Kunst, künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit vereint

von Redaktion

Aiblinger Gymnasiasten zeigen kreative Vielfalt in einer Ausstellung beim Kunstverein Bad Aibling

Bad Aibling – „Wo beginnen?“, fragt sich der Besucher der Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus beim Betreten. Von allen Wänden schauen kraftvolle Exponate in den Raum, seien es Bilder oder Installationen. Unter Anleitung ihres Kunstlehrers Hendrik Peer Lass haben sich die jungen Menschen aller Jahrgangsstufen des Aiblinger Gymnasiums Gedanken über die Welt gemacht, in der wir leben. Orientiert haben sie sich dabei mit ihren Mitteln an der Street- oder UrbanArt.

An der einzigen Wand, die solch ein Format zulässt, hängt ein sechs Meter breites Bild mit einer Szenerie, die unser aller Dasein beleuchtet. Als Licht fungiert unser blauer Planet, den der Mann im Mond an Stock und Schnur vor sich hält – ein kindlicher Gestus. Links im Bild rast ein furchtloser Surfer über eine Welle in das Bild hinein. Die Weltenmeere, durchsetzt mit Wasserungeheuern, aber auch mit weiteren Planeten, tosen um ihn herum. In der Bildmitte sitzt mit gekreuzten Beinen ein Bub, der in einem Buch liest und sich durch nichts ablenken lässt, eine Fähigkeit, die nur noch Kindern eigen ist. Das Buch wiegt schwer, und das Kind ist völlig darauf konzentriert. Und die rechte Seite des Bildes zeigt einen wunderschönen Frauenkopf asiatischen Ursprungs – jedoch zerfließt ein goldener Schein hinter ihrem Kopf. Mut und Kühnheit, Klugheit und Wissensdurst, Schönheit und Anmut, aber auch Schrecknisse sind im Bild dargestellt.

Zum Konzept dieser Ausstellung gehört es, Dinge, die bereits ein Vorleben hatten, wieder zu verwenden. Damit beantwortet sich die Frage, wo man ein Stück Textil von solcher Länge herbekommt. Dieses große Tuch bewegte sich zum 50-jährigen Jubiläum des Aiblinger Gymnasiums als Banner in der Luft. Genauso wie das nicht ganz so große Teil, auf dem eine Fabrik mit ihren Giftausstößen und der geschädigten Tierwelt dargestellt ist. Beide textilen Wände sind mit Acryl mit der Hand bemalt.

Auch ein Leben hinter sich haben die Pappkartons mit Vögeln, die teils als Firmenlogo aufgedruckt sind – immer zwei im Original und der dritte von Schülern übermalt oder beliebig überarbeitet. „See the Difference“ lautet der Slogan, mit dem diese Firma für ihre Monitore wirbt. Bei der Ausgestaltung des dritten Vogels pro Karton haben die Schüler ihre Fantasie walten lassen und nicht nur zu Pinsel und Farbe gegriffen, sondern auch zu technischen Bausteinen, mit denen die Kontur eines Vogels nachvollzogen wurde. Die Boxen sind zu einer ansehnlichen Mauer gestapelt.

Auch noch in letzter Minute gerettete Objekte sind zwei hölzerne Paletten, die sich einwandfrei bemalen ließen. Auf der einen entstand mit Pinsel und Farbe ein verschrecktes Männchen, das sich einen Pylonen bis zu den Schultern über den Kopf stülpt, um sich gegen den Lärm zu schützen. Die andere zeigt Rotkäppchen, wie es durch einen buchstäblichen Stangerlwald geht.

Aber die Nachhaltigkeit ist nur ein Aspekt der Ausstellung. Die Schüler zeigen auch ihren gekonnten Umgang mit moderner Technik, mit KI oder mit Stencil. Eine Wand mit Selbstporträts – alle mit Stenciltechnik gestaltet – zeigt die Gesichter, die durch Ausschneiden einzelner Blätter und deren Besprühen mit Farbe nach und nach zu einem Ganzen gefügt werden.

Eine Wand ist mit KI-generierten Bildern versehen. Auf klassischen Gemälden wie zum Beispiel dem „Schrei“ von Edvard Munch wurde mit KI die Szenerie verändert. Bomber fliegen tief über den Menschen hinweg, dessen im Schrei ausgedrückte Verzweiflung real wird. Eine ganze Serie solcherart veränderter Blätter gestaltet eine Wand. Wendet man sich dem Ausgang zu, trifft man auf ein konventionelles, handgemaltes Acrylbild einer Winterlandschaft, das Kälte, aber auch Anmut ausstrahlt. Eine steinerne, gewölbte Brücke führt über einen zugefrorenen Fluss und auf dem Brückengeländer kann man – schwierig zu entziffern – „Unseen“ – lesen. Das Bescheidene ist oft unsichtbar und mag es noch so schön sein, lehrt uns dieses Gemälde. Ute Bößwetter

Bis 2. August

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