Raser-Hochburg? Von wegen!

von Redaktion

Über 650000 Fahrzeuge wurden 2024 einer Geschwindigkeitskontrolle in Feldkirchen-Westerham unterzogen – mit einem durchaus erfreulichen Ergebnis. Was genau dahintersteckt und warum gerade ruhender Verkehr immer problematischer wird.

Feldkirchen-Westerham – „Ob das den Verkehr jetzt sicherer macht?“, fragte sich kürzlich eine Facebook-Nutzerin aus Feldkirchen-Westerham. Dort war über die sozialen Medien eine Diskussion zu einer mobilen Blitzer-Station entfacht. Ein Foto zeigt das wuchtige Messgerät in der Aiblinger Straße, schräg gegenüber der Sonnen-Apotheke – mehr oder weniger auf dem Gehweg abgestellt.

Eingeschränkte Übersicht?

„Steht echt ungünstig da! Man sieht nichts! Super gemacht!“, schrieb ein anderer und zielte dabei auf die eingeschränkte Verkehrsübersicht ab. Doch Raser könne man auch an dieser Stelle erwischen, schrieb ein weiterer Facebook-User, dem dort gar schon einmal ein Motorrad mit 120 Stundenkilometern auf den Hinterreifen begegnet sei.

Doch die Frage, wie sinnvoll Verkehrsüberwachungen in Feldkirchen-Westerham überhaupt sind, beantwortet passend dazu eine kürzlich veröffentlichte Mitteilung der Gemeinde. Seit 2011 ist man Mitglied im Zweckverband Kommunale Dienste Oberland (ZV KDO). Seither arbeite man zusammen daran, die Verkehrsüberwachung im Gemeindegebiet effizient und bürgerfreundlich zu gestalten. Und das offenbar mit Erfolg. Denn laut Angaben der Gemeinde fahren die Feldkirchen-Westerhamer in den vergangenen Jahren immer rücksichtsvoller.

Aktuell gibt es 21 aktive Messstellen im gesamten Gemeindegebiet, an denen regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden. Die Auswahl und Priorisierung dieser Messpunkte erfolgt in enger Abstimmung mit der Polizeiinspektion Bad Aibling. Der Zweckverband verfügt über rund 20 Überwachungsfahrzeuge, darunter auch besagte „semistationäre Messanhänger“, die sogenannten Blitzeranhänger, die flexibel einsetzbar sind. Mit dem Ergebnis in Feldkirchen-Westerham: „Im Jahr 2024 wurden insgesamt 650073 Fahrzeuge gemessen. Dabei kam es in 1413 Fällen zu Ordnungswidrigkeitenverfahren, was einer Beanstandungsquote von 3,49 Prozent entspricht“, teilt die Gemeinde mit.

Diese Beanstandungsquote nehme seit Jahren ab, was sich auch am Vergleich mit anderen Kommunen zeigt. So liege der Durchschnitt im Verbandsgebiet bei 4,87 Prozent. „Unsere Gemeinde schneidet also inzwischen besser ab als der Durchschnitt – ein positives Zeichen für das rücksichtsvolle Fahrverhalten vieler Verkehrsteilnehmer.“ Damit folgt die Gemeinde offenbar einem positiven Trend und sticht dabei zusätzlich heraus. „Wo wir regelmäßig Geschwindigkeit kontrollieren, sind die Autofahrer nachweislich langsamer unterwegs“, erklärt der Zweckverband Kommunale Dienste Oberland. Die gemessenen Geschwindigkeitsverstöße pro Stunde (Verstoßquote) gingen in diesen Gebieten, wie auch in Feldkirchen-Westerham, deutlich zurück.

Bayernweit lässt sich ein solcher Trend jedoch nicht wirklich feststellen. Nach einem 24-Stunden-Blitzmarathon Anfang April bilanzierte das Bayerische Innenministerium, dass noch immer zahlreiche Raser auf den Straßen unterwegs sind. So habe die Bayerische Polizei sowie die teilnehmenden Gemeinden und Zweckverbände dieses Mal insgesamt 9832 Geschwindigkeitssünder erwischt, deutlich mehr als noch beim Blitzmarathon 2024 (8627 Geschwindigkeitsverstöße). Trauriger Spitzenreiter sei laut Ministerium ein Autofahrer gewesen, der auf einer Bundesstraße in Mittelfranken mit 180 km/h gemessen wurde, obwohl nur eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erlaubt ist. Neben einem dreimonatigen Fahrverbot und zwei Punkten in Flensburg musste der Verkehrssünder auch tief für ein Bußgeld in die Tasche greifen. Gelder, die letztlich auch den Kommunen wieder zugutekommen. Trotz positiver Entwicklung des Fahrverhaltens und damit rückläufiger Einnahmen aus Geschwindigkeitsverstößen konnte die Gemeinde Feldkirchen-Westerham durch die Verkehrsüberwachung im Jahr 2024 einen Überschuss von über 17800 Euro verbuchen. 2023 hatte die Kommune bei ähnlichen Ausgaben noch einen Überschuss von 46269 Euro verbucht, also deutlich mehr Verstöße festgestellt.

Auffällig: Die Überwachung des ruhenden Verkehrs wurde in den letzten Jahren deutlich intensiviert – vor allem in Wohn- und Gewerbegebieten, wie die Gemeinde mitteilt. Der Grund: Immer mehr Beschwerden von Bürgern, etwa über zugeparkte Gehwege, enge Straßen und schwer erreichbare Einfahrten. Ein zunehmendes Problem seien falsch genutzte Garagen.

Garagen werden zu Lager oder Werkstatt

Diese würden oftmals als Lager oder Werkstatt verwendet, anstatt die Autos dort abzustellen. „Dadurch bleibt das Auto auf der Straße und blockiert wichtige Flächen“, heißt es in der Gemeinde-Mitteilung. Zu beachten sei jedoch, dass laut bayerischer Bauordnung eine „Zweckentfremdung“ genehmigungspflichtig sei. Andernfalls könne es insbesondere im Versicherungsfall zu Problemen kommen.

Überdies will die Kommune in neu geplanten Gewerbegebieten, in denen oftmals Seitenstreifen als Parkflächen für Lkw genutzt werden, künftig stärker auf eine praxisgerechte Planung achten. Zudem prüft die Gemeinde derzeit verschiedene Möglichkeiten, den Parkdruck in stark belasteten Bereichen zu reduzieren. Mögliche Maßnahmen seien hierfür etwa die Einführung von Parkgebühren an stark frequentierten Plätzen, die strukturierte Ausweisung von Parkflächen in sogenannte „Parkzonen“ oder Bewohnerparkausweise für bestimmte Wohngebiete mit hohem Parkdruck.

Neue Parkregelung für E-Fahrzeuge seit April

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