere Monate in Anspruch. Nun erfolgte der offizielle Startschuss in der Stadtbücherei im Beisein von Bürgermeister Stephan Schlier. Dort werden die Trostkoffer künftig im Bedarfsfall an Interessenten ausgegeben. Jeder Koffer enthält altersgerechte Begleitliteratur, die Kindern und Jugendlichen über ihren Schmerz hinweghelfen soll. Außerdem gehören ein Trauertagebuch, in dem man sich Kummer förmlich von der Seele schreiben kann, Trostengel „Charlie“ und ein Flyer mit einem Begleittext zum Inhalt. „Wir beraten Trostsuchende gerne bei der Zusammenstellung von geeigneter Literatur“, weist Gabriele Huber auf einen kostenlosen Service hin, den die Stadtbücherei bietet.

Die Kolpingsfamilie bezahlt auf Dauer das Trauertagebuch und übernimmt auch die Material- und Nähkosten für „Charlie“. Beides dürfen deswegen diejenigen behalten, die den Trostkoffer ausleihen. Der Förderverein der Stadtbücherei trägt wiederum die Kosten für den Koffer und die Leihbücher, die nach einiger Zeit wieder zurückgegeben werden müssen. „Das ist ein sehr sinnvolles Angebot, das wir gerne unterstützen“, berichtet Heidi Benda, die Vorsitzende des Fördervereins. Als die Anfrage nach finanzieller Unterstützung eingegangen sei, habe der Vorstand des Vereins ohne Zögern zugestimmt. Rund 600 Euro habe er für das Projekt bereitgestellt.

Bei der Kolpingsfamilie sieht man in der Kooperation mit der Stadtbücherei nicht nur den Vorteil der Arbeits- und der Kostenteilung. „Ich denke, wir erreichen über die Bücherei leichter auch Betroffene, die Hilfe brauchen, der Kirche aber eher fernstehen und den Pfarrhof deswegen als Anlaufstelle meiden. Auch für diese Menschen wollen wir da sein“, betont Norbert Kotter. Wer ein Gespräch mit einem Seelsorger wünscht, findet auf dem Flyer entsprechende Kontaktnummern. Dass auch auf diese Möglichkeit in dem Begleittext hingewiesen wird, erachten alle Beteiligten als besonders wichtig. Zudem freuen sie sich, dass auch die evangelische Pfarrgemeinde das Projekt unterstützt. „Ich glaube, wir haben die wichtigsten Informationen in dem Flyer kompakt, verständlich und unaufdringlich zusammengefasst“, ist Gabriele Huber überzeugt. Bürgermeister Stephan Schlier sprach bei der offiziellen Vorstellung des Trostkoffers von „einem sehr wertvollen neuen Angebot in der Stadt“. „Ich danke allen Beteiligten, dass sie diese Aktion in guter Zusammenarbeit gemeinsam auf die Beine gestellt haben“, so Schlier. Als wichtigste Aufgabe sehen die Partner des Projekts jetzt, das Angebot rasch einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Aus diesem Grund sollen die Flyer ab sofort nicht nur im Rathaus und den Pfarrbüros der Stadt ausliegen. „Wir sind uns einig, dass wir beispielsweise auch bei Pflegediensten, in Altenheimen, Arztpraxen und über die Krankenhausseelsorge auf das Projekt aufmerksam machen wollen“, sagen Heidi Benda und Gabriele Huber übereinstimmend.

Wer Flyer benötigt oder Fragen zur „Aktion Trostkoffer“ hat, kann sich jederzeit an die Stadtbücherei unter Telefon 08061/4901140 wenden. Die Projektpartner wollen jetzt erst einmal abwarten, wie groß die Nachfrage nach einer Ausleihe des Trostkoffers in den nächsten Monaten ist. Ende des Jahres soll eine erste Zwischenbilanz gezogen werden. „Falls erforderlich, müssen wir vielleicht an der ein oder anderen Stellschraube drehen“, besteht Einigkeit zwischen Stadtbücherei und Kolpingsfamilie. tt

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