„Mehr als Stein und Holz“

von Redaktion

Hebfeier beim Berblinger „Dorfhaus“ – Gesamtkosten von knapp zwei Millionen Euro

Bad Aibling – Im September 2024 begannen die Bauarbeiten für das neue Dorfgemeinschaftshaus in Berbling, jetzt wurde das Richtfest gefeiert. Der Vorstand des „Dorfvereins Berbling und Oberpfarr“ und örtliche Beauftragte der „Teilnehmergemeinschaft Berbling“, Andreas Schmelcher, hieß dazu unter anderem Peter Höcherl (Amt für ländliche Entwicklung), Vertreter der Aiblinger Stadtverwaltung, der Planer und ausführenden Firmen sowie einen beschlussfähigen Teil des Aiblinger Stadtrats einschließlich der Zweiten Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz und des Dritten Bürgermeisters Markus Stigloher willkommen.

Intensive und kontroverse Debatten

Bürgermeister Stefan Schlier erinnerte an die ersten Überlegungen für das Projekt in den 1990er-Jahren und stellte fest: „Nun sind wir auf der Zielgeraden.“ Am Bauwerk erkenne man den Zusammenhalt eines ganzen Dorfes und den unbelehrbaren, zuweilen auch im positiven Sinne sturen Willen, etwas Bleibendes zu schaffen. Er erwähnte außerdem „intensive und sogar sehr kontroverse Diskussionen“ über das Projekt im Stadtrat. „Was aber für ausnahmslos alle Stadtratsmitglieder immer klar war und nie zur Debatte stand: Berbling verdient dieses Haus.“

Mit Blick auf die Finanzierung wies er auf die erhebliche Eigenleistung der Dorfgemeinschaft hin, durch die die kalkulierten Gesamtkosten von rund 2,2 Millionen Euro um etwa 355000 Euro gesenkt werden konnten. „Diese Eigenleistung ist sagenhaft und schlichtweg beeindruckend. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Dorfgemeinschaft“, erklärte der Bürgermeister.

Dank der Fördermittel des Amtes für ländliche Entwicklung verbleibt für die Stadt Bad Aibling ein Eigenanteil von etwa 1,3 Millionen Euro. Seine Rede schloss er mit dem Dank an den Dorfverein und alle am Projekt Beteiligten. „Lassen Sie uns gemeinsam feiern. Denn dieser Bau ist mehr als Stein und Holz. Er ist ein Symbol für das, was entsteht, wenn Menschen zusammenhalten.“

Projektleiterin Johanna Flohr-Seubert vom städtischen Bauamt hob hervor: „Der Weg hierher war manchmal wie ein gutes Rezept: ein bisschen Geduld, eine ordentliche Portion Zusammenarbeit und immer wieder eine Prise Humor, um uns durch die eine oder andere Baustellenüberraschung zu bringen. Was hier entsteht, ist kein Verwaltungsbau. Es ist ein Ort der Begegnung. Dieses Haus wird nicht nur Räume bieten – es wird Möglichkeiten eröffnen.“

Architekt Benno Bauer zeigte sich beeindruckt vom geballten baulichen Fachwissen der Dorfgemeinschaft und konstatierte: „Das Haus steht und es ist fast Halbzeit. Das Engagement der Berblinger ist aus meiner Sicht unglaublich. Ich lerne jeden Tag von den Berblinger Baukünstlern dazu, was es heißt, kostengünstig mit angemessenen Mitteln und Arbeitsaufwand zu bauen.“

Andreas Schmelcher begann seine Ansprache mit den Worten: „Wir feiern unser erstes Fest im Dorfhaus“ und blickte auf die einzelnen Schritte zu dessen Realisierung zurück. Dazu zählten unter anderem eine Exkursion zu anderen Dorfhäusern sowie Gespräche mit staatlichen und kommunalen Behörden. Besonders hob er die umfangreichen Eigenleistungen der Dorfbewohner für das Projekt hervor und konstatierte: „Es ist nicht selbstverständlich, dass fast jedes Wochenende fürs Dorfhaus gearbeitet wird oder ganze Urlaube geopfert werden.“

Das Dorfhaus solle ein Zuhause für die Berblinger Vereine und Gruppierungen werden, für Alt und Jung. „Unser Dorfhaus gibt uns wieder die Möglichkeit, Versammlungen und Veranstaltungen in einem vernünftigen Rahmen abzuhalten, dadurch entsteht wieder ein zentraler Punkt im Dorf“, bekräftigte er.

Danach versammelten sich die Hebfeier-Teilnehmer vor der Südfront des Gebäudes, wo Johannes Koller auf dem Balkon seinen auf einer rund 1,50 Meter langen Papierrolle geschriebenen, heiteren Richtspruch vortrug. Dieser begann mit dem Dank an den „ollerhäxten Moasda“: „An Herrgott sei Dank, dass ea ollawei gwesn is bei uns dabei.“ Im weiteren Verlauf wurden unter anderem die verschiedenen Handwerkersparten, die Bauherrschaft und der Architekt gewürdigt: „So steht jetzt olles prächtig do, wias jeda heit bezeugn ko.“

Zusammen mit Sebastian Wierl stieß er mehrfach mit einem dreifachen „Houch“ an, um dann die geleerten Sektgläser „symbolisch“ hinunterzuwerfen: „Jetzt, Glos, zersplitter do im Grund, geweicht sei des Bauwerk do zur Stund.“

Bevor es dann zum Richtschmaus ging, befestigte Bürgermeister Stephan Schlier an dem mit einem weißblauen Band geschmückten Richtbäumchen das Seil, an dem es dann nach oben gezogen und auf dem Balkon fixiert wurde. Musikalisch umrahmt wurde die Hebfeier von der viel beklatschten „Kern-Musi“ mit flotten Weisen und auf Berbling gemünzte Gstanzln. Anzumerken ist noch, dass Sebastian Pfatrisch eine Hebfeier-Schützenscheibe handgemalt hat, die in der neuen Schießanlage von den Feier-Gästen „ausgeschossen“ wurde.

Bauliche Details und Informationen

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