Von Schiefertafel bis Griffel

von Redaktion

Vorschulkinder aus Ostermünchen lauschen Werner Weiderers Schulerlebnissen

Ostermünchen Vieles, was an Schulen einst Alltag war, gibt es heute nicht mehr: Samstagsunterricht, Schönschreiben, Scheitelknien oder einen Griffel. Damit dieses Wissen aus längst vergangenen Zeiten nicht verloren geht, dafür sorgt der katholische Kindergarten Ostermünchen.

Alljährlich lädt Leiterin Martina Brumbauer dafür das Ostermünchner Urgestein Werner Weiderer ein. Dieser kommt bepackt mit zwei Kisten voller interessanter Sachen zu den Kindern und erzählt ihnen, wie es früher war, in die Schule zu gehen.

Beim Zuhören wurden die Augen der Kleinen schnell immer größer. Sie hörten Dinge, die sie oftmals nur von Opa und Oma kannten. Das begann schon mit dem Schulweg. „Einen Schulbus gab es damals noch nicht und meist auch keine Privatautos“, erzählte Weiderer. So blieb nur der Fußmarsch. Manche hatten einen Roller. Wer im Ort wohnte, war gut dran. Schwerer hatten es die, die in den Weilern außerhalb wohnten wie in Unterrain, Oberrain oder Haus. Ob bei 30 Grad Hitze oder Minus zehn Grad und Schnee: „Da gab es keine Ausreden“, merkte Weiderer an. Und zu spät kommen durfte man damals auch nicht.

Weiderer zeigte Fotos von der alten Schule, die damals nur ein kleiner Teil der heutigen Grundschule war. Vier Generationen der Weiderers gingen dort schon über die Pforte zur Schulbank: die Oma, die Mama, er selbst und seine Tochter Andrea. Die damaligen Schulräume hatten allerdings noch keine Heizung. War es kalt, musste eingeheizt werden. Mit Tannenzapfen, Holz und Torf. Geschrieben wurde anfangs nur auf einer kleinen Schiefertafel und mit einem Griffel. Die Augen der 18 Vorschulkinder wurden immer größer und sie lauschten gebannt den Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten. Wo einem heute als Strafe das Smartphone abgenommen wird, wurde man damals noch mit Scheitelknien oder Tatzenhieben bestraft. Gutes wurde dafür mit Gutzetteln oder Fleißbildchen belohnt.

Zum Schluss zeigte Weiderer ein Lesebuch aus 1952 herum. Anschließend durften die Kinder noch Fragen stellen wie: Gab es damals schon Radio? Habt ihr eine Turnhalle gehabt? Welche Farben hatten die Schuhe? Gab es in den Pausen einen Aufseher? Werner Weiderer hatte gar nicht so viel Zeit, alles zu beantworten. „Fragt zu Hause einfach einmal eure Eltern oder noch besser Oma und Opa, die können euch auch vieles erzählen“, meinte er, bevor ihn Martina Brumbauer mit einem kleinen Geschenk verabschiedete. Bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt, wie war es damals in dieser anderen Zeit. ws

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