Bad Aibling – Es war wieder einmal ein Glücksfall, dabei zu sein in der Villa Maria – und es war weit mehr, als die nüchterne Ankündigung erwarten ließ: die Lesung von Julia Cortis aus dem Buch „Gartengeschichten“ von Eva Demski. Trotz des sommerlichen Ausflugswetters war der große Raum mit Zuhörern besetzt. Auch Maler Paul Havermann, dessen Blumenbilder derzeit in der Villa zu sehen sind, hatte mit seiner Frau den weiten Weg aus Dachau auf sich genommen.
Man kennt Julia Cortis als Sprecherin anspruchsvoller Kultursendungen aus dem Fernsehen. Und natürlich ist Eva Demski allen Literaturfreunden bekannt. 1944 in Regensburg geboren, lebt sie heute in Frankfurt am Main. Ihr literarisches Werk wurde vielfach ausgezeichnet. 2008 erhielt sie den Preis der Frankfurter Anthologie. Ihr Buch „Gartengeschichten“ ist beileibe kein Ratgeber für Gartenfreunde, sondern ein politisch-philosophisches Buch mit Betrachtungen verschiedener Gärten und ihrer Schicksale.
Eindrucksvoll stellt Demski die Gärten der zerbombten Stadt Sarajevo vor – Bauerngärten, die sich entlang der grünen, wilden Neretva reihen. 1996 unternahm eine Gruppe deutscher Schriftsteller auf Einladung eine Reise in das zerstörte ehemalige Jugoslawien. Überall blühten die Kirschbäume. Schöne riesige alte Bäume, die in krassem Widerspruch zu den zerschossenen Häusern standen. Alles wuchs verschwenderisch, weiße Blütenwolken schienen durch die Luft zu schweben. Die Gärten hatten den Krieg bereits vergessen.
So behandelt das Buch Streifzüge durch ferne und naheliegende Gärten, den Garten der Vita Sackville-West zum Beispiel, und schließlich auch Demskis eigenen – immer reflektierend und nachdenklich. Julia Cortis las mit leiser Heiterkeit und großem Ernst, es war ein Genuss, ihr zuzuhören. Die Begeisterung der Zuhörer äußerte sich in nicht endendem Beifall. bö