Vagen – An der Leitzachwerkstraße in Vagen kommt es womöglich zu einer Veränderung. Neben dem bestehenden Umspannwerk soll ein Batteriespeicher entstehen. Gleich mehrere Investoren hatten der Gemeinde Feldkirchen-Westerham Anfragen zur Errichtung solcher Anlagen vorgelegt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte nun einer der Investoren seinen Entwurf vor. Diesen Weg will die Kommune nun weiter beschreiten – auch wenn nicht alle Gemeinderäte davon überzeugt sind. Vor allem der Standort ist einigen ein Dorn im Auge.
Investor Siegfried Auer junior vom „Lagerhaus Eichinger“ erklärt, dass seine Firma einen Batteriespeicher mit einer Leistung von ungefähr 20 Megawatt plant. Die Anlage soll auf einer Fläche von rund 56 Meter mal 25 Meter entstehen. Darin sind acht Speichercontainer, vier Transformatoren und eine Übergabestation enthalten. Laut dem Investor habe man auf die Eingrünung und die Einbindung ins Landschaftsbild großen Wert gelegt. Schließlich solle das „Landschaftsbild möglichst wenig gestört werden“. Dafür stehe man außerdem mit der Naturschutzbehörde des Landratsamtes Rosenheim in Verbindung.
Voll und ganz ausgestattet?
„Zum einen wird die Anlage eingezäunt, um die Tiere zu schützen, damit diese nicht hineinlaufen können“, sagt Siegfried Auer junior. „Und zum anderen wird der Zaun mit einer Hecke versehen, damit die Anlage nicht direkt ins Auge fällt.“ Der Investor weiß außerdem, dass solche Batteriespeicher oft Verunsicherung hervorrufen. Vor allem, weil in solchen Anlagen auch Flüssigkeiten enthalten sind, die auslaufen könnten. „In den Batteriespeichern sind unter anderem Elektrolyte und Kühlflüssigkeiten“, erklärt er. „Sollten diese mal beschädigt werden, kann aber nichts austreten, da wir die Speicher mit einer Auffangwanne ausstatten werden.“ Ein weiteres großes Thema ist die Brandgefahr. Auch hier will der Investor die Angst von vornherein nehmen. Laut Auer können in einem Batteriespeicher nur die Batterien selbst brennen. Große Auswirkungen könne so etwas aber nicht haben, denn die Speicher würden mit einer Löschanlage ausgestattet. „Das bedeutet, dass Sensoren vorhanden sind. Wenn diese feststellen, dass Hitze ansteigt, werden Löschmittel aus gesprüht, sodass ein Brand gleich unterdrückt wird“, so der Investor.
Zeit für die Entscheidung drängt
Allgemein gibt es drei Arten von Batteriespeichern. So gibt es den netzwirksamen, den netzneutralen und den netzdienlichen Speicher. Bei Erstgenanntem wird frei gespeichert und abgegeben. Bei einer netzneutralen Anlage wird der Speicher nur bei hoher Produktion gefüllt, etwa durch PV-Anlagen an sonnigen oder Windräder an windreichen Tagen. Bei Energiebedarf werde diese dann wieder abgegeben. Bedeutet, dass die Steuerung von Laden und Abgabe durch den Netzbetreiber, also die Bayernwerk AG, geschieht.
Ein netzdienlicher Batteriespeicher speichert stets ein, wenn der Strompreis niedrig ist, also viel Strom im Netz ist. Und er speist dann aus, wenn der Preis hoch ist, also wenn zu wenig Strom im Netz ist. Bedeutet, dass er automatisch zur Netzstabilität beiträgt. Hinzu kommt, dass gemäß dem Paragrafen 35 des Baugesetzbuchs ein netzdienlicher Batteriespeicher unter bestimmten Voraussetzungen im Außenbereich auch privilegiert sein kann. Eine abschließende Beurteilung der Netzdienlichkeit setzt einen Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplans sowie zur Erstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans voraus.
Bürgermeister Johannes Zistl (OLV) drängte bei der Gemeinderatssitzung, dass noch in der Sitzung entschieden werden müsse, ob ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden soll. „Denn nur mit einer Bauleitplanung haben wir als Gemeinde noch ein Mitspracherecht“, sagt der Rathauschef. „Im Rahmen der Privilegierung haben wird das nicht.“ Und ihm sei es wichtig, dass die Gemeinde Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten habe. Vor allem, was den Lärmschutz der Anwohner und die Eingrünung der Anlage angeht.
Lärmschutz ist ein wichtiger Punkt
Und gerade die Themen Lärmschutz sowie der ausgewählte Standort für den geplanten Batteriespeicher sorgten zunächst für wenig Begeisterung. So auch beim Bürgermeister: „Das Ganze wird Auswirkungen auf die Bürger haben, vor allem für die, die direkt in der Nähe wohnen.“ Zwar gebe es bereits ein Lärmschutzgutachten, doch Zistl will genau wissen, wie laut der Batteriespeicher für die Anwohner wird. „Das Leitzachwerk brummt. Wenn Wasser hochgepumpt wird, ist es auch laut und auch das Umspannwerk macht Geräusche. Durch diese Lärmschutzmaßnahmen ist da eine Schallimmission zu erwarten?“
Für den Investor ist klar, dass kein zusätzlicher Lärm vom Batteriespeicher zu erwarten ist. Die Anlage soll parallel zum Umspannwerk gebaut werden. „Dadurch wird ein Teil der Geräusche von dem Gebäude abgefedert und auch die Begrünung um den Speicher wird die Geräusche auffangen“, erklärt Auer. Sollte das nicht ausreichen, gibt es immer noch die Möglichkeit einer Schallmauer. „Es wird aber erfahrungsgemäß nicht mehr Lärm entstehen.“
Auch für Heinz Oesterle ist dieser Punkt wichtig. Wie laut ist der Lärm tatsächlich vom Energiespeicher und wie genau muss die Schutzmauer aussehen, sind einige Fragen, die der SPD-Fraktionsvorsitzende geklärt haben möchte. „Das wird sich alles noch in der Planung zeigen“, erklärt der Investor. „Vor allem der Wechselrichter erzeugt die nervigen hohen Töne. Aber die werden sich in Grenzen halten.“
Für Martin Eham und Anton Kammerloher (beide CSU) ist klar, am Leitzachwerk ist „der falsche Standort.“ „Es wäre zu nah an dem Werk und an der Bevölkerung. Ich glaube auch, dass das alles zu kurzfristig gedacht ist“, sagt Kammerloher. Doch laut dem Bürgermeister haben fünf weitere Firmen Anträge für einen Batteriespeicher an fast genau derselben Stelle abgegeben. „Dort ist eine strategisch günstige Stelle, das sagen sowohl die Stadtwerke als auch die Bayernwerke“, sagt Zistl. Sollte ein Batteriespeicher kommen, dann solle er genau dort entstehen.
Heinrich Gall von den Grünen kann diese Argumentation nicht verstehen. „Es ist interessant, dass wir über diesen Standort sprechen und auf der anderen Seite unterhalten wir uns über ein neues Nahversorgungszentrum, aber nicht darüber, welchen Lärm das verursachen wird, wenn da viele Autos hinfahren“, sagt Gall. Er ist sich sicher, das verursache deutlich mehr Lärm als der Batteriespeicher. Und auch das Leitzachwerk mache „viel mehr Lärm“. Er spricht sich für die Anlage aus. Schließlich sei allen klar, dass es das in Zukunft braucht. „Und jetzt haben wir hier jemanden, der es machen würde und dann sollten wir es auch angehen“, so Gall.
Thomas Henties (Grüne) will vor allem wissen, wie viel man mit dem Batteriespeicher verdienen könnte. „Mit dem netzdienlichen Speicher verdient man noch sehr viel. Zurzeit liegt man da ungefähr bei 200000 Euro pro Megawatt im Jahr“, erklärt der Investor Siegfried Auer. „Durch die starken Einschränkungen beim netzneutralen Speicher kann man bis zu 100000 Euro pro Megawatt im Jahr verdienen.“ Dadurch könne man die Kosten für die Versicherung, Verzinsung und für die Wartung der Anlage wieder hereinholen, betont der Investor.
Wichtig ist den Gemeinderäten, dass der Batteriespeicher vor Hochwasser geschützt ist. Deshalb sei derzeit der Plan, dass die Anlage auf einem Betonsockel errichtet wird.
Entscheidung
des Gemeinderats
Für den Bürgermeister ist vor allem eines wichtig: Er will, dass die Bürger und vorallem die Anwohner in das Vorhaben einbezogen werden. „Wir legen viel Wert darauf, dass eine Bürgerbeteiligung möglich ist“, sagt Johannes Zistl. Ein Wunsch, dem der Investor gerne nachgeht: „Dafür sind wir auf jeden Fall offen.“ Zudem möchte Zistl, dass auch die EWG Vagen und die Mangfalltal Energie mit in das Projekt einbezogen werden. Der Gemeinderat sprach sich letztendlich für die Änderung des Flächennutzungsplans (18:4) und für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans (18:4) aus. Per städtebaulichem Vertrag übernimmt der Investor sämtliche Kosten für die Änderung des Flächennutzungsplans, den Bebauungsplan sowie erforderliche Gutachten. Für die Gemeinde entstehen damit keine finanziellen Belastungen.