Großkarolinenfeld – Wegen einer kleinen Familie aus Großkarolinenfeld versammelten sich kürzlich zahlreiche Prominente in einer bekannten Münchner Location und sorgten für emotionale Szenen. Genauer gesagt war der Grund für eine besondere Gala der 14-jährige Jayden, dessen Schicksal im vergangenen Jahr die gesamte Region berührte. Denn Jayden musste sich nach einem schweren Schicksalsschlag gemeinsam mit seiner Familie zurück ins Leben kämpfen – und der Kampf dauert weiter an.
Wachkoma und
Notoperationen
Als der damals noch 13-jährige Jayden an einem Samstagabend im April vergangenen Jahres seiner Lieblingsbeschäftigung Basketball nachgeht und gerade auf den Korb zuläuft, kippt er einfach um. Ohne Vorankündigung. Ohne bekannte Vorerkrankung. In diesem Augenblick erleidet der bis dahin gesunde Jugendliche einen Schlaganfall. Die Szenen, die sich danach in einer Bad Aiblinger Turnhalle abspielen, bleiben allen Augenzeugen wohl für immer in Erinnerung.
Er wird von einem Rettungshubschrauber in Bad Aibling abgeholt. In den Tagen danach folgen Phasen im Wachkoma, Notoperationen und weitere Infarkte. Für die Familie aus Großkarolinenfeld ist von nun an nichts mehr, wie es war. Noah Maximilian Lindl und seine Ehefrau Sissy harren wochenlang im Krankenhaus bei ihrem Jayden aus, stets zwischen Schockstarre, Hoffnung und dem erbitterten Kampf, „irgendwie zu funktionieren“.
Später wird klar, dass Jayden an einer Autoimmunerkrankung, die die Gehirn-Rückwand betrifft, leidet, die für den Schlaganfall ursächlich gewesen sei, erzählt der Vater. Und auch wenn der Jugendliche in den Monaten danach Fortschritte machte, wieder lernte, selbstständig zur Toilette oder zum Essenstisch zu laufen, ist den Eltern längst klar, dass an ein Leben, wie es Jayden vor dem Unfall führte, nicht mehr zu denken ist.
Mittlerweile kann er zwar einen kurzen Spaziergang mit einer Gehhilfe machen. Weite Strecken muss er jedoch mit einem elektrischen Rollstuhl zurücklegen, hat weiterhin mit Teillähmungen und Spastiken zu kämpfen. „Er ist nach wie vor sehr eingeschränkt und vergisst auch viel“, sagt Noah Maximilian Lindl über seinen Sohn.
Für die ganze Familie, zu der auch sein Bruder Brandon (9) gehört, bleibt es eine absolute Ausnahmesituation, sowohl seelisch, körperlich, als auch finanziell. Denn etwa die Anschaffung eines größeren Autos, mit dem man auch den Spezial-Rollstuhl problemlos transportieren könnte, ist bislang nicht zu stemmen.
Um die Familie in dieser schweren Zeit zu unterstützen, hatten sich Freunde von Vater Noah Maximilian Lindl deshalb kürzlich etwas Besonderes einfallen lassen. Sie luden gemeinsam mit der Familie Lindl Interessierte unter dem Motto „Für eine Nacht ein Held sein“ zu einer Art Spendengala ins Kustermann am Münchner Viktualienmarkt ein. Passenderweise sind Lindls Freunde – Tony Vongratsavai und Michi Thien Nghyoen – bekannte Influencer-Köche, die die Gäste mit Leckereien überraschten. Und sie nutzten zudem ihre Kontakte in die Promi-Szene, weshalb etwa Verena Kerth, Claudia Effenberg und Jenny Elvers auf der Gästeliste standen.
Zwar konnten die drei Promi-Frauen letztlich doch nicht kommen. Jedoch sorgten auch andere Persönlichkeiten für Aufsehen. „Mit dabei war beispielsweise der TV- und Reality-Star Ornella Katharina Hermann“, erzählt Lindl.
Hermann, der auf Instagram 165000 Fans folgen, tauschte sich mit Jaydens Eltern bei der Gala intensiv über die alltäglichen Herausforderungen aus. Ebenso wie der Youtuber und Tiktoker Kohi oder der ehemalige Tänzer der „Popstars“-Girlband Monrose, der mittlerweile in der Musikszene als DJ Kimbo bekannt ist.
Insgesamt genossen 140 Gäste an dem Abend ein Neun-Gänge-Menü, nahmen an einer Tombola teil und kamen mit Jaydens Eltern ins Gespräch. Der 14-Jährige selbst, für den eine solche Veranstaltung zu viel gewesen wäre, war live zugeschaltet und fand die Party und den Trubel laut Papa Lindl „höchst spannend“. Vor allem auch, als Tiktoker mit ihm später telefonierten und extra für ihn Videos aufnahmen.
„Für eine Nacht
ein Held sein“
Doch Jayden selbst sei es dabei weniger um sich gegangen. „Schön, dass so viele Leute an Mama und Papa denken, die alles für mich machen. Ich bin ja nur krank“, habe er im Nachhinein gesagt.
Wie viele Spenden letztlich an diesem Abend zusammengekommen sind, ist laut Lindl derzeit noch nicht klar. „Aber es ist auch einfach wichtig, dass immer mehr Menschen über so eine Erkrankung sprechen und merken, dass ein gesundes Leben nicht selbstverständlich ist.“
Das sehen auch die Initiatoren der Veranstaltung so. „Weil ich selbst zwei Kinder habe und ich alles dafür tun würde, Berge versetzen würde, wenn ihnen etwas passiert. Aus diesem Grund war es gar keine Frage, Jayden und seine Familie zu unterstützen“, sagt Initiator Tony Vongratsavai. Ähnlich drückt es Michi Thien Nghyoen aus: „Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie kann sich von der einen Sekunde auf die nächste verändern. Wir wollten mit diesem Event zeigen, dass Zusammenhalt, Mitgefühl und echte Hilfe einen Unterschied machen können.“
Worte, die Jayden und seiner Familie guttun werden. Sie haben den Abend genossen, blicken jedoch gleichzeitig sorgenvoll in die Zukunft. „Wir sind mehr oder weniger in einem Dauer-Exil“, betont Noah Maximilian Lindl. Denn Jayden sei durch seine Einschränkungen bis auf Ausnahmen, wie etwa dem Gassigehen mit Elektro-Rollstuhl, in der heimischen Wohnung „eingesperrt“. Die Kinder wünschten sich Urlaub, einfach mal rauskommen. „Das zu hören, tut natürlich in der Seele weh“, gesteht der Papa.
Doch die einseitige Halblähmung und das eingeschränkte rechte Körperfeld machten diese Träume, wie auch die finanziellen Herausforderungen, schwer umsetzbar. Immerhin macht der Teenager in einigen Bereichen auch erfreuliche Fortschritte. Während er sich etwa gerne im Wasser aufhält und dabei weniger Spastiken aufweist, kann Jayden auch seit einigen Wochen aktiv am Schulunterricht seiner 9. Klasse der Max-Joseph-Schule in Großkarolinenfeld teilnehmen – ohne vor Ort zu sein.
Per Roboter am
Unterricht teilnehmen
„Im Klassenzimmer steht ein sogenannter Avatar, ein kleiner Roboter, über den Jayden alles sehen und hören kann“, erklärt der 45-jährige Vater. Per Knopfdruck, der sich am Roboter als Lichtsignal äußert, kann sich der Teenager dann sogar melden und mit seinen Klassenkameraden oder Lehrern kommunizieren. Da eine solche Teilnahme am kompletten täglichen Unterricht zu anstrengend für Jayden wäre, bekommt er zudem mehrmals in der Woche Heimunterricht. „In Mathe und Englisch ist er sehr gut“, freut sich Lindl mit Sohn Jayden, dessen Alltag ansonsten streng getaktet ist, etwa durch Therapien und Logopädie.
Dennoch hat der Schlaganfall damals vor allem auch seine Gedächtnisleistung deutlich eingeschränkt, weshalb Jaydens Kampf zurück in einen halbwegs normalen Alltag von einem steten „Auf und Ab“ geprägt sei. Balsam für die Seele war da sicherlich die Gala in München zugunsten von Jayden allemal. Und vielleicht kann die ein oder andere Spende den Alltag der Familie aus Großkarolinenfeld noch ein wenig leichter machen.