Bad Aibling – Es gibt nicht viele in ihrer Position, die auf eine ähnlich lange Dienstzeit zurückblicken können. 38 Jahre lang arbeitete Uschi Eder für die Stadt Bad Aibling, 28 davon im Vorzimmer des jeweiligen Bürgermeisters. Mit Brigitte Köhler-Blaha, die es sogar auf fast 50 Jahre als Bürgermeistersekretärin und sechs verschiedene Chefs brachte, zählt sie damit zu den Spitzenreitern im Landkreis Rosenheim, wie Stadtoberhaupt Stephan Schlier bei der Abschiedsfeier in der Stadtverwaltung anmerkte.
Amtszeit von drei
Bürgermeistern erlebt
Dazu waren auf Wunsch der frischgebackenen Ruheständlerin auch die Altbürgermeister Dr. Werner Keitz und Felix Schwaller gekommen, mit denen sie eine lange gemeinsame Wegstrecke verbindet. Dabei hatte ihr erster Berufswunsch noch gar nichts mit ihrer späteren Herzensarbeit zu tun: Nach ihrer Ausbildung zur Hotel- und Gaststättengehilfin ab 1975 im legendären Aiblinger Kur- und Parkhotel Ludwigsbad arbeitete sie dort zunächst als Empfangssekretärin und wurde im März 1983 zur ersten weiblichen Empfangschefin.
Von Kurverwaltung
ins Rathaus
Der Kontakt zur Kurverwaltung war dadurch schon immer freundschaftlich und gut – und im Jahr 1987 wechselte Uschi Eder dorthin. „Bis zur Gesundheitsreform hatten wir in Bad Aibling 600000 bis 700000 Übernachtungen pro Jahr und rund 3000 Betten. Es gab viele Veranstaltungen, täglich Kurkonzerte, eine eigene Kurkapelle, Tanzteeveranstaltungen und vieles, was hier weit und breit war. Es war eine absolute Glanzzeit“, erinnert sich Eder gerne zurück. Doch nach der Gesundheitsreform änderte sich in der Kurstadt vieles. Auch Uschi Eders Arbeitsplatz: Vom damaligen Kurdirektor Paul Modi „wärmstens empfohlen“, holte sie Altbürgermeister Dr. Werner Keitz als Sekretärin in sein Vorzimmer. „Sie war die Idealbesetzung für diese Funktion“, sind sich er und seine Nachfolger einig. Als Bindeglied zwischen Bürgermeister, Verwaltung, Bürgern und Organisationen habe sie ihre Arbeit stets mit großem Einfühlungsvermögen und Loyalität ausgeübt. „Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Angst, als ich ins Rathaus ,musste‘. Es war eine ganz andere Welt mit so vielen neuen Fachbegriffen, den ganzen Akten und Zuständigkeiten. Aber in Sabine Kohn, mit der mich heute eine tiefe Freundschaft verbindet, hatte ich eine Kollegin in der Verwaltung, die mich immer unterstützt hat, wenn ich Fragen hatte.“ Jeder Tag sei anders gewesen, spannend, intensiv. „Es war nichts dabei, was irgendwie langweilig war und ich bin jeden Tag gern in die Arbeit gegangen“, betont Uschi Eder. Viele Meilensteine und Höhepunkte hat sie miterlebt, darunter die Kurhauswiedereröffnung sowie 1997 den Spatenstich und 2000 die Einweihung der Umgehungsstraße, prominente Gäste wie den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog.
Unvergessliche
Erinnerungen
Unvergessen bleibt ihr die Begegnung mit dem weltberühmten Herzchirurgen Dr. Christiaan Barnard, dem sie während dessen Aufenthalt 1998 in Bad Aibling begegnete und den sie kurz entschlossen um ein Autogramm bat. „Das hat einen besonderen Platz in meiner Vitrine zu Hause.“ Auch das große Stadt-Jubiläum 2004 inklusive Festzug oder die Rathauseinweihung 2012, zu der man mit 1500 Gästen gerechnet hatte, aber rund 6000 kamen, zählen zu den herausragenden Ereignissen, an die sie sich gerne erinnert. Doch gab es auch weniger schöne Ereignisse wie den Kurhausstreit und viele andere Zwistigkeiten. „Bei den großen Themen war ich eigentlich immer auf der Linie der Stadt“, sagt Uschi Eder. Und wenn sie einmal anderer Meinung war, ließ sie sich das nie anmerken. Worüber sie sich in all den Jahren aber wirklich mal richtig geärgert hat, verriet sie im Gespräch bei ihrem Abschied: „Das Bürgerbegehren gegen das Lichtspielhaus. Und dass man in Berbling ein Dorfgemeinschaftshaus baut in einer Zeit, wo an allen Ecken und Enden gespart werden muss.“ Zusammen mit Sabine Kohn habe sie oft die Stadtratssitzungen besucht. „Wir wollten immer informiert sein.“
Als besonders schrecklich hat sich ihr das Jahr 2016 eingeprägt mit dem schweren Zugunglück im Februar und dem völlig überraschenden Tod des Zweiten Bürgermeisters Otto Steffl im Juli. Als umso wichtiger bezeichnet sie den Teamgeist, den sie im beruflichen Umfeld erfahren hat und der auch durch diese Zeiten trug.
Alles andere als leicht gefallen sei ihr 2020 nach 18 Jahren der Abschied von Altbürgermeister Felix Schwaller: „Da bin ich in den letzten Monaten schon schweren Herzens zur Arbeit gegangen.“ Vom ehemaligen Chef gibt es ebenfalls lobende Worte: „Sie waren immer professionell, loyal und verfügen über ein umfangreiches Wissen und Netzwerk. Sie waren bekannt und geschätzt im ganzen Landkreis. Immer, wenn ich dienstlich unterwegs war, wurde mir ein schöner Gruß an Frau Eder aufgetragen.“
Für reibungslosen
Ablauf gesorgt
Beeindruckend sei es gewesen, wie sie alle Termine managte und immer für einen reibungslosen Ablauf sorgte. „An ihr im Vorzimmer kam niemand vorbei“, konstatiert Schwaller. Und wenn es um die Stadt gegangen sei, habe sie schon auch mal „die Krallen ausgefahren“, wissen die ehemaligen Chefs zu berichten. Schwaller, Keitz und Schlier verabschiedeten mit Uschi Eder eine Institution in der Stadtverwaltung, die sich überdies 20 Jahre im Personalrat engagiert hat.
Mehr Zeit für
geliebten Garten
Statt Wein gab es einen Korb voller Geschenke, die das Herz der leidenschaftlichen Gartlerin höherschlagen ließen. Denn für ihren großen Garten hat sie jetzt endlich Zeit, ebenso wie für die Familie, Ausflüge und alles andere, das in den vergangenen Jahrzehnten oft zu kurz gekommen sei. „Es war ein sehr erfülltes berufliches Leben bei der Stadt. Und eine wunderbare Zusammenarbeit. Jetzt ist das vorbei und es beginnt ein neuer Abschnitt“, freut sich die jung gebliebene Ruheständlerin.