Mangfalltal – Die Statistik spricht eine beunruhigende Sprache. Laut dem Landeskriminalamt (LKA) hat die Zahl der sexuellen Übergriffe in Bayerns Schwimmbädern und an Badestellen im Jahr 2024 deutlich zugenommen. Demnach wurden insgesamt 227 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Schwimmbädern und an Badestellen registriert, was einem deutlichen Anstieg zum Vorjahr entspricht. Die Straftaten, die meist von Männern ausgeübt wurden, umfassen dabei unter anderem sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung und sexuellen Missbrauch. Doch zeigt sich die Häufung der Delikte auch im Mangfalltal und wie sind die Bäder auf diverse Vorfälle vorbereitet?
Präventive
Maßnahmen
„Im Bereich des Freibades sind uns keine Probleme oder Vorfälle in unserer Einrichtung bekannt“, sagt Stefan Barber, Werkleiter der Stadtwerke Bad Aibling, auf OVB-Anfrage. Zwar stehe das gut geschulte Fachpersonal natürlich häufiger mit „etwas rau agierenden Gästen“ in Kontakt. „Dies betrifft bisher allerdings nur die bekannten Themen wie nicht erlaubtes Reinspringen vom Beckenrand oder ab und an nicht korrektes Handeln im Bereich der Wasserrutsche“, so Barber. Doch natürlich nehme man das Thema und die Gefahren, die die bayerische Statistik aufzeigt, sehr ernst. „Für die Stadtwerke Bad Aibling inklusive Therme, Sauna, Freibad und Eishalle hat die Sicherheit und der Schutz unserer Gäste, aber auch unserer Mitarbeiter, oberste Priorität“, stellt der Werkleiter klar.
Rein vorsorglich hatte man daher etwa in der Eissaison 2024/2025 bereits einen Sicherheitsdienst mit zwei Mitarbeitern für die Veranstaltungen des allgemeinen Eislaufs am Abend eingesetzt, auch wenn die gesamte Saison letztlich ruhig und problemlos verlief. Barber: „Als präventive Maßnahme werden wir diese Kosten jedoch weiterhin in die Hand nehmen und auch in der nächsten Saison dem Eismeister zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes zur Seite stellen.“
Eine separate Schulung hinsichtlich sexueller Übergriffe habe es bisher nicht gegeben. „Wir würden in einem solchen Fall allerdings nach dem Null-Toleranz-Prinzip vorgehen, sofort die Polizei einschalten, die betreffenden Personen des Platzes verweisen sowie nach Feststellung der Tat durch die Polizei ein Hausverbot erteilen sowie Anzeige erstatten“, sagt Barber. Konsequentes Vorgehen sei bei entsprechenden Taten die einzig richtige Wahl.
Auch im Schwimmbad Bruckmühl wurden in der Vergangenheit keine Vorfälle im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen registriert. „Dennoch behandeln wir das Thema sehr sensibel“, sagt Betriebsleiter Lukas Buxot gegenüber dem OVB. Im Rahmen einer jährlichen Personalschulung werden in Bruckmühl sowohl Badeaufsichten als auch Kassenkräfte gezielt dafür sensibilisiert und unterwiesen, wie in entsprechenden Situationen zu reagieren ist, erklärt Buxot.
Personalmangel ist
ein großes Problem
„Vorfälle im Bereich ‚sexuelle Übergriffe‘ gab es bis dato im Freibad Kolbermoor nicht“, betont indes Christian Poitsch, Leiter des Stadtmarketings und Sprecher der Kommune. Im Rahmen der grundsätzlichen Unterweisungen würden die Bademeister dennoch instruiert, wie sie sich bei einem solchen Vorfall zu verhalten haben. „Sollte es zu einem sexuellen Übergriff kommen, wird dies auf alle Fälle zur Anzeige gebracht“, so Poitsch. Verantwortliche weitere Bäder in den Mangfall-Kommunen haben sich auf OVB-Anfrage bislang noch nicht zu dem Thema geäußert.
Klar ist aber auch, dass viele Schwimmbäder im Mangfalltal, unabhängig von diversen Übergriffen, von einer ganz anderen Problematik betroffen sind. So herrscht mehr und mehr Personalmangel unter den Bäder-Belegschaften, sodass vereinzelt sogar die Öffnungszeiten dementsprechend angepasst werden mussten. So etwa in Kolbermoor, wo das Freibad inzwischen von 9.30 bis 19 Uhr geöffnet hat, anstatt wie in der Vergangenheit von 8 bis 20 Uhr. „Grundsätzlich suchen wir immer Personal fürs Freibad, speziell auch Interessenten für die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe“, erklärt Poitsch.
Fehlender
Abiturjahrgang
„Personalmangel ist in vielen Bädern ein großes Problem“, stellt auch Stefan Barber fest. Die Stadtwerke Bad Aibling seien deshalb ständig auf der Suche nach Fachpersonal, sowohl für Therme/Sauna, als auch für die beiden Freibäder in Bad Aibling. „Glücklicherweise konnten wir, auch aufgrund unserer sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Schichten immer ausreichend besetzen.“ Im Augenblick sieht es demnach durch zwei Neueinstellungen „einigermaßen entspannt und komfortabel aus“, so Barber.
Er betont: „Der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe ist ein sehr interessanter und vielseitiger Beruf.“ Es sei deshalb ein großes Anliegen, über Schulen und Vereine zu diesem Berufsbild zu informieren und damit Jugendliche sowie Erwachsene dafür zu begeistern.
Auch in Bruckmühl spürt man den allgemeinen Personalmangel deutlich, erklärt Betriebsleiter Lukas Buxot. Generell rekrutiere sich ein Großteil der Badeaufsichten meist aus Abiturienten und Schulabgängern. „Deswegen ist dieses Jahr die Lage zusätzlich durch den fehlenden Abiturjahrgang infolge des Übergangs von G8 auf G9 verschärft“, so Buxot. Besonders spüre man jedoch in den verantwortlichen Ebenen einen Mangel. „Wir sind dringend auf der Suche nach mehr ehrenamtlich Engagierten für die Bereiche Technik, Betriebsleitung und die Vorstandschaft.“ Dies, so Lukas Buxot, scheint jedoch eher ein vereins- als ein schwimmbadspezifisches Thema zu sein.