Bruckmühl – „Hier können die Kinder mit der Natur, dem Zusammenleben mit Tieren und im Einklang mit dem Jahreskalender einfach Kinder sein.“ Dieser Satz skizziert treffend, kurz und knapp das Erfolgsgeheimnis des „Bauernhofkindergartens Lindenbaum“ im Bruckmühler Ortsteil Noderwiechs.
Was 2004 durch Annemarie Ettenhuber, ausgebildete Kinderpflegerin, ohne staatliche Unterstützung mit der liebevollen Betreuung einer Spielgruppe von 15 Kindern in den Privaträumen ihres landwirtschaftlichen Anwesens „beim Niedermoa“ (Hausname) ins Leben gerufen wurde, hat sich in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten kontinuierlich und zielgerichtet zum anerkannten und geschätzten privat geführten Bauernhofkindergarten samt Waldkindergarten entwickelt.
Gewachsenes Erfolgs-Projekt
„Unser Konzept ist quasi ein bunter Blumenstrauß, den wir ganz bewusst aus allen Bildungsrichtungen so harmonisch und farblich zusammenstellen, dass er maßgeschneidert zu uns passt“, beschreibt Annerose Ettenhuber, Annemaries Schwiegertochter, die gelebte und praktizierte Philosophie ihres Teams anschaulich. 2010 realisierte die ausgebildete Erzieherin das erste separate Gruppenzimmer. „Wir wollten einfach unser Wohnzimmer auch mal wieder für uns haben“, erinnert sich die 39-Jährige mit einem Lächeln an ihre Anfangszeit. Nach der Geburt ihrer Söhne Benedikt und Jakob wurde dann die Idee geboren, Wohnen und Arbeiten auf dem Bauernhof zusammenzuführen.
Mit dieser Initiative stieß sie dann auch bei den offiziellen Stellen und behördlichen Entscheidern auf offene Türen. „Wir haben viel positive Unterstützung von allen Seiten, gerade auch von der Marktgemeinde, erhalten“, erzählt die gebürtige Ebersbergerin. 2014 erfolgte dann die offizielle Staffelstab-Übergabe von der Spielgruppe zum Erfolgs-Projekt „Bauernhofkindergarten Lindenbaum“. Namensgeber und Pate war und ist eine große Linde auf dem Grundstück des Bauernhofes Ettenhuber.
Das hoch motivierte und top ausgebildete, zehnköpfige Team aus Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und einem Praktikanten um Leiterin Ettenhuber kümmert sich integrativ und mit gelebter Leidenschaft um 31 Mädchen und Buben im Alter von drei bis sechs Jahren.
Dieses einmalige „Betreuer-Kinder-Zahlenverhältnis“ ermöglicht eine intensive und individuell geprägte zwischenmenschliche Beziehung. Zudem ist es auch von großem Vorteil für das Sozialverhalten der Kinder.
„Uns ist es sehr wichtig, vor allem ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Kindern sowie ein partnerschaftliches Miteinander zu haben, auch liegt uns der Kontakt mit der Natur und Tieren sehr am Herzen“, beschreibt die sympathische Leiterin. Gerade Letzteres stehe für das Alleinstellungsmerkmal. Dies beginnt bei der dörflichen Idylle von Noderwiechs, geht über das 800 Quadratmeter große ländliche Bauernhof-Ambiente mit Wasserlauf im Garten, Hoch-Beet und Bienenhotel, bis hin zum eigenen Tierpark mit Kühen, Kälbern, Eseln, Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen, einem Gockel und Hühnern. Höhepunkt ist eine Falken-Kamera, mit der die Kinder über ein Tablet den Vögeln beim Brüten zuschauen können.
Zum Selbstverständnis gehört, dass sich die Kinder adressatengerecht auch um die Versorgung und das Füttern der Tiere kümmern. Auf dem zertifizierten Naturland-Betrieb erleben sie so hautnah den bäuerlichen Jahreskalender der Landwirtschaft. Komplettiert wird dies durch einen wöchentlichen Wald-Tag. „Da gehen wir bei fast jedem Wetter raus in die Natur, was auch der körperlichen und gesundheitlichen Robustheit der Kleinen guttut“, beschreibt die Kindergarten-Leiterin die Beweggründe. Doch damit nicht genug: Zum „Bauernhofkindergarten Lindenbaum“ gibt es seit September 2022 auch ein Pendant, den „Waldkindergarten Lindenbaum“.
Er liegt inmitten eines 18 Hektar großen Waldgebietes der Familie Ettenhuber nördlich von Noderwiechs, idyllisch um eine Blockhütte mit Bollerofen gelegen, gleich hinter dem Moosbach. Nach der identischen Philosophie des Bauernhof-Kindergartens kümmern sich hier sechs Fach- und Ergänzungskräfte sowie eine Praktikantin in der integrativen Waldgruppe um 25 Kinder. Unterstützt werden sie dabei zweimal pro Woche von zwei Heilpädagoginnen.
Umwelt mit
allen Sinnen erleben
„Hier liegt unser Fokus darauf, dass die Mädchen und Jungen ihre Umwelt, die Natur und Pflanzenwelt mit allen Sinnen erfahren und dadurch erleben können“, verdeutlicht Ettenhuber. Ein Höhepunkt im Jahresablauf ist neben vielen Aktivitäten vor allem auch der Nikolausbesuch im Wald. Einmal im Monat findet ein Tauschtag für die Kinder statt. Die Hofkinder gehen in den Wald und die Waldkinder dürfen einen Tag am Bauernhof verbringen, Tiere füttern, im Zimmer spielen oder mit den Fahrzeugen im Garten fahren.
Neben dem aktiv gelebten Gedanken der Inklusion wird auch dem generationsübergreifenden Aspekt gebührend Rechnung getragen. So sorgen die Kinder beider Einrichtungen bei ihren regelmäßigen Besuchen im Bruckmühler Seniorenheim „Blumenwinkel“ für Jubel, Trubel und Heiterkeit.
Miteinander
macht einfach Freude
Auf die abschließende Frage, was das Besondere an dem Bauerhof- und Waldkindergarten ist, folgt die Antwort der 39-jährigen Ettenhuber spontan. „Basis ist sicherlich das konstruktive Miteinander, dazu macht uns das tägliche Miteinander mit den Kindern richtig Spaß. Die gelebte Leidenschaft samt Herzblut sind spürbar, da wird auch mal die Freizeit für eine Maßnahme geopfert“, zeigt sich die Chefin auf ihr Team und ihre Familie stolz.