Bad Aibling – Eines der ortsbildprägenden Gebäude der Kurstadt wird 125 Jahre alt: Die 1900 erbaute Luitpoldschule an der Harthauser Straße feiert am kommenden Freitag, 30. Mai, von 15 bis 18 Uhr mit einem großen Schulfest das Jubiläum. Das Motto der Feier lautet: „Leben in Bad Aibling um 1900“.
Zeitreise mit
Mitmachaktionen
Rektorin Hiltrud Volpert erklärte hierzu: „Die Kinder sollen selber einen Einblick in verschiedene Lebensbereiche der Zeit bekommen, in der die Schule erbaut wurde.“ Die Klassen haben sich mit verschiedenen Themenbereichen aus der Zeit beschäftigt und präsentieren ihre Ergebnisse auch zum Mitmachen auf dem Schulfest. Dazu zählen unter anderem Handwerksberufe (Weberei, Blaudruck, Imkerei, Schmiede), Landwirtschaft, Schule (unter anderem mit interaktivem Theater), Moorbad Bad Aibling, Feuerwehr und gemeinsames Singen und Musizieren alter Lieder. Der Elternbeirat sorgt für die Bewirtung und die einzelnen Klassen bereiten typische Mahlzeiten der Zeit zu. Bürgermeister Stephan Schlier wird ein Grußwort sprechen.
Zur Geschichte des Schulhauses blickte Manfred Schaulies, Leiter des Archivs des Historischen Vereins Bad Aibling und Umgebung, für den Mangfall-Boten in die Annalen: Die Vorbereitungen für den Bau des Schulhauses reichen bis in das Jahr 1882 zurück, als der Aiblinger Magistrat (heute Stadtrat) im Hinblick auf die schon damals herrschende Raumnot von der Pfarrpfründe mit Genehmigung der Oberbehörde zuerst 68 Dezimalen und dann nochmals 32 Dezimalen, also im Ganzen ein Tagwerk, zum Preis von 50 Mark pro Dezimal (5000 Mark) erwarb.
1896 berichtete der Lokalschulinspektor Monsignore C. W. Kaiser an das Königliche Bezirksamt Rosenheim: „Die baulichen Verhältnisse des bisherigen Knabenschulhauses sind geradezu unwürdig und unerträglich, mit den bestehenden Vorschriften keineswegs übereinstimmend. Die beiden Schulsäle sind räumlich arg beschränkt und unzulänglich, mit Kindern überfüllt.“ Weiter heißt es, es fehle an der vorgeschriebenen Höhe der Schulräume und der erforderlichen Quadratfläche, dem nötigen Luftraum, der richtigen Konstruktion der Schultische und Bänke, „die Lokale sind in keiner Weise passend und entsprechend. Es ist die Behauptung nicht übertrieben, dass genannte Schullokale die schlechtesten im ganzen Schulbezirk Aibling sind“, so der Lokalschulinspektor.
Dazu kam noch, dass man bereits die unteren Knabenabteilungen (erster bis dritter Jahrgang) im Nebengebäude des Klosters Prantseck unterbringen musste. 1899 erfolgte die Grundsteinlegung. Mit dem Bau wurde der renommierte Baumeister Johann Baptist Meishammer betraut. Dieser war – einem Beitrag von Max. J. Regensburger im „Mangfallgau“ Band 22 zufolge – 1897 von Schloßberg nach Bad Aibling gezogen, um das Baugeschäft seines verstorbenen Schwiegervaters zu übernehmen.
Der Bau des Knabenschulhauses wurde 1900 fertiggestellt, wie auch die Inschrift oberhalb des Eingangsportals zeigt. Die Baukosten betrugen insgesamt 125000 Mark, der Kostenvoranschlag 80000 Mark. Daraus kann man schließen, dass es schon vor 125 Jahren bei derartigen Bauvorhaben zu nicht unerheblichen Kostensteigerungen kommen konnte.
Erlaubnis
eingeholt
Als Namensgeber für das Schulhaus wurde der damalige bayerische Prinzregent Luitpold auserkoren, der im Vorfeld vom Magistrat um seine Einwilligung gebeten wurde. Der Aiblinger Historiker Dr. Gottfried Mayr hat in seiner Chronik „Geschichte einer Stadt“ den Text des Bittbriefes an den „Allerdurchlauchtigsten Prinz und Regent“ wiedergegeben. Darin heißt es unter anderem: „Eure königliche Hoheit wollen allergnädigst zu genehmigen geruhen, dass dem neu erbauten Knabenschulhause dahier der Name Luitpold-Schule gegeben werden dürfe.“
Der König-Vertreter stimmte gnädigst zu und so wurde das Gebäude am 12. März 1901 anlässlich des 80. Geburtstages des Prinzregenten mit zahlreichen Honoratioren feierlich-würdig eingeweiht.