Vagen – Waren die meteorologischen Vorhersagen zu den vergangenen Schlossserenaden oftmals eine Zitterpartie, war es in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes eine „g‘mahde Wiesn“. Der bestens präparierte Schlosspark der Familie von Aretin lud nicht enden wollende Besucherströme zum bekanntesten Sommerevent in der Gemeinde ein. Die immer schwer zu schätzende Anzahl der Besucher schien diesmal wirklich einen Superlativ erreicht zu haben.
Viele serenadenerprobten Anhänger, insbesondere Familien, machten es sich auf mitgebrachten Stühlen, Liegen und Decken auf dem Schlossrasen bequem. Wer sich nicht selbst mit Erfrischungsgetränken, Prosecco, Wein und anderen mitgebrachten Leckereien versorgt hatte, konnte sich an Verkostungsständen des Veranstalters erfrischen, um den herrlichen Sommerabend in vollen Zügen zu genießen.
Aufwendige Suche der Organisatoren
Großer Dank galt der Vagener Feuerwehr, welche die Anfahrt der Besucherströme gut und sicher lenkte, den vielen Helfern an den Eingängen und den Getränkeständen und ganz besonders der Familie von Aretin, die Jahr für Jahr ihr Areal den Musizierenden und Musikliebhabern unentgeltlich zur Verfügung stellt.
Erneut oblag es dem Hauptorganisator der Schlossserenade, Siamak Golshani, in monatelanger, aufwendiger Suche engagierte Mitwirkende zu finden. Mit der Chorgemeinschaft Irschenberg unter der Leitung von Irene Littek, dem Blechbläserquintett LiabaBRASS, angeführt von Martin Augenstein, dem Haager Viergesang mit Leiter Hans Urban und der Dreder Geigenmusi konnte er neben dem Initiator und Veranstalter des Abends, der Musikkapelle Vagen unter musikalischer Verantwortung von Dirigent und Kapellmeister Jürgen Schubert, wieder engagierte Mitstreiter finden.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz
Die feierliche Eröffnung des Abends übernahm die Musikkapelle Vagen mit dem Prozessionsmarsch „Sankt Oswald“ von Komponist Marc Lutz, gefolgt von „Fanfarello“, einem Stück der weithin bekannten und im Voralpenland beheimateten Komponistin Kathi Stimmer-Salzeder und dem Landsknechtständchen „Matona Mia Cara“ aus der Feder von Orlando di Lasso, gesungen von der Chorgemeinschaft Irschenberg.
Vom Hochbalkon des Schlosses stimmten LiabaBRASS mit virtuoser Leichtigkeit die „Second air de trompette“ von Marc-Antoine Charpentier an, einem Komponisten der Zeit des französischen Königs Ludwig XIV. Der Haager Viergsang – dankenswerterweise für die krankheitsbedingt ausgefallene Formation ONLY4 eingesprungen – gab zum Eingang „Marina di Venzia“ zum Besten. Den zweiten Liederblock begann wiederum das große Orchester der Vagener Musikkapelle, dieses Mal mit der „Belcanto Overture“ von Willy Hautvast.
Mit Giovanni Giacomo Gastoldis bekanntem „Questa Dolce Sirena“ bat der Irschenberger Chor imaginär zum Tanz, gefolgt von Sepp Hornsteiners „Stolzer Sennerin“. Perfekt intoniert ließ LiebaBRASS die „Fanfare aus der Ouvertüre in D-Dur von Georg Philipp Telemann in die sich abzeichnende Dämmerung erschallen, in der sich der Haager Viergsang hörbar „dahoam“ fühlte. Wurde Kathi Stimmer-Salzeders „Tabita“ von der Dreder Geigenmusi noch in ruhigem Dreivierteltakt vorgetragen, erhöhte die Musikkapelle Vagen das Tempo mit Johann Straußens „Tritsch-Tratsch-Polka“.
Mit mystischem Chorgesang vor der in warmen Farben illuminierten Kulisse des von Aretin‘schen Schlosses fand der Irschenberger Chor durch das in einer Fantasiesprache gehaltene Werk „Adiemus“ wieder zu etwas gemächlicheren Tönen zurück. Kurz fühlte sich wohl so mancher Zuhörer in die Schweizer Bergwelt versetzt, als LiabaBRASS das Stück „Alpenblaus“ scheinbar mit einem Alphorn, entferntem Kuhglockengeläut und Kuh-Gemuhe anstimmte, welches von jazzig-groovigem, brassharmonischem Swing abgelöst wurde. Spätestens hier konnte man erahnen, dass die Blechbläser ein humoristisch arrangiertes Werk gewählt hatten – hier von Bernhard Etzel, der unter anderem Stücke für Bob Ross‘ Formation „Blechschaden“ komponierte.
Ebenfalls mit einem Augenzwinkern erzählte anschließend der Haager Viergsang von den Vorteilen einer „Musiktherapie“. Beim letzten Turnus war der Schlosspark schließlich in komplette Dunkelheit gehüllt, was die zwischenzeitlich entzündeten Fackelreihen zusätzlich zur Geltung brachte. Dazu boten die Dreder Geigenmusi mit „Ad Verbum“, wiederum einer Komposition von Kathi Stimmer-Salzeder, die Chorgemeinschaft Irschenberg mit „Kayama“, LiabaBRASS mit Andrew Lloyd Webbers „Think of me“ und der Haager Viergsang mit „Wie die hohen Sterne kreisen“ von Werner Gneist eine stilistisch gemischte Coda, auf welche die Musikkapelle mit dem Konzertmarsch „Paso Dorada“ einen beeindruckende Schlussakkord setzte.
Spenden werden weitergegeben
Am Ende des Konzertabends verabschiedete sich Siamak Golshani im Namen der teilnehmenden Musikgruppen und sprach deren Dank für die entgegengebrachten Spenden aus, die wie immer an wohltätige Einrichtungen oder Familien mit besonderen Schicksalen weitergegeben werden. Er bat aber auch um Verständnis, dass in diesem Jahr ein Teil für administrative und organisatorische Aufgaben des Veranstalters verwendet werden muss.
Mit einer Zugabenrunde bedankten sich die Künstler für den lang anhaltenden Applaus und sprachen damit eine herzliche Einladung zur nächsten musikalische Soirée im kommenden Jahr aus.