Zu Hause bei Europameistern

von Redaktion

Lisa und Benny Lechner aus Bruckmühl holten vor Kurzem EM-Gold im Kunstradsport. Und auch die Jahre davor räumten die Geschwister einige Titel und Medaillen ab. Doch wie ticken die beiden eigentlich privat und gibt es zwischen Bruder und Schwester auch mal Streit?

Bruckmühl – Wo sonst, außer in der Turnhalle, sollte man Lisa und Benny Lechner aus Bruckmühl auch sonst antreffen? Die Geschwister räumen in der Sportart Kunstrad einen Titel und eine Medaille nach der anderen ab. Zuletzt sorgten die beiden in Ungarn für einen Gänsehautmoment. Denn in der Stadt Dad holte das Duo den Europameistertitel im Zweier-Kunstradfahren nach Deutschland. Doch wie ticken Lisa und Benny Lechner von der Soli Bruckmühl privat? Und was machen die beiden eigentlich, wenn sie mal nicht in der Turnhalle trainieren?

„Kämpft für
sich alleine“

Um Punkt 17 Uhr hört man aus der Turnhalle Götting in Bruckmühl leise Musik. Lisa Lechner (16) sitzt auf ihrem Kunstrad und fährt immer wieder im Kreis. Langsam erhebt sie sich vom Sattel. Spannt ihren Körper an und geht langsam in einen Handstand über. Die Hände sind fest auf dem Lenkrad platziert. Ganz ruhig fährt das Fahrrad weiter im Kreis. Lisa wirkt konzentriert, schaut mit wachem Blick nach vorne. Und dennoch wirkt die 16-Jährige auch sehr gelassen. Schließlich macht sie diese Figur nicht zum ersten Mal. Sie und ihr Bruder Benny (14) sind im Kunstradsport zu Hause. Sechsmal die Woche trainieren sie. Und das seit acht Jahren. Müde sind sie noch lange nicht.

„Das Besondere daran ist, dass es ein Einzelsport ist“, sagt Benny Lechner. „Man fährt alleine oder mit einem Partner. Aber letztendlich macht man das nur für sich und kämpft auch für sich alleine.“ Außerdem können die Geschwister selbst entscheiden, wann sie trainieren und wie oft. Denn die beiden sind an keine Mannschaft gebunden, sondern machen das nur zu zweit. Wobei, ganz alleine sind sie nicht. Immer mit dabei sind ihre Mutter Regina Lechner und ihre Trainerin Jana Pfann.

Angefangen hat alles mit einer Freundin von Lisa Lechner. „Sie fährt Kunstrad und wir haben uns das dann mal bei einem Sportler-Nachmittag angeschaut“, erklärt die Bruckmühlerin. Beide waren sehr interessiert an dieser Sportart. Vor allem Benny Lechner wollte es unbedingt machen. „Und ich wollte nicht immer am Rand daneben sitzen und bin dann halt auch mit auf den Sattel aufgestiegen“, so Lisa Lechner.

Sport war für die beiden schon immer wichtig. So waren sie auch schon früh mit ihren Skiern auf verschiedenen Pisten unterwegs, fingen jung mit dem Laufen, Turnen und Schwimmen an. Und auch das Wandern in den Bergen durfte bei dem sportlichen Duo nicht fehlen. Und wie sieht es heute aus? Was machen die beiden, wenn sie mal nicht beim Kunstrad-Training sind? Natürlich Sport! Die Leidenschaft dafür haben sie von ihrem Vater geerbt. „Er läuft Marathons und macht auch beim Triathlon mit“, sagt Lisa Lechner. Wenn sie nicht in der Halle auf ihrem Kunstrad sitzt, ist die 16-Jährige beim Schwimmtraining oder beim Leichtathletiktraining anzutreffen. Ihr Bruder hingegen spielt gerne Fußball.

Doch nicht nur sportliche Aktivitäten gehören zum Leben der Lechners. Während die 16-Jährige in ihrer Freizeit gerne mal mit Freunden unterwegs ist, ist ihr Bruder in der Küche tätig. „Ich backe und koche sehr viel“, sagt Benny Lechner. Die beiden haben reichlich Zeit für Freizeit. Auch wenn dafür sehr viel „Disziplin und Ordnung“ nötig ist. „Wir gehen vormittags in die Schule, kommen nach Hause, machen unsere Hausaufgaben und gehen dann abends zum Training“, erklärt Lisa Lechner. „Sechsmal die Woche geht es zum Kunstrad-Training und manchmal überschneidet es sich dann mit dem anderen Sport.“

Dennoch würden die Geschwister nicht mit dem Kunstradsport aufhören wollen. Vor allem, weil es laut den beiden eine Besonderheit dabei gibt. Es gehe nicht „wirklich um Konkurrenz“, sondern eher um Gemeinschaft. „Man knüpft sehr viele Freundschaften und das in ganz Deutschland“, erklärt die 16-Jährige. „Meine beste Freundin zum Beispiel fährt auch Kunstrad und die wohnt in Aschaffenburg.“

Lisa und Benny Lechner unternehmen viel zusammen. Zu Streitereien unter den Geschwistern komme es aber eher selten. „Außerhalb des Trainings streiten wir uns eigentlich nie. Und im Training diskutieren wir schon ab und zu, was aber sehr nützlich sein kann“, erklärt der 14-Jährige. Schließlich können die unterschiedlichen Ansichten, wie das Training und die Übungen besser werden, beide noch weiter in der Sportart voranbringen.

Gibt es auch mal
Streitereien?

Das ist auch einer der Gründe, warum sich die beiden vor den gemeinsamen Wettkämpfen getrennt aufhalten. Beide sind nach wie vor „extrem aufgeregt“, wenn sie zu den bayerischen oder deutschen Meisterschaften oder zur Europameisterschaft aufbrechen. Mit dieser Aufregung gehen die Geschwister ganz unterschiedlich um. „Ich rede bis zum Start mit irgendwelchen Leuten oder mit Freunden, um mich ein bisschen abzulenken“, sagt die Schwester. Sie mag es gar nicht, sich zu lange auf das Programm zu konzentrieren. Ihrem Bruder hingegen hilft genau das. „Ich finde es extrem wichtig, dass ich mich darauf konzentriere. Deswegen sind wir immer eine halbe Stunde vor dem Start getrennt, damit wir beide runterkommen und uns fokussieren können, wenn es drauf ankommt“, erklärt Benny Lechner.

Wie es für die beiden in Zukunft weitergeht, sei noch nicht ganz klar. Doch beide wollen mit dem Kunstradsport definitiv weitermachen. Schließlich fehlen noch ein paar Titel, Medaillen und Pokale. Wie zum Beispiel die Weltmeisterschaften, die allerdings erst ab 19 sind. Für Lisa Lechner wären es also nur noch drei Jahre, ehe sie um diesen Titel kämpfen darf. Doch für beide steht eines fest. „Wir würden diesen Sport noch gerne länger machen, da es einfach sehr viel Spaß macht und wir viele Freunde kennenlernen.“

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