Polit-Beben in Bad Aibling

von Redaktion

Nach Zusammenschluss von ÜWG und Freien Wählern – Parteifreie gründen sich

Bad Aibling – Die Tatsache, dass die Überparteiliche Wählergemeinschaft Bad Aibling (ÜWG) im Frühjahr dieses Jahres mehrheitlich eine gemeinsame Kandidatenliste mit den Freien Wählern (FW) bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr gebilligt hatte, hat die Spaltung der ÜWG zur Folge. Deren ehemaliger Zweiter Vorsitzender Raphael Stanke trat noch am Abend der Entscheidung aus der ÜWG aus und bereitet derzeit für die Stadtratswahl im kommenden Jahr eine eigene Liste vor, mit der sich parteiunabhängige Mitglieder beim Urnengang am 8. März 2026 um das Vertrauen der Bürger bewerben wollen.

„100 Prozent parteifreie Politik“

Stanke steht jetzt an der Spitze des Vereins „Parteifreie Wählervereinigung Bad Aibling“, die Liste zur Kommunalwahl soll den Namen „Parteifreie Bad Aibling“ tragen. Die Entscheidung der ÜWG, die von deren amtierenden Stadträten Kirsten Hieble-Fritz, Dieter Bräunlich und Rudi Gebhart mitgetragen wird, kritisiert Stanke offen als „Fehler“ und kann sich den Hinweis nicht verkneifen, dass das Votum für den Zusammenschluss „nur ein gutes Dutzend Leute“ getroffen hätten.

„Das ist nicht mehr das, warum ich in die ÜWG eingetreten bin. Es ist doch allgemein bekannt, dass es sich bei den Freien Wählern um eine Partei handelt“, sagt Stanke und verbindet damit die Befürchtung, dass aufgrund der gemeinsamen Liste mit der ÜWG der Einfluss der Parteipolitik in der Stadtratsarbeit zunehmen wird.

Dem will der 43-jährige Rechtsanwalt, ein gebürtiger Bad Aiblinger und Vater einer kleinen Tochter, mit seiner neuen Gruppierung entgegenwirken. „Wir machen zu 100 Prozent eine parteifreie Politik“, verspricht er und gibt als „hehres Ziel“ aus, im September die Namen der Bewerber präsentieren zu wollen, die ein Stadtratsmandat anstreben. Derzeit laufe die Suche nach geeigneten Kandidaten, sagt Stanke, der die Liste wohl anführen wird.

Bevor er seine Tätigkeit als Rechtsanwalt begann, sammelte er bereits Erfahrungen in der Kommunalverwaltung. „Diese Erfahrungen helfen mir jetzt bei meiner politischen Arbeit natürlich sehr“, bekennt er freimütig.

Ob die Parteifreien auch mit einem eigenen Bürgermeister-Kandidaten antreten wollen, lässt Stanke offen. Falls nicht, hält er sich in der Frage einer eventuellen Unterstützung eines anderen Bewerbers im Moment bewusst zurück. Eine Tendenz zeichnet sich jedoch bereits ab. Sollte sich die ÜWG-Ortsvorsitzende Kirsten Hieble-Fritz um den Chefposten im Rathaus bewerben, kann sie wohl nicht mit der Unterstützung der Parteifreien rechnen. Sie hatte ihre Kandidatur um das Bürgermeisteramt bereits vor einigen Wochen angedeutet, offiziell ist sie noch nicht.

Stankes Befürchtungen weist Sepp Hofer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler im Landkreis Rosenheim, als „Räuberpistole“ entschieden zurück. „In den Bad Aiblinger Wahlkampf werden weder Parteivorsitzender Hubert Aiwanger, noch unser Landtagsabgeordneter Sepp Lausch eingreifen, weil sie gar nicht zur Wahl stehen“, versichert er.

Er fühlt sich an die kürzlich abgehaltene Neuwahl des Landrats im Landkreis Traunstein erinnert, bei der sich der FW-Kandidat bei der Stichwahl gegen den Mitbewerber von der CSU durchsetzte. Sie war vorzeitig nötig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber jetzt dem Deutschen Bundestag angehört. Da sei auch verbreitet worden, wer den FW-Bewerber unterstütze, wähle in Wirklichkeit Aiwanger. „Was ist das für ein Blödsinn. Dies trifft auch auf solche Behauptungen in Bad Aibling zu“, so Hofer.

Er sieht die Listenverbindung von FW und ÜWG im Gegenteil als ein „Zeichen für die Übernahme von politischer Verantwortung“, weil sie hinter der CSU auf Platz zwei des Stimmzettels erscheinen werde. „Es hätte Alarmstufe rot bedeutet, wenn da die AfD gestanden wäre“, argumentiert Hofer. Die Abspaltung der Parteifreien sieht die ÜWG-Ortsvorsitzende Kirsten Hieble-Fritz als ein Zeichen von gelebter Demokratie. „Es ist kein Geheimnis, dass Herr Stanke mit unserer Entscheidung nicht glücklich war. Für mich ist das vollkommen okay, wenn er das so sieht.“

Auch die Tatsache, dass sie von einem Teil ihrer ehemaligen Mitstreiter wohl keine Unterstützung im Falle ihrer Bürgermeister-Kandidatur erfahren dürfte, sieht sie gelassen. „Diese Haltung verstehe ich und nehme sie nicht persönlich. Es würde die Abspaltung ja gleichsam ad absurdum führen, wenn ich von dieser Gruppierung unterstützt würde“, sagt Hieble-Fritz, die amtierende Vizebürgermeisterin in Bad Aibling ist.

Den Vorwurf, die FW könnten aufgrund der Listenverbindung parteipolitische Einflussnahme auf die Stadtpolitik ausüben, weist auch sie zurück. „Das erlebe ich so nicht.“ Sie werde sich bei der Ausarbeitung des Programms für die Stadtratswahl sicher nicht am Parteiprogramm der Freien Wähler orientieren, sondern „ein Programm für Bad Aibling“ machen – unabhängig von der Platzierung auf dem Stimmzettel. „Mein Hauptanliegen ist bestimmt nicht, Stimmen von der AfD wegzufangen. Wir wollen möglichst viele Wähler durch die Persönlichkeiten auf unserer Liste und durch unser Programm überzeugen“, so Hieble-Fritz.

Sieben Mitglieder bei der Gründung

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