„Die Räuber“ im Wandel der Zeit

von Redaktion

Schillers Klassiker als Hybrid-Version – Aufführungen im Gymnasium Bad Aibling

Bad Aibling – Das Drama „Die Räuber“ von Friedrich von Schiller wäre schon eine etwas „schwere Kost“ für eine Schulaufführung. Dass die Theatergruppe des Aiblinger Gymnasiums diesen Bühnenstoff dennoch für die beiden voll besetzten Aufführungen ihrer diesjährigen „Sommerspielzeit“ ausgewählt hat, liegt an der Adaption des Stoffs und der damit verbundenen und verkürzten „Hybrid-Version“. Die Fassung stammt aus der Feder von Sabine Hrach, einer Schauspielerin und Pädagogin. Das Stück enthält aber sowohl in der Sprache als auch in der Kostümierung originale Schiller-Momente. Dabei wechselt das Bühnengeschehen zwischen historischen Rückblenden und Szenen in der Jetztzeit und sorgt dadurch für einen besonderen zusätzlichen Reiz.

Zwischen Geschichte
und Moderne

Daher sind auch zwei verschiedene Ensembles im Einsatz: die historischen und die modernen Figuren. Sie agieren teils hintereinander, teils gleichzeitig – und zwar auf, vor oder neben der Bühne. So stehen der historische „Karl Moor“ und sein modernes Pendant „Charly Mohr“ in einer Szene gar Rücken an Rücken inmitten ihrer jeweiligen Anhängerschaft. Und Charlys Räuberbande überfällt nicht (wie in der Originalfassung) Postkutschen, sondern zündet Lehrerautos an.

Charly Mohr ist ein cooler Typ, beliebt bei seinen Freunden und ein Garant für gute Stimmung bei jeder Party. Die Schule interessiert ihn herzlich wenig. Nur in der Theater-AG lässt er sich noch gelegentlich blicken. Das liegt zum einen an seiner Freundin Emelie, zum anderen aber an dem Thema, das gerade bearbeitet wird: Schillers „Räuber“. Charly entdeckt erstaunliche Parallelen zwischen dem Räuberhauptmann Karl Moor und sich selbst.

Als ihn seine Mutter auf eine Intrige seines Bruders Franz hin rausschmeißt, beschließt er – wie Karl Moor, mit seinen Freunden auf Gesellschaft und Familie zu pfeifen und sein eigenes Ding zu drehen.

In seinen Kernpunkten ist das Stück jedoch zeitlos: Sowohl in der historischen als auch in der modernen Fassung stehen die Rivalität zweier Brüder, Intrigen, Gier, elterlicher Liebesentzug, Freiheitsdrang und Gerechtigkeit im Mittelpunkt der Handlung. Der Schluss des Dramas ist allerdings im Gegensatz zum Original nicht blutrünstig.

Das Ensemble hat den tiefgründigen Stoff hervorragend umgesetzt – sowohl darstellerisch als auch sprachlich. Es agierten: Marie Laugel, Lena Vidal, Elina von Kuczkowski, Candela Fischer, Nadia Rust, Emeline Wetzel, Leo Schiessler, Juna Schirmann, Veronika Sewald, Lucy Reicheicher, Amadea Linke, Theresa Weigl, Lena Becker, Katharina Nachtweih, Veronika Barthel, Anina Kohn, Paulina Rössler, Félix Thimel, Lisa Mayr, Meline Rentz und Mila Lotter. Regie mit vielen kreativen Ideen führten die beiden Oberstudienrätinnen Katja Becker und Barbara Schlögel.

Musik bereichert
die Aufführung

Doch mit reinem Sprechtheater gaben sich die beiden „Intendantinnen“ nicht zufrieden: Das Bühnengeschehen wurde mit Musik angereichert. Unterstützt von der überzeugenden Schulband sang der von Susanne Tutert geleitete und bestens harmonierende Unterstufenchor unter anderem eine von ihr komponierte und von Barbara Schlögel getextete Räuberballade und die von Lena Vidal (als „Franz Moor“ auf der Bühne) geschriebene Kanon-Melodie zum Schiller‘schen Eingangstext „Quae medicamenta non sanant“.

Das vollends begeisterte Publikum spendete immer wieder Szenenapplaus und einen frenetischen Schlussbeifall. Daniela Stümpfl (erweiterte Schulleitung) sprach am Ende allen Beteiligten ein großes Kompliment aus und bekannte: „Ich hatte Gänsehaut!“ Die Studiendirektorin sorgte ihrerseits für „wohlige Gänsehaut“ bei den Bühnenakteuren mit einem „Freistunden- Zuckerl“ am nächsten Tag.

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