Tuntenhausen – An einem warmen Samstag im April herrscht bereits um 7 Uhr morgens rege Betriebsamkeit in einer alten Hobby-Brauerei in Biberg. Hier brauen die Mitglieder des Burschenvereins Schönau zusammen mit Braumeister Florian Huber ihr eigenes Bier – ganz traditionell wie vor gut 100 Jahren, ohne moderne Technik.
Die ehemalige Brauerei, die nach Angaben des heutigen Besitzers Franz Kainz seit 1930 nachweislich existiert, wird einmal im Jahr für das Söhler Starkbierfest reaktiviert. Für Franz ist es selbstverständlich, dem Burschenverein das Gebäude zur Verfügung zu stellen – schließlich war schon sein Vater Braumeister.
Mit voller Leidenschaft dabei
„In etwa werden wir circa je 480 bis 500 Liter Dunkles und Starkbier brauen können“, erklärt Braumeister Florian Huber, der hauptberuflich für ein Institut in München arbeitet und dort Brauereien berät. Seit 1995 unterstützt er den Burschenverein beim Brauen – eine Tradition, die bereits sein Vater pflegte. Natürlich sei die Art zu arbeiten schon aufwendiger als bei den modernen Anlagen professioneller Brauereien, meint er. Aber auch ihm merkt man die Leidenschaft an, das Bier „auf die alte Art“ herzustellen.
Die benötigten Zutaten Hopfen und Malz bezieht der Verein von der nahegelegenen Schlossbrauerei Maxlrain, die das traditionelle Vorhaben unterstützt. Josef Kronast, Braumeister der traditionsreichen Brauerei, ist voll des Lobes über das Engagement der Burschen. „Das ist eine tolle Tradition. Dass es das seit 50 Jahren gibt, finde ich super.“
Für den Braumeister ist es wichtig zu erwähnen, dass durch solche Aktionen auch die Wertschätzung für das Produkt Bier gesteigert wird. „Da bekommt man ein Gefühl, was da eigentlich dahintersteckt.“ Solche Aktionen wie die der Schönauer Burschen unterstütze man gerne. Auch die Fässer, die später zum Abfüllen benutzt werden, stellt Maxlrainer bereit.
Doch zurück nach Biberg: Bevor es ans eigentliche Brauen geht, steht erstmal die wichtigste Aufgabe an: „Putzen, putzen, putzen“, wie Hans Voglsinger treffend zusammenfasst. Zusammen mit Marian Gambos und Seppi Eder, die seit elf Jahren dabei sind und sich um die Organisation kümmern, sowie Hannes Seidl, der seit acht Jahren zum „Brauerei-Team“ gehört, wird auf penible Hygiene geachtet.
Seidls Weg zum Team war dabei eher zufällig: „Einmal bin ich mit dem Auto an dem Hof vom Franz vorbeigefahren und hab gesehen, dass da was los ist. Als ich reingekommen bin, hat man mich gleich zum Arbeiten einkassiert. Seitdem bin ich dabei.“ Wie halt manchmal das Leben spielt.
Am Nachmittag schauen auch die alten Braumeister und Alt-Burschen vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. „Wir alle haben zusammen geholfen, jeder hilft jedem, dann kann so etwas funktionieren“, sagt einer von ihnen nicht ohne Stolz. Diese besondere Tradition ist in der Region mittlerweile eine Seltenheit geworden, wie Besitzer Franz Kainz anmerkt: „So etwas ist bei uns hier fast einzigartig, das gibt es so praktisch in unserer Umgebung fast gar nicht mehr.“
In diesem Jubiläumsjahr wurde wegen des 50-jährigen Bestehens sogar zweimal gebraut. Während im einzigen vorhandenen Tank noch das zur Faschingszeit gebraute Starkbier lagert, das nun in Fässer abgefüllt werden muss, wartet das frisch gebraute dunkle Jubiläumsbier bereits auf seinen Platz. Für die Schönauer Burschen bedeutet das einen langen Arbeitstag bis in die späten Abendstunden. Danach wird das Bier noch gelagert, bis es am 21. Juni dann den Besuchern des Söhler Starkbierfests kredenzt werden kann.
Wie jedes Jahr wird die Willinger Musi für die musikalische Unterhaltung sorgen und auch kulinarisch wird den Besuchern einiges geboten – unter anderem ein traditionelles Kesselfleischessen am 23. Juni. Wenn das Fest beginnt, und das Bier in die durstigen Kehlen der Besucher fließt, wird auch die Arbeit der Schönauer Burschen gewürdigt. Das selbst gebraute Bier ist dabei mehr als nur ein Getränk – es ist das Ergebnis gemeinschaftlicher Arbeit und Symbol für die Bewahrung alter Handwerkskunst in modernen Zeiten.