Mangfalltal – Klar, geht es nach den Eltern, sollten ihre Kinder stets die bestmögliche Betreuung erhalten. Doch der Fachkräftemangel macht deutschlandweit auch vor den Kita-Einrichtungen nicht Halt. Und offenbar verschärft sich dieser Zustand von Jahr zu Jahr weiter. Auch in Bayern bringt der Personalmangel das System an seine Grenzen und führt immer wieder zu Notbetreuung, Teil- oder Ganzschließungen von Einrichtungen. Im Mangfalltal selbst scheint die Personal-Situation hingegen recht stabil zu sein. Doch auch hier darf der Eindruck nicht über eine besorgniserregende Entwicklung hinwegtäuschen.
Erst vor einigen Monaten, als es um die allgemeine Vergabe der Kitaplätze ging, war etwa in einer Bad Aiblinger Einrichtung zunächst unklar, ob eine weitere Kinderkrippengruppe aufgrund der Personalsituation eröffnet werden kann. In diesem Fall hatte das BRK-Haus für Kinder „Kleine Weltentdecker“ zwar im April grünes Licht für den Start im September gegeben, wie die Stadt Bad Aibling damals mitteilte. Doch der Fachkräftemangel bleibt auch hier in der Region ein nicht wegzudiskutierendes Thema.
Zahlen sprechen
andere Sprache
Dabei sprechen die nackten Zahlen eine andere Sprache. So verzeichnen fast alle angefragten Träger der Einrichtungen in den Mangfalltal-Kommunen keine unbesetzten Stellen, wie sie auf OVB-Anfrage angaben. Ein Beispiel: In den Aiblinger Einrichtungen, in denen die Stadt als kommunaler Träger auftritt, arbeiten insgesamt elf Erzieher, zehn Kinderpfleger und sieben Praktikanten. Unbesetzt sei keine Stelle, teilt die Stadt mit. Andere Einrichtungen in der Kurstadt, etwa unter BRK-Trägerschaft, hätten ebenso keine Lücke im Stellenplan vorzuweisen, wie der Kreisverband Rosenheim erklärt. Gleiches Bild bei der Awo.
Ein Eindruck, der sich auch in anderen Kommunen bestätigt. Wie beispielsweise in Bruckmühl, wo drei Einrichtungen unter kommunaler Trägerschaft stehen und derzeit keine Stelle unbesetzt ist, wie die Marktgemeinde mitteilt. Gleiche Antwort erhält man bei der kommunalen Trägerschaft in Tuntenhausen. Vereinzelt, wie etwa in Feldkirchen-Westerham, fehlen zwar teils wenige Erzieher oder Kinderpfleger – bei gleichzeitig 45 besetzen Erzieher- und 25 besetzten Kinderpfleger-Stellen. Doch variiere die Anzahl der unbesetzten Stellen hier je nach Buchungszeiten der Kinder, berichtet die Gemeinde Feldkirchen-Westerham von ihren kommunalen Einrichtungen. Von einem akuten Fachkräftemangel im Mangfalltal ist allgemein also nicht die Rede. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Denn die meisten Träger nehmen in den vergangenen Jahren mehr und mehr Herausforderungen wahr, was die grundsätzliche Stellenbesetzung beziehungsweise Nachbesetzung angeht.
„Vor 20 Jahren gab es mehr Bewerberinnen, insbesondere Kinderpfleger-Bewerberinnen, als Stellen“, sagt Manuela Müller, Kita-Verwaltungsleitung der Katholischen Kirchenstiftung Hl. Kreuz als Träger des Katholischen Kita-Verbunds Wendelstein. Diesem gehören insgesamt sechs Eichrichtungen in Bad Aibling, Bad Feilnbach und Raubling an, wo derzeit insgesamt 36 Erzieher- und 27 Kinderpfleger-Stellen besetzt sind – dabei sind aktuell fünf Stellen im Verbund unbesetzt.
Laut Müller habe sich die Bewerber-Situation in den vergangenen zehn Jahren verändert. „Seit fünf Jahren sind die qualitativ guten Bewerbungen sehr selten“, stellt die Verwaltungsleiterin fest. Zwar habe sich die Lage durch die Möglichkeit für Quereinsteiger in den vergangenen zwei bis drei Jahren entspannt. „Aber die Quereinsteiger benötigen auch noch sehr viel Anleitung und sind erstmal keine große Hilfe bei der frühkindlichen Bildung und Erziehung der Kinder.“ Die Rahmenbedingungen, in erster Linie die Sprachdefizite der Drei- bis Sechsjährigen, verschärfe die aktuelle Situation zudem, so Müller.
„Wir haben mehr Teilzeitkräfte und es ist schwieriger, offene Stellen nachzubesetzen“, erklärt auch Bettina Neumaier, Verwaltung im Awo-Kreisverband Rosenheim-Miesbach. Das bestätigt auch Andrea Pertl, Sprecherin der Gemeinde Bad Feilnbach. „Die Personalfindung in den vergangenen Jahren ist durch die Verbesserung des Personalschlüssels natürlich schwieriger geworden.“ Allerdings befinde man sich in Bad Feilnbach in der guten Lage, durch ein „gutes und motiviertes Stammpersonal in unseren sieben Einrichtungen der Gemeinde pädagogisch und qualitativ gute Arbeit leisten zu können“.
Junge Menschen
unterstützen
So könne man Fluktuation jederzeit gut mit einem Bewerberpool kompensieren. „Uns ist es ein großes Anliegen, junge Menschen dabei zu unterstützen, einen pädagogischen Beruf in einer qualitativen Praxiseinrichtung absolvieren zu können“, so Pertl. Dabei habe man stets auch Praktikanten, Anfragen von FSJ-lern oder Bufdis jedoch nicht. Der Betreuungsschlüssel bewegt sich in den Einrichtungen im Mangfalltal in der Regel zwischen 1:7 und 1:10, wobei immer auch zwischen Kindergarten und Krippe unterschieden werden muss.