Feldolling – Einige konnten nur noch den Kopf schütteln. In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Feldkirchen-Westerham sorgte vor allem ein Punkt für Fassungslosigkeit. Sowohl bei einigen Bürgern als auch bei den meisten Gemeinderäten. Das Rückhaltebecken in Feldolling steht kurz vor der Fertigstellung. Doch nun geht es nicht mehr weiter. Die Inbetriebnahme könnte sich um Jahre verschieben. „Eine bodenlose Frechheit ist das“, sagt Vinzenz Schaberl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler der Gesamtgemeinde.
Fertigstellung frühestens 2028?
Grund für diese Aussage ist die Drainage, die ein wesentlicher Bestandteil des Hochwasserrückhaltebeckens ist. Geplant sei gewesen, dass auf der nördlichen Seite der Mangfall im Ortsteil Gries eine Drainageleitung gebaut werden sollte. Diese soll verhindern, dass es durch einen Beckeneinstau zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels auf der Mangfall-Nordseite kommt. Die Drainageleitung sollte östlich der Mangfallbrücke Feldolling beginnen und bis zum Triftbach verlaufen.
Doch jetzt gibt es laut Bürgermeister Johannes Zistl (OLV) neue Erkenntnisse. „Die bisherigen Planungen gestalten sich als schwierig“, sagt der Rathauschef. Aufklären soll das jetzt Christoph Wiedemann, Fachbereichsleiter der Abteilung Planung und Bau vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. „Seit ungefähr 2014 hatten wir geplant, dass die Drainageleitung nördlich der bestehenden Hochwasserschutzmauer in den Boden verlegt wird, um das Sickerwasser, das vom Becken rüberkommt, abzuführen“, beginnt Wiedemann. Jetzt habe man allerdings festgestellt, dass durch die Drainage bei Hochwasser nicht wirklich viel Verbesserung eintritt.
„Die Verbesserung, was das Grundwasser angeht, wären ungefähr zehn Zentimeter“, sagt Wiedemann. „Also wenn jemand schon einen hohen Grundwasserstand im Keller hat, dann hätte er mit dem Bau der Drainage einen Grundwasserstand zehn Zentimeter weniger.“ Heißt, wenn jemand im Keller 50 Zentimeter Hochwasser stehen hat, hat er mit der Drainage nur noch 40 Zentimeter Wasser im Keller.
Dazu kommt, dass weitere „detailliertere Baugrunduntersuchungen“ gemacht wurden. Diese brachten allerdings eher ein ernüchterndes Ergebnis hervor. „Es ist wahnsinnig schwierig, diese Drainage, die doch eine sehr große Dimensionierung hat, in den Boden zu bringen“, sagt der Fachbereichsleiter. Dafür sind Geländeabtragungen und Spundwände nötig, die mit einer Länge von zwölf Metern im Boden verankert wären. Mit Abschluss der Baumaßnahmen müssten diese wieder entfernt werden. Doch das sorge für gleich zwei Probleme. Zum einen würde das erhebliche Kosten verursachen und zum anderen habe man festgestellt, dass der „Baugrund schlecht“ sei.
„Das führt dazu, dass wir einen sehr, sehr großen Eingriff in die Fläche rings um die Drainage brauchen“, erklärt Wiedemann. Und das müsse man naturschutzrechtlich prüfen lassen, da es sich dabei um einen „großen Eingriff in den Naturhaushalt“ handelt.
Heftige Kritik
im Gemeinderat
Derzeit gehe man davon aus, dass aus Sicht des Naturschutzes eine andere Lösung gefordert wird, die eine geringere Auswirkung auf die Ökologie hat. Und auch das Wasserwirtschaftsamt spreche sich für eine Alternativlösung aus. „Das bedeutet, dass wir jetzt noch mal einen langen Schritt zurückgehen und uns alle Varianten anschauen müssen“, sagt Christoph Wiedemann. „Allerdings wird die Planung maximal zwei Jahre dauern und wir schätzen, dass wir allerfrühestens 2028 mit allem fertig sind.“
Bei einigen Gemeinderäten kommen diese Neuigkeiten nicht besonders gut an. Wie zum Beispiel bei Josef Hupfauer (Freie Wähler Feldolling). „Ich glaube Ihnen das nicht ganz“, sagt er. „Die Planfeststellung ist die Betrachtung eines ganzheitlichen Konzepts, wo man auch die Umweltbelange von vornherein berücksichtigt.“ Dass es erst jetzt plötzlich heißt, dass man auch den Naturschutz beachten müsse, könne er nicht ganz glauben. „Das klingt nicht gut“, sagt Hupfauer.
Schließlich sei die Planfeststellung mit einem riesigen Aufwand behaftet, wobei auch die Drainage diskutiert worden sei. Und dass diese in die Erde müsse und damit ein „riesiger Aufwand“ einhergeht, auch das sei von vornherein klar gewesen. „Die Natur hat sich an dieser Stelle nicht verändert. Hat man da am Anfang etwas falsch betrachtet? „Klingt für mich einfach nicht plausibel.“
Christoph Wiedemann kann die Zweifel verstehen. Jedoch habe sich etwas in den Jahren seit der Planfeststellung vor Ort verändert. „Bei der Baugrunduntersuchung 2024/25 haben wir gesehen, dass der Untergrund so schlecht ist, dass man da zweiseitig Spundwände bauen muss und das war vorher nicht klar“, erklärt er. Für diese Maßnahmen bräuchte es dort auch eine größere Baustraße. Dieser Eingriff sei vorher nicht bekannt gewesen.
Doch auch Vinzenz Schaberl zeigt wenig Verständnis. „Das ist eine Frechheit, dass wir einfach den Polder bauen und dann nicht die Voraussetzung schaffen, dass es fertig wird“, sagt er. Wenn man was bauen möchte, müsse man sich vorher alles genau überlegen, nicht dass es hinterher schlechter werde. Und jetzt stelle man sich hin und müsse noch zwei Jahre weiter planen. „Finde ich nicht gut und ich hoffe, wir finden schnell eine Lösung“, so Schaberl.
Thomas Henties von den Grünen will hingegen wissen, welche Alternative es zur Drainage noch gibt. „So wie wir geplant haben, müssen wir sehr stark nach unten bauen und greifen in den Naturschutzbereich“, erklärt Christoph Wiedemann. „Heißt, wir brauchen eine Alternative, wo wir weiter oben bauen können.“
Alternativen
werden geprüft
Jetzt müsse man zunächst den Boden analysieren und gesammelte Daten auswerten. Man wolle vor allem eine Lösung suchen, die die betroffenen Siedlungen besser vor steigendem Grundwasser schützen kann. Denkbar wäre eine Drainage mit Pumpwerk. „Wir halten uns aber noch alle Möglichkeiten offen und werden alles überprüfen“, so Wiedemann. Für den Rathauschef ist eine Fertigstellung bis 2028 „sehr optimistisch“ gerechnet. „Doch wenn man sieht, was die ursprüngliche Planung für bescheidene Verbesserungen beziehungsweise nur die Verschlechterungen kompensiert, sollte man doch über eine neue Lösung nachdenken, die noch besseren Schutz leistet“, sagt Johannis Zistl. Aus seiner Sicht wäre es daher richtig, hier noch mal neu zu planen. „Schon allein, weil kein Weg daran vorbeiführt.“