Gelebte Integration auf großer Bühne

von Redaktion

Die Vorfreude bei Allison (8) steigt: Ab 10. Juli wird die Schülerin, die erst vor gut einem Jahr aus Mexiko nach Bad Aibling gezogen war, die Hauptrolle im Schultheaterstück „Der Zauberer von Oz“ übernehmen.

Bad Aibling – Es ist ein Musterbeispiel gelungener Integration: Seit gut einem Jahr wohnt die achtjährige Allison Vazquez-Salas mit ihren Eltern in Bad Aibling. Mittlerweile spricht das aus Mexiko stammende Mädchen, welches die zweite Klasse der Georgsschule in Bad Aibling besucht, so gut Deutsch, dass es beim Schultheater kurz vor den großen Ferien die Hauptrolle spielen darf. Am Donnerstag, 10. Juli, findet die Premiere des Stücks „Der Zauberer von Oz“ in der Aula der Schule statt – ein Termin, dem Allison seit Wochen entgegenfiebert.

Im Kurpark
lernt sie ihren Text

„Ein bisschen nervös bin ich schon“, räumt die Achtjährige freimütig ein. Große Unterstützung bei den Proben für die Aufführung, die im Frühjahr begonnen haben, erfährt das Mädchen unter anderem von Elke Netscher und Vero Reiser. Netscher leitet die Nachmittagsbetreuung an der Schule, Reiser fungiert als Musiklehrerin in der Nachmittagsbetreuung und führt ehrenamtlich Regie beim Luli-Theater in Bad Aibling. Die beiden Frauen haben die Arbeitsgemeinschaft Laientheater, auf deren Initiative die Aufführung zurückgeht, als Kooperationsprojekt zwischen der Schule und der Laienbühne ins Leben gerufen.

Vater Efrain (40), Mama Nohemi (43) und auch Allisons Schwester Scarlett (13) drücken dem jüngsten Familienmitglied ganz fest die Daumen, dass bei der Premiere alles glatt läuft. Auch mit ihren Eltern übt Allison derzeit immer wieder die Textpassagen des Stückes, die ihre Rolle vorsehen. Wenn das Wetter schön ist, ist der Kurpark ein bevorzugter Ort für das gemeinsame Training. „Der ist wunderschön. Dort gehen wir genauso gerne spazieren wie an der Mangfall entlang. Wenn wir in der Sonne gemeinsam auf einer Parkbank sitzen, dann lernt es sich viel leichter“, sagt die Mama.

Es war ein steiniger Weg mit Entbehrungen und Trennungsphasen, den die Familie beschreiten musste, ehe die Kurstadt im März vergangenen Jahres zum gemeinsamen Mittelpunkt für ihr neues Leben in Deutschland wurde. Vater Efrain, der als Krankenpfleger in der Schön-Klinik Bad Aibling arbeitet, kam im Rahmen eines Anwerbeprogramms für ausländisches Pflegepersonal im Mai 2021 erstmals für gut ein Jahr alleine nach Deutschland und arbeitete damals in Bonn. Für ein paar Monate ging es dann zurück zu Frau und Kindern in die mexikanische Hauptstadt Mexico City, ehe der 40-Jährige im März 2023 zunächst erneut alleine nach Bad Aibling kam und seine Stelle bei der Schön-Klinik antrat.

Im März 2024 kehrte dann auch der Rest der Familie der Metropole mit mehr als neun Millionen Einwohnern den Rücken, die seit der Hochzeit des Paares im Jahr 2011 gemeinsamer Wohnsitz war.

Von Mexiko City
nach Bad Aibling

„Es ist schön, dass wir hier wieder alle vereint sind“, freut sich Efrain Vazquez. Ein Fazit, das auch seine Frau zieht. „Es war nicht leicht für uns, in unserer Heimat alles aufzugeben. Aber wir sind hier sehr gut aufgenommen worden. Die Menschen sind alle nett zu uns, und es ist sehr sauber hier“, sagt Nohemi Salas. Wenngleich auch die Eltern ein wenig nervös vor der Premiere sind, überwiegt bei ihnen dennoch der Stolz, dass ihrer Tochter die Hauptrolle in dem Theaterstück zugetraut wurde. Um Deutschkenntnisse zu erwerben, haben Allison und ihre Schwester Scarlett, die mittlerweile die fünfte Klasse der Georgsschule besucht, zunächst einen viermonatigen Deutschkurs erfolgreich absolviert. „Mittlerweile gehen meine Kinder in die Regelschule und kommen im Unterricht gut mit“, freut sich die Mama.

Vom Fleiß, den Allison an den Tag legt, ihrer Persönlichkeitsentwicklung und der Unterstützung, die das Kind von der Familie erfährt, ist Vero Reiser sehr angetan. „Am Anfang hat Allison noch nicht so gut Deutsch gesprochen. Bei den Proben hat sie viel gelernt und kann etliche Passagen des Stücks bereits auswendig. Sie macht Riesenfortschritte“, ist sie voll des Lobes für die Hauptdarstellerin. Besonders beeindruckt ist Reiser von der Tatsache, dass Allison auch über „einen ganz tollen mimischen Ausdruck“ verfügt.

Freude über
das schöne Kostüm

Das Mädchen freut sich vor allem auch über das schöne Kleid, das sie bei der Aufführung tragen darf. „Das hat die Schule ausgesucht. Ich finde es toll“, meint die Achtjährige. Als die Familie zu Pfingsten auf Heimaturlaub in Mexiko war, hat sie der Verwandtschaft ausführlich von dem bevorstehenden Auftritt in Bad Aibling berichtet. „Die drücken unserer Tochter alle ganz fest die Daumen“, weiß die Mama. Und sie warten schon alle gespannt auf die ersten Bilder, die sie gleich nach der Aufführung über das Internet in die Heimat schicken will.

Bis zur Premiere am 10. Juli steht für Nohemi Salas das Üben mit ihrer Tochter noch im Vordergrund. Dann soll etwas mehr Zeit bleiben, um sich einen Wunsch zu erfüllen, der nach Ansicht der Mama das Leben für die Familie in Bad Aibling perfekt machen würde. Die 43-Jährige möchte unbedingt wieder arbeiten gehen und will sich intensiv auf die Suche nach einer Stelle machen. Nohemi Salas verfügt über einen Bachelor-Abschluss im Bereich „Internationaler Handel““, spricht Spanisch, Englisch und mittlerweile ebenfalls ganz gut Deutsch. Zuletzt hatte sie über zehn Jahre für eine Pharmafirma in Mexiko gearbeitet. Nohemi Salas: „Es wäre schön, wenn ich bald eine Stelle finde.“

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