Bad Aibling/Solferino – Er tritt immer wieder in Erscheinung und ist bei vielen Bad Aiblingern etwa für sein großes soziales Engagement, beispielsweise bei der jährlichen Paket-Aktion „Kinder helfen Kindern“, bekannt. Dabei verlässt Alexander Wolff auch gerne mal die eigene Komfortzone und reist in andere Länder, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Eine etwas andere Reise liegt nun hinter dem Aiblinger Fußpfleger. Denn als am Abend des 24. Juni tausende Menschen mit Fackeln durch die norditalienische Landschaft zogen, war auch Wolff mit dabei.
Persönliche Herzensangelegenheit
Dort, so erzählt er, geschah etwas, das weit über ein Gedenken hinausgeht. Die „Fiaccolata“ – der Fackelmarsch von Solferino nach Castiglione delle Stiviere, ist für viele Rotkreuz-Helfer weltweit ein emotionales Ereignis. Für Alexander Wolff aus Bad Aibling wurde sie zur persönlichen Herzensangelegenheit. Der Ehrenamtliche des Bayerischen Roten Kreuzes hatte 2020 pandemiebedingt die „Fiaccolata“ erstmals in virtueller Form erlebt: Damals reichten sich Rotkreuz-Helfer rund um den Globus symbolisch die Fackel weiter, digital verbunden inmitten von Isolation und Lockdowns.
„Dieses Bild der weltweiten Verbundenheit hat mich tief bewegt“, erinnert sich Wolff. Im Sommer 2023 fasste er dann den Entschluss, selbst an der Gedenkwanderung in Italien teilzunehmen. „Es war unbeschreiblich“, sagt er. „Mit Menschen aus Italien, Deutschland, Österreich und Frankreich durch die Nacht zu gehen, getragen von einer gemeinsamen Idee, war für mich wie ein Nachhausekommen.“ Noch immer waren nicht alle Nationen nach Corona reisefähig, viele Delegationen fehlten, auch weil Kameraden in Krisengebieten im Einsatz waren. Diese Lücke ließ Wolff nicht mehr los.
Zur Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr 2024 – 165 Jahre nach der blutigen Schlacht von Solferino – entstand in ihm ein Gedanke: Wie können auch jene sichtbar werden, die nicht physisch teilnehmen können? Er entwarf zwei Banner, die er mit zur diesjährigen „Fiaccolata“ brachte. Das Erste zeigt auf italienisch und englisch die Erinnerung an die Frauen von Castiglione, die gemeinsam mit Henry Dunant Verletzten halfen – ein Akt der Mitmenschlichkeit, aus dem die Idee des Roten Kreuzes erwuchs.
Banner mit internationalen Zeichen
Das zweite Banner trägt die Symbole des Roten Kreuzes, des Roten Halbmonds und des Roten Kristalls – mit dem Text in italienisch und englisch „als Zeichen für alle nationalen Gesellschaften, die aus Gründen von Entfernung, Finanzen oder Konflikten nicht anwesend sein können“, so Wolff.
In diesem Jahr war Wolff nicht allein unterwegs. Unterstützung suchte er sich bei Mitgliedern des Italienischen Roten Kreuzes aus Cavaion Veronese, der Partnerstadt Bad Aiblings. Lanfranco Callà (Cavaion) und sein Team aus der Region Bardolino begleiteten ihn mit Fackeln und den beiden Bannern auf dem nächtlichen Marsch. Auf dem Weg begegneten sie Delegationen aus der ganzen Welt – unter anderem aus Hongkong, Südkorea, Österreich, den USA sowie ehrenamtlichen Helfern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).
Viele von ihnen versammelten sich für ein gemeinsames Foto mit den Bannern – ein lebendiges Symbol gelebter Solidarität. „Man spürte einfach, was Henry Dunant meinte, als er sagte: Tutti fratelli – wir sind alle Brüder“, so Wolff. „Auch wenn es ihm damals vor allem darum ging, dass alle Opfer gleichzubehandeln sind – heute ist diese Einheit unter uns Helfenden über Sprache, Religion und Hautfarbe hinweg wirklich spürbar.“
Bevor die Fackelwanderung begann, wurde in einer Rede die dramatische Lage im Gazastreifen und die schwierige Arbeit der Organisationen unter widrigsten Bedingungen thematisiert, erzählt Wolff. Auch gab es eine Schweigeminute, in der aller Opfer von Krieg und Krisen gedacht wurde. Besonders ehrte man dabei die über 280 Helfer, die im vergangenen Jahr weltweit im Dienst des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds ihr Leben verloren hatten – so viele wie seit Jahren nicht mehr.
In diesem Moment verstummten mehr als 10000 Menschen, die eben noch mit Musik und Gesang auf dem großen Platz standen, erinnert sich der Bad Aiblinger. Es herrschte eine bewegende Stille – ein kollektives Innehalten. „Es war einer der eindrucksvollsten Augenblicke meines Lebens“, sagt Wolff. „Man war dankbar, gesund und am Leben zu sein – und gleichzeitig in Gedanken bei all jenen, die nie zurückkehren konnten, weil das Schutzsymbol des Roten Kreuzes missachtet wurde.“
Für Alexander Wolff jedenfalls war der Fackellauf in Italien in diesem Jahr ein eindrucksvolles Erlebnis. „Und es bestätigt einen, dass alle Nationen, die dort vorbeikommen, sagen, dass sie die Idee toll finden.“