Bruckmühl – „Am Boden sind wir unserer Erde am nächsten. Alles klar.“ So lautet der Titel der neuen Ausstellung in der Galerie Markt Bruckmühl mit Malerei von Angela Stauber und Skulpturen von Guido Weggenmann.
Kulturreferent Stefan Mager eröffnete „die ganz besondere Vernissage, die ganz im Zeichen der Kunst und der Begegnung steht. Beide Künstler zeigen uns, wie vielfältig und inspirierend Kunst sein kann – wie sie uns berührt, irritiert und zum Nachdenken anregt“, stellte er fest und wünschte den Besuchern, darunter Marktgemeinderätin Dr. Monika Mager und Künstler aus der Region, „anregende Gespräche und viele neue Entdeckungen.“
Dialog auf
mehreren Ebenen
Tabea-Isabell Flamm wies auf die Geschichte des „Dorrer-Hauses“ hin, der Heimat der Galerie. „Was früher privater Rückzugsraum war, ist heute ein öffentlicher Denkraum – ein Ort, an dem Kunst nicht nur gezeigt, sondern zum Dialog einlädt“, konstatierte die Kunstexpertin, die in der Münchener Filiale des Kunstauktionshauses „Sotheby’s“ tätig ist. Weiter führte sie aus: „Die Arbeiten von Angela Stauber und Guido Weggenmann treten hier nicht nur in Dialog miteinander, sondern auch mit dem Haus selbst – mit seinen Wänden, seinem Licht, seiner Geschichte. Der Titel der Ausstellung ‚Am Boden sind wir unserer Erde am nächsten. Alles klar.‘ ist das Ergebnis eines gemeinsamen Brainstormings. Der erste Teil stammt von Guido, der zweite von Angela. Poetische Schwere trifft auf lakonische Leichtigkeit. Zwei Hälften, die sich nicht erklären, sondern zusammen etwas Drittes eröffnen: einen Denkraum.“
Die beiden Künstler würden aus entgegengesetzten Richtungen arbeiten: „Angela kommt von der Farbe, vom Licht, vom Atmosphärischen. Guido vom Material, vom Gewicht, von der Konstruktion. Aber – und das ist das Spannende – Gegensätze schließen keinen Dialog aus. Im Gegenteil: Gerade durch ihre Unterschiede treten beide in eine Resonanz, die dieses Projekt so lebendig macht. Angela Stauber entwickelt eine Malerei, die nicht bloß zeigt, was ist – sondern was war, was gleichzeitig sein könnte. Sie überführt Räume – digital, physisch, flüchtig – in malerische Stimmungen, die sich unseren Wahrnehmungen annähern, aber nie erklären wollen. Guido Weggenmann arbeitet mit Masse. Seine Skulpturen, Wandarbeiten und Raumobjekte tragen Materialität mit Überzeugung – schwer, unmittelbar, körperlich präsent. Doch bei aller Schwere wohnt ihnen auch etwas Skurriles inne: ein leiser Widerspruch, ein Widerstand gegen die reine Funktion.“
Anschließend unternahm sie einen Streifzug durch die verschiedenen Stockwerke der Galerie und die dort jeweils gezeigten Werke. „Am Ende bleibt kein Fazit, sondern eine Haltung: Dass Kunst beides kann – denken und fühlen. Irritieren und erinnern. Und dass Klarheit nicht im Eindeutigen liegt, sondern im Aushalten von Mehrdeutigkeit“ hob sie hervor.
Widersprüche
sind eine Einladung
Abschließend fügte sie hinzu: „Man spürt hier zwei Handschriften, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die eine fließend, lichtempfindlich, fast meditativ, die andere kantig, körperlich, direkt. Und doch sprechen sie miteinander. Nicht über Stil oder Medium – sondern über das, was Kunst auslöst: Fragen. Gefühle. Widerspruch. Resonanz. Und dass Dialog mehr meint als Übereinstimmung. Er meint eine Einladung.“
Die Ausstellung mit ihren 53 Exponaten ist in der „Galerie Markt Bruckmühl“ (Telefon 08062/5307) noch bis zum 27. Juli zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch 14 bis 18 Uhr und Samstag/Sonntag von 11 bis 18 Uhr.