Tourismus ist ein echter „Jobmotor“

von Redaktion

Branche erzielt in Bad Aibling Umsatz von 74 Millionen Euro – Gastgewerbe profitiert

Bad Aibling – Tourismus bringt mehr, als man sieht, und er wirkt, wo man es nicht erwartet. Diese interessante Aussage bildete die Quintessenz einer neuen Studie über Bad Aibling, zu deren Vorstellung sich das „Who is Who“ des Tourismus im Aiblinger Kurhaus versammelte. Dr. Thomas Geppert, Tourismus- und Wirtschaftsreferent der Stadt Bad Aibling, hatte hierzu, wie er sagte, die Crème de la Crème des Tourismus ins Kurhaus eingeladen. „Heute geht es nicht nur um Bad Aibling, sondern auch um die Wirkung des Tourismus ganz generell“, betonte Geppert. Tourismus sei für eine Stadt mehr eine Chance als ein Problem.

Schafft Arbeitsplätze
und bringt Einnahmen

Denn Tourismus schafft Arbeitsplätze, bringt Steuereinnahmen, sichert Angebote und verbindet Menschen. „Tourismus ist einfach Teil einer lokalen DNA“, so der Referent. Dann kam Geppert auf die Probleme der Kommunen zu sprechen und kritisierte, dass immer mehr Lasten auf die Kommunen verlagert würden und es so zu gravierenden Finanzierungsschwierigkeiten komme. „Vielerorts schießen die Kosten durch die Decke“, mahnte er und sparen lasse sich leider nur an den freiwilligen Aufgaben einer Kommune – wozu eben auch der Tourismus zählt.

Sommer stärker
als der Winter

Erster Impulsgeber war dann Professor Dr. Harald Pechlaner, Inhaber des Lehrstuhls für Tourismus an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, den Geppert als „Vordenker im deutschsprachigen Raum“ bezeichnete. Für ihn ist Tourismus ein Lebensgefühl – er bringt Lebensqualität in einen Ort, in eine Stadt. Qualität im Tourismus bedeutet für ihn aber, eine Verbindung zu schaffen, zwischen der gewünschten Erlebnisqualität der Gäste und der Lebensqualität der Menschen vor Ort. Frank Oette, Geschäftsführer des Bayerischen Heilbäder-Verbandes, ging verstärkt auf den Gesundheits-Tourismus ein. Nach seinen Worten ist die Gesundheit ein Ganzjahres-Reisemotiv.

So wurden 62 Prozent der Übernachtungen im Jahr 2024 im Sommer getätigt, 38 Prozent im Winter. Oette zeigte die Herausforderungen auf: Prävention müsse vor der Reha kommen, vor der Rente und vor der Pflege. „Deutschland braucht einen Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik“, forderte er. Dazu gehören aber auch ein notwendiger Bürokratieabbau und eine Vertrauensoffensive bei der Dokumentation und bei Förderanträgen. Professor Dr. Alfred Bauer, Vorsitzender des Bayerischen Zentrums für Tourismus, sprach zum Gesundheits-Tourismus und durchleuchtete dabei die Struktur des Marktes für gesundheitstouristische Leistungen. Er stellte dabei eine starke Verlagerung des Gesundheitstourismus in den Freizeit- und Tourismusbereich fest.

Interessant wurde es dann, als Heiko Rainer, Geschäftsführer der „dwif-Consulting“, die neueste Studie über den Tourismus in Bad Aibling vorstellte. Diese beinhaltete bemerkenswerte Zahlen. Bei 1,115 Millionen Aufenthaltstagen in der Kurstadt Bad Aibling erzielte der Tourismus einen Umsatz von 74,3 Millionen Euro. Das Gastgewerbe hat dabei als direkter Profiteur mit 39,7 Millionen Euro den Löwenanteil, gefolgt vom Einzelhandel (12,5 Millionen Euro) und den Dienstleistungen (22,1 Millionen Euro). „Das ist schon eine Hausnummer“, lobte Rainer diese Zahl.

Die Wichtigkeit des Tourismus für Bad Aibling dokumentierte eine weitere Zahl aus der Studie: 1050 Personen können so durch den Tourismus ein Primäreinkommen erzielen (37213 Euro pro Kopf und Jahr). Eine gewichtige Rolle spielen in Bad Aibling aber auch die Tagesreisenden, wie etwa die Besucher der Therme oder Kletterhalle.

Doch wie viel Geld wird tatsächlich in der Stadt ausgegeben? Auch diese Frage wurde in der Studie beantwortet: Im Durchschnitt liegen die Ausgaben in den gewerblichen Betrieben, darunter fallen auch die Kliniken, bei 174,60 Euro, für Privatvermietungen 90,40 Euro und für Camping 59,90 Euro. Die Tagesgäste geben im Schnitt 29 Euro aus.

Ein weiterer interessanter Aspekt, den Rainer feststellte, war die Tatsache, sofern das Angebot zurückgeht, entwickelt sich auch die Nachfrage zurück. Nicht vergessen dürfe man bei der Betrachtung auch die Wertschöpfung der sogenannten „2. Umsatzstufe“ wie Bäckereien, Gärtnereien, Brauereien oder Banken. Auf alle Fälle bringe der Tourismus zweifelsfrei ein hohes Steueraufkommen und helfe somit bei der Finanzierung der öffentlichen Haushalte mit. „Tourismus ist ein Jobmotor und sichert Arbeitsplätze“, betonte Rainer.

Diskussion offenbart zentrale Bedeutung

Eine gemeinsame Gesprächsrunde mit allen Referenten sowie Bürgermeister Stephan Schlier, dem Vorsitzenden der Dehoga, Kai Tiemer, und Kurdirektor Thomas Jahn bildete den Abschluss der Veranstaltung. Dabei wurde erneut die zentrale Bedeutung des Tourismus hervorgehoben.

Klaus Stöttner, Präsident des Tourismusverbandes Oberbayern, kritisierte deutlich, dass den Kommunen zu viele Aufgaben aufgebürdet würden: „Die staatlichen Vorgaben müssen echt überdacht werden“, forderte er. Als Beispiel nannte er, dass kommunale Bauprojekte oft doppelt so teuer kämen wie private. Pauschale Kostensenkungen mit dem „Rasenmäher“ seien daher keine Lösung.

Sparen kann
Folgen haben

Dr. Harald Pechlaner mahnte, bei Sparmaßnahmen stets mitzudenken, welche Folgen diese nach sich ziehen könnten. „Wir dürfen den Bogen nicht überspannen“, ergänzte Kurdirektor Thomas Jahn.

Auch Bürgermeister Stephan Schlier sprach sich dafür aus, gerade in schwierigen Zeiten zum Tourismus zu stehen. „Tourismus lohnt sich auf alle Fälle“, betonte Heiko Rainer. Den wohl eindrucksvollsten Satz des Abends lieferte schließlich ein Referent zum Abschluss: „Tourismus transportiert das bayerische Lebensgefühl zu den Gästen.“

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