Gedenkstätte statt Urwald auf dem Friedhof

von Redaktion

Nach jahrelanger Kritik am ungepflegten Zustand des Bad Aiblinger Friedhofs hat die Stadt eine neue Lösung gefunden. Eine Fremdfirma bekämpft den Wildwuchs nun mit maschinellen Handfräsen – kostengünstiger und effektiver als bisherige Methoden.

Bad Aibling – Seit Jahren gleicht der Bad Aiblinger Friedhof in einigen Bereichen eher einem Krautacker denn einer würdigen Gedenkstätte für Verstorbene. Jetzt geht die Stadt Bad Aibling neue Wege bei der Unkrautbekämpfung und erhofft sich davon den durchschlagenden Erfolg, der bisher ausblieb.

„Wir haben viel einstecken müssen. Die Kritik war allerdings großteils berechtigt“ , räumt Bauhofleiter Sepp Feuersinger ein. Seit der Stadtrat den Einsatz von Glyphosat zur Bekämpfung des Wildwuchses ausgeschlossen hat, wurde er immer wieder mit Klagen von Grabbesitzern über das verheerende Bild konfrontiert, das der Gottesacker abgibt.

Lösungen aus den
Nachbargemeinden

Zuletzt hatten die Friedhofmitarbeiter mit dem Abflammen und der Behandlung des Unkrauts mit Heißwasser versucht, eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Ohne Erfolg. „Sobald das Unkraut braun geworden ist, musste es ausgestochen werden. Da hat es dann gehapert“, räumt der Bauhofleiter ein. Keine signifikante Besserung brachte auch der Einsatz von Essigessenz.

Die anhaltende Kritik am Ist-Zustand hat ihn jedoch nicht kaltgelassen. Er hat sich unter anderem in Nachbargemeinden umgehört, wie sie mit dem Unkrautwuchs am Friedhof umgehen. Der entscheidende Tipp, auf dem jetzt alle Hoffnungen ruhen, kam aus Kolbermoor. Dort hat man mit einer Fremdfirma gute Erfahrungen gemacht.

„Die haben wir jetzt auch engagiert“, sagt der Bauhofleiter. Auf großen Flächen – insbesondere im Bereich aufgelassener Grabstätten – wird dem Wildwuchs jetzt mit einer maschinell betriebenen Handfräse zu Leibe gerückt. Ein ähnlich funktionierendes Kleingerät kommt im Bereich der Zwischenräume zwischen den einzelnen Gräbern zum Einsatz.

Neue Methode
ist viel billiger

„Besonders üppig sprießende Unkrautwucherungen werden vor der Behandlung mit der Fräse mit der Hand ausgestochen“, weiß Feuersinger. Das Grüngut werde schließlich an Sammelstellen im Friedhofsbereich gebracht und zeitnah abtransportiert, erläutert der Bauhofleiter die Vorgehensweise.

Nach derzeitiger Planung ist die Fremdfirma heuer noch bis einschließlich Oktober viermal pro Monat im Friedhof tätig. Im kommenden Jahr wird sie zwischen April und Oktober im gleichen zeitlichen Rhythmus dort arbeiten. Was Sepp Feuersinger besonders freut: Ihr Einsatz ist günstiger als die Bekämpfung des Unkrauts mit Heißwasser. „Das hat uns pro Jahr etwa 45000 bis 50000 Euro gekostet. Jetzt sind die Ausgaben rund 10000 Euro niedriger als bei der bisherigen Methode“, gibt er Einblick in seine Kalkulation.

Seine Zuversicht hinsichtlich des Erfolges der Maßnahme entstammt übrigens einem Selbstversuch. „Wir haben diese Methode im Umfeld unseres Familiengrabes vorab ausprobiert. Da ist die Situation schon deutlich besser geworden“, berichtet Feuersinger. Dass er dieses Fazit bereits heuer für den gesamten Friedhof ziehen kann, daran glaubt der Bauhofleiter allerdings nicht. „Ich rechne in der Kürze der Zeit nur mit punktuellen Verbesserungen. Dafür ist der Umfang der notwendigen Arbeiten einfach zu groß.“

Aufgrund des Maschineneinsatzes sei er allerdings zuversichtlich, „dass das Unkraut im nächsten Jahr fast weg ist“. Feuersinger glaubt fest daran, dass der Bauhof das Problem endgültig in den Griff bekommt. „Und das auch noch kostengünstiger als mit der bisherigen Methode, die kaum Abhilfe geschaffen hat. Jetzt passt das Preis-Leistungs-Verhältnis“, ist er überzeugt.

Eine Überzeugung, die auch Hans Vogl teilt, der seit mehr als 20 Jahren zum Team der städtischen Mitarbeiter zählt, die sich um den Friedhof kümmern. „Das Konzept klingt überzeugend. Ich glaube auch, dass wir jetzt Erfolge sehen werden.“

Bürgermeister Stephan Schlier schließt sich dieser optimistischen Einschätzung an und attestiert dem Einsatz der Handfräse „bereits jetzt eine deutlich bessere Wirkung“ als der Heißwasser-Methode. Dass dieser auch noch günstiger ist als die bisherige Herangehensweise, freut ihn angesichts der angespannten finanziellen Lage der Stadt zusätzlich. „Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden neben unseren Bürgern auch der Bauhof und der Haushalt profitieren. Klar ist aber auch, dass wir noch nicht am Ziel sind. Wir werden so lange weitermachen, bis wir die beste Lösung für alle gefunden haben“, verspricht das Stadtoberhaupt.

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