Feldkirchen-Westerham – Kommt sie oder kommt sie nicht? In der jüngsten Gemeinderatssitzung von Feldkirchen-Westerham ließ Bürgermeister Johannes Zistl (OLV) anklingen, dass ein nächtliches Tempolimit von 30 Stundenkilometern für alle Verkehrsteilnehmer auf der Staatsstraße 2078 durch Feldkirchen demnächst kommen könnte. Allerdings sei die Entscheidung noch nicht endgültig besiegelt. „Die Zusage des Landratsamtes liegt zwar noch nicht schriftlich vor, soll aber bald nachkommen“, so der Rathauschef.
Schon seit Langem ist die Verkehrsberuhigung auf der Staatsstraße 2078 Thema in der Gemeinde. So sei es nicht nur für die Bürger ein wichtiges Anliegen, sondern die Dringlichkeit werde auch durch gemeindliche Verkehrsanalysen immer wieder deutlich, betonte Zistl. „Ein Tempolimit wäre für die Lebens- und Aufenthaltsqualität nicht nur der Anwohner, sondern aller Bürgerinnen und Bürger, die sich in diesem Bereich bewegen, wichtig“, erklärte Karolin Lohwasser, Sprecherin der Gemeinde. Es würde unter anderem den nächtlichen Lärmpegel „erheblich“ senken.
Genauer Zeitpunkt
steht noch nicht fest
Ob die Geschwindigkeitsbegrenzung für die Zeit von 22 bis 6 Uhr kommen wird, war noch vor wenigen Tagen von einer Behörde abhängig. Diese hatte sich noch nicht dazu geäußert. Anschließend, so hatte es eine Sprecherin des Landratsamts Rosenheim dem OVB mitgeteilt, komme es dann noch zu einer abschließenden Prüfung, die mit einer Anordnung der Verkehrsschilder ende. Auf erneute Anfrage teilte Pressesprecherin Sibylle Gaßner-Nickl nun mit, dass die Entscheidung jetzt gefallen ist. „Die nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung wird umgesetzt“, sagt sie.
Bei solch einem Antrag sind einige Behörden involviert. Stellt eine Kommune zum Beispiel einen Antrag auf Überprüfung der Reduzierung der Geschwindigkeit aus Gründen des Lärmschutzes, werde dies von gleich mehreren Leuten überprüft. „Das Anliegen wird unter Beteiligung der Fachbehörden bei Polizei und bei Straßenbaulastträgern auf die straßenverkehrsrechtliche Situation und die Möglichkeiten innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen überprüft und bewertet“, erklärt Gaßner-Nickl. Auch die Argumente der betroffenen Kommune werden dann in die Entscheidung miteinbezogen.
In diesem Fall wurde nun den Argumenten der Gemeinde Feldkirchen-Westerham zugestimmt. Wann genau die neue Verkehrsregelung auf der Staatsstraße 2078 durch Feldkirchen kommen wird, ist allerdings noch nicht klar. Nur so viel kann Gaßner-Nickl noch sagen: „Nach Erlass der verkehrsrechtlichen Anordnung werden die Verkehrszeichen vom Straßenbaulastträger bestellt und aufgestellt.“
Gemeinde Aying
ist zufrieden
Die Freude bei der Gemeinde Feldkirchen-Westerham dürfte damit groß sein. Man gehe davon aus, dass das Tempolimit gut angenommen und von den Anwohnern besonders begrüßt werde, heißt es. Sowie zum Beispiel in der Nachbargemeinde Aying.
Diese ist mehr als zufrieden mit der nächtlichen Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Staatsstraße. Seit Mai 2022 gilt sie in den Ortsteilen Großhelfendorf und Peiß von 22 bis 6 Uhr. Der Grund dafür ist nicht anders als in Feldkirchen-Westerham: Auch hier haben das hohe Verkehrsaufkommen auf der Staatsstraße 2078 und die damit verbundene Lärmbelastung den Anwohnern zugesetzt. „Gerade in Peiß und Großhelfendorf ist die Wohnbebauung nah an der Staatsstraße 2078 gelegen und damit ist die Betroffenheit stark“, erklärt Franziska Ahlborn, Leiterin vom Amt für Kultur und Heimatpflege in Aying.
Demnach wurde der Antrag auf Tempo 30 im Mai 2021 vom Landratsamt München genehmigt. Auch die Regierung von Oberbayern hatte die Situation damals überprüft. Es wurde ein Gutachten erstellt, wie stark die Anwohner tatsächlich von dem Lärm betroffen sind. „Dieses ergab für die Anwohner von Großhelfendorf und Peiß eine schwere Belastung. Somit konnte eine Geschwindigkeitsbegrenzung in der Nacht von 22 bis 6 Uhr eingeführt werden“, sagt Ahlborn. Im Gegensatz dazu habe das Gutachten gezeigt, dass in den Ortsteilen Dürrnhaar und Göggenhofen die Belastung nicht so schwerwiegend ist. Deshalb gelte die Geschwindigkeitsbegrenzung für den dortigen Teil der Staatsstraße nicht.
„Bringt eine deutliche
Verbesserung“
Immerhin freuen sich die Anwohner von Großhelfendorf und Peiß über das Tempolimit bei Nacht. „Die Geschwindigkeitsbegrenzung bringt tatsächlich eine deutliche Verbesserung in den Nachtstunden mit sich“, bilanziert Ahlborn. Von den Verkehrsteilnehmern wird sie „im Großen und Ganzen“ gut angenommen. „Es gibt natürlich auch einige, die sich nicht daran halten. Die fahren dann mit unveränderter Geschwindigkeit durch den Ort“, sagt sie.
Deshalb hat sich die Gemeinde zusätzlich Folgendes überlegt: Es soll nun stichprobenartig das Einhalten des Tempolimits überprüft werden. Zudem soll ein aufleuchtender Geschwindigkeitsmesser installiert werden.
Trotz einiger Verkehrssünder ist die Kommune rundum zufrieden. „Für die Gemeinde ist es insgesamt ein gutes Signal“, sagt Franziska Ahlborn. „Gerade seit Einführung der Lkw-Maut hat der Verkehr auf der Staatsstraße 2078 deutlich zugenommen.“ Nun könne man endlich dagegenwirken und auch den Bürgern das Gefühl geben, dass ihre Belange gehört und umgesetzt werden. Ein Anliegen, das auch der Gemeinde Feldkirchen-Westerham wichtig ist.